Die alten Rock-Helden, sie sind immer noch präsent. Und machen, was gemacht werden muss. Für Curley Kauper heißt das: gute Rock- und Blues-Musik. Demnächst steht er wieder auf der Bühne, wie jedes Jahr zu Weihnachten in den Ansbacher Kammerspielen mit Ample Tang. Curley Kauper ist der letzte aus der Urbesetzung.
Hans Georg Kauper, der irgendwann in den späten 60er Jahren wegen seiner jugendlichen Lockenmähne den Spitznamen Curley erhalten hat, steht seit über 50 Jahren für eine kernige Spielart der Musik, die in der wilden Zeit der 60er und 70er Jahre einer Rebellion gleichkam.
Aktiv war und ist er in verschiedenen Bands, erst in der Ansbacher Region, dann in Nürnberg. Der Sänger und Bluesharp-Spieler, Jahrgang 1946, begann in Ansbach bei den Savages. Das war eine Band, die sich Mitte der 60er auf Beatles-Songs spezialisiert hatte. Curley Kaupers Ding war das nicht. Er wollte Rock und Blues.
Er fand sie bei den Rockets in Heilsbronn. „Am Anfang war es auch nur Geplärre, weil ich nicht wusste, was man macht“, sagt er heute in der Rückschau. Zwei Jahre blieb er. Dann musste er einrücken, den damals noch streng obligatorischen Dienst an der Waffe schieben. Danach hatte er für sich eine glasklare Entscheidung getroffen. Und sich bis heute daran gehalten: „Als ich 68 aus der Bundeswehr rauskam, habe ich nur noch das gemacht, was ich wollte.“ Er ließ die Haare wachsen. Er machte Musik. Zum Beispiel mit Ample Tang.
Ein halbes Jahrhundert ist das jetzt her. 1974, für einen Auftritt zu Silvester, fanden sich Hermann Hoffmann, Mandy Riedelbauch, Evert Fraterman, Hansjörg „Donald“ Kerler und Curley Kauper zusammen und nannten sich Ample Tang. Seitdem gehört die Band fest zum Szene-Inventar: einmal im Jahr, zu Weihnachten, in der Kammer – das ist längst Kult. Sehr viel öfter als einmal im Jahr war und ist sie selten zu hören – aber immerhin, geplant war damals nur ein einziger Auftritt.
Den regionalen Durchbruch schaffte Curley Kauper mit The Chapter Five, „Ansbachs bester Beatband“, wie es damals hieß. Bei den Chapters konnte er seine Musik ausleben, war dann auch in anderen Bands und Projekten mit dabei. Bis nach London war er in Sachen Musik unterwegs, spielte mit Größen wie Alexis Korner, dem Blues-Sänger Memphis Slim oder Noel Redding, bekannt als Bassist bei Jimi Hendrix.
In den 80ern ging es in Deutschland recht aktiv weiter. Später, im Jahr 2007 brachte sein Beruf den gelernten Koch bis nach China. Ein halbes Jahr lang fungierte er dort als „Botschafter für die fränkische Küche“. Eine feste Station blieb immer Ample Tang, die Band, die sich jedes Weihnachten wieder formiert.
Ob Ample Tang auch dieses Jahr wieder die Kammer beehrt? Bis vor ein paar Wochen, war das so sicher wie das Amen in der Kirche. Dann kam die Nachricht, völlig überraschend, dass Keili Keilhofer verstorben ist. Er war schon zu Lebzeiten eine Gitarrenlegende. Wird die Band auftreten? Die Frage stand im Raum.
Sie wird. Curley Kauper knallhart, wie die Musik von Ample Tang: „Jetzt muss dann der Rest ran.“ Der Sound wird sich zwar ändern, der Kern bleibt gleich. Erdig, schlicht, direkt, echt. Das geht immer, solange es so ein Publikum gibt, wie in den Ansbacher Kammerspielen, das genau das liebt.
Der Sänger freut sich ungemein auf das Konzert mit seinen Mitstreitern am ersten Weihnachