Das Brauerei-Projekt in Merkendorf steht auf der Kippe | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.04.2023 17:18

Das Brauerei-Projekt in Merkendorf steht auf der Kippe

Die Stadt Merkendorf will den einstigen Brauereikomplex neben dem Rathaus herrichten. Weil sie das finanziell eigentlich nicht stemmen kann, will man nun nach einem Investor suchen. (Foto: Robert Maurer)
Die Stadt Merkendorf will den einstigen Brauereikomplex neben dem Rathaus herrichten. Weil sie das finanziell eigentlich nicht stemmen kann, will man nun nach einem Investor suchen. (Foto: Robert Maurer)
Die Stadt Merkendorf will den einstigen Brauereikomplex neben dem Rathaus herrichten. Weil sie das finanziell eigentlich nicht stemmen kann, will man nun nach einem Investor suchen. (Foto: Robert Maurer)

Für das Großprojekt der Stadt Merkendorf sieht es schlecht aus: Die Sanierung der Brauerei Hellein direkt neben dem Rathaus in der Ortsmitte ist finanziell kaum darstellbar.

Bürgermeister Stefan Bach, Kämmerer Heiko Wittig und Geschäftsstellenleiter Andreas Hochneder nahmen sich viel Zeit, um dem Stadtrat den Haushalt für 2023 mit allen Details vorzustellen. Doch vor allem, ging es ihnen darum, aufzuzeigen, um welche Summen, es beim Brauereiprojekt geht.

Ab 2024 würde sich das Vorzeigevorhaben massiv in den Schulden niederschlagen. Bis 2026 müsste die Stadt fast 7,1 Millionen Euro an Krediten aufnehmen, rund 1,8 Millionen davon wären durch Bauspardarlehen gedeckt, den Rest müsste man sich bei einer Bank leihen. Das hätte zur Folge, dass Merkendorf mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 2200 Euro wohl trauriger Spitzenreiter im Landkreis Ansbach wäre.

Sehr sportliche Vorgaben

Der Stadtrat hatte festgelegt, dass Zins und Tilgung im Jahr die Summe von maximal 400.000 Euro nicht übersteigen sollten, lieber wären dem Gremium nur 350.000 Euro. Geschäftsstellenleiter Andreas Hochneder nannte schon diese Vorgabe „sehr sehr sportlich“. Der Kämmerer hat errechnet, dass bei einem Zinssatz von 3,75 Prozent nach zehn Jahren lediglich 1,5 Millionen Euro der Schulden abgetragen wären. Anders gesagt: Mit diesem Projekt an der Backe, ist Merkendorf über Jahrzehnte geknebelt.

„Wenn die Zinsen noch weiter steigen, geht gar nichts mehr“, stellte Jeff Hausmann (Bürgerallianz) fest. Irgendwann müsse die Stadt auch wieder in die gut 20 Jahre alte Schule investieren, nannte er ein Beispiel. „Wir bräuchten einen Investor, dann könnten wir uns freischwimmen“, meinte sein Fraktionskollege Werner Rück.

„Die Zahlen sind ernüchternd”

Matthias Reif (CSU/Freie Wähler) erinnerte daran, dass beim Einstieg in das Projekt Brauerei Hellein von Kosten in Höhe von acht Millionen Euro die Rede war, jetzt seien es mehr als 15 Millionen. „Es erlebt keiner von uns mehr als Stadtrat, dass diese Verschuldung zurückgezahlt wird“, sagte er mit Blick in die Runde. „Die Zahlen sind ernüchternd“, bekannte auch Roland Lenz (Bürgerforum).

Bürgermeister Stefan Bach betonte mehrfach: „Das Projekt würde der Stadt gut tun.“ Mit dem Hotel und einer Gaststätte würde die Merkendorfer Innenstadt sicher spürbar belebt. Da wollte ihm auch kein Stadtrat widersprechen.

Der Hotel- und Gaststättenverband habe auf seine Bitte das Vorhaben in einem Rundschreiben den Mitgliedern bekannt gemacht und binnen zweier Tage seien zwei Nachfragen von sehr interessierten Gastronomen bei ihm eingegangen, schilderte Bach. Einer sei im Telefonat voll des Lobs für das Konzept gewesen.

