Das Neuendettelsauer Sozialunternehmen Diakoneo kommt beim Verkauf seiner stark defizitären Krankenhäuser offenbar nur schleppend voran. Zumindest das größte Haus, das Diak-Klinikum in Schwäbisch Hall, wird aber zum Jahreswechsel in das Eigentum des Landkreises Schwäbisch Hall übergehen.
Der Kreistag in Schwäbisch Hall hat am Dienstag beschlossen, dass der Landkreis nach langen Verhandlungen zum 1. Januar 2025 das Diak-Klinikum mit Tochtergesellschaften übernimmt. Der Kaufpreis ist negativ, das heißt Diakoneo muss 21 Millionen Euro in drei Jahresraten zahlen, um das Klinikum loszuwerden. Die evangelische Landeskirche und das Diakonische Werk Württemberg unterstützen die Übernahme mit knapp 15 Millionen Euro. Im Tausch übernimmt der Landkreis die Gewähr für die zusätzliche Altersvorsorge der Mitarbeitenden.
Außerdem wird die Landeshilfe 2024 für die Krankenhäuser in Baden-Württemberg in Höhe von rund einer Million Euro bereits dem neuen Träger zugeordnet.
Ursprünglich hatte der Landkreis Schwäbisch Hall gemeinsam mit der SRH Holding mit Sitz in Heidelberg über eine Übernahme des Diak-Klinikums verhandelt. Laut einem Bericht des SWR war dies daran gescheitert, dass die kartellrechtliche Überprüfung zu lange gedauert hätte. SRH hatte bereits die von der einstigen Diakonie Neuendettelsau gegründete Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth übernommen.
Das früher selbstständige Diak Schwäbisch Hall hatte 2019 mit der Diakonie Neuendettelsau zu Diakoneo fusioniert. Diakoneo wird nach dem Verkauf etwa 1500 Mitarbeitende weniger haben.
Welche Folgen hat das für die Arbeitsplätze in der Unternehmenszentrale in Neuendettelsau? Darauf antwortete die Pressestelle von Diakoneo so: Ein Fokus der Verhandlungen sei gewesen, für die Mitarbeitenden eine gute Perspektive zu schaffen.
Dies gelte auch für die Mitarbeitenden der zentralen Dienste und Dienstleistungsbereiche, die für die Klinik zuständig seien. Man habe „sehr gute Lösungen“ gefunden und sei mit ihnen im Gespräch.
Verkaufen will Diakoneo darüber hinaus die Klinik Hallerwiese/Cnopfsche Kinderklinik in Nürnberg, die die Kinderstation Wald im Klinikum Ansbach als Außenstelle betreibt – die einzige stationäre Kinderkrankenstation in Westmittelfranken.
Als Interessent war vor Monaten das Städtische Klinikum Nürnberg genannt worden. Der Stand der Dinge bei diesen Verhandlungen sei „unverändert“, teilte Diakoneo mit. Das Gleiche gelte für die Gespräche mit der Stadt Schwabach über die dortige Klinik. Einzig die Rangauklinik in Ansbach-Strüth steht bisher nicht zum Verkauf, da sie als Fachklinik anders und besser refinanziert wird als die übrigen Krankenhäuser.
In Neuendettelsau hat Diakoneo bereits die Klinik, das Jugendzentrum und das Dialog-Hotel geschlossen. Weitere Kürzungen gibt es im kulturellen Bereich.
Das Gesamt-Defizit von Diakoneo wird heuer voraussichtlich niedriger ausfallen als 2023. Der Jahresabschluss werde im Frühjahr erstellt und könne erst nach der Freigabe durch die zuständigen Gremien entsprechend kommuniziert werden, hieß es dazu aus Neuendettelsau.
„Was wir schon jetzt sagen können, dass wir nicht zuletzt durch das hohe Engagement unserer Mitarbeitenden in diesem Jahr deutliche Verbesserungen erzielen konnten“, meinte Pressesprecherin Manuela Giesel.