Verwaltung braucht mehr Büros

Ohne die Umsetzung bleibt der Stadt das Problem, dass die Verwaltung zusätzliche Büros braucht und es weiter an einem barrierefreien Zugang zum Rathaus fehlt, machte der Bürgermeister deutlich. Gleichwohl wisse man auch nicht, wie sich die Preise auf dem Bau und die Zinsen weiter entwickeln. „Vom Volumen her ist es für uns einfach schwierig“, räumte Bach ein.

Bislang hat Merkendorf für das Gebäude und die Planung rund 900.000 Euro ausgegeben, sagte Geschäftsführer Hochneder. Aus dem Bauch heraus nannte er die Summe von 650.000 Euro, die an die Planer zu zahlen wären, würde man das Ganze nun einstampfen. Heglaus Ortssprecher Martin Huber schlug angesichts dessen vor, die Planung komplett abzuschließen. Das käme wohl kaum teurer und man hätte dann zumindest etwas in der Hand, um einen potenziellen Investor überzeugen zu können.

Planungen werden abgeschlossen

Die Idee, die Planung trotz allem abzuschließen, fand im Stadtrat mehrheitlich Anklang. Der Bürgermeister will das nun mit den eingeschalteten Fachleuten besprechen und sich parallel auf die Suche nach einem Investor machen.

Den Haushalt wird Kämmerer Wittig entsprechend ohne das Brauerei-Projekt noch einmal überarbeiten. Das bedeutet in der Finanzplanung 4,8 Millionen Euro weniger Kreditaufnahme. Dann soll in der nächsten Sitzung des Stadtrates erneut diskutiert werden.

Das Projekt Brauerei Hellein und seine Geschichte

17 Gästezimmer, ein Restaurant mit Terrasse und ein Saal für Familienfeiern – so stellt sich das Merkendorfer Brauereiprojekt in Stichpunktform dar. Dabei geht es um so viel mehr: Mit der Sanierung soll die Raumnot im Rathaus beendet werden. Auch ein barrierefreier Zugang zur Verwaltung soll über einen Aufzug in einem Glasbau zwischen den beiden Gebäuden ermöglicht werden.

Und schlussendlich soll mit dem Umbau im Ortskern eine Infrastrukturmaßnahme auf den Weg gebracht werden, die eine Belebung der Innenstadt bewirkt. Aktuell gibt es in der Merkendorfer Altstadt nur noch eine Wirtschaft.

Angedacht war ursprünglich sogar eine Schau-Brauerei als weiteres touristisches Highlight. Doch die Kosten für das Projekt galoppieren davon. Als in der zweiten Jahreshälfte 2018 die ersten Ideen für die Umgestaltung präsentiert wurden, schätzte man die Kosten auf rund acht Millionen Euro. Ende des vergangenen Jahres waren es bereits 13 Millionen und inzwischen spricht die Stadtverwaltung von 15,7 Millionen. Viel Geld für eine kleine Stadt wie Merkendorf.

Die Brauerei wurde im Jahre 1717 gegründet. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war sie in Familienbesitz. Wilhelm Hellein kehrte damals aus dem Krieg nicht mehr nach Hause, seine Witwe Kathinka führte den Betrieb zunächst weiter.

Doch im Alter von nur 49 Jahren starb auch sie im Jahr 1958. Der Sohn der beiden, der ebenfalls Wilhelm heißt, war damals erst 14 Jahre alt. Er wuchs bei Verwandten auf. Das Anwesen wurde 1965 durch die Hauff-Brauerei aus Lichtenau übernommen. Zwei Jahre später erfolgte jedoch die Stilllegung.

Die Gebäude kaufte eine Familie aus Straubenhardt im Schwarzwald. In dem Altbau in der Merkendorfer Altstadt wurden zeitweise Elektrorollstühle zusammengebaut. Zuletzt war noch ein Restaurant darin, doch weite Teile standen leer.

Doch im Juli 2017 konnte die Stadt Merkendorf das Anwesen erwerben. Möglich gemacht hat das eine Spende von Dr. Wilhelm Hellein. Der Nachfahre der Brauerfamilie hatte der Stadt damals gut 360.000 Euro zweckgebunden gespendet, damit der einstige Familienbesitz in der Ortsmitte wieder hergerichtet werden kann. Es gibt einen gehörigen Renovierungsstau.

Das Grundstück im Anschluss an das Rathaus ist etwas über 1000 Quadratmeter groß und fast komplett von dem Bau bedeckt. Nach den vorliegenden Plänen sollen in dem Komplex einmal rund 2300 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen.

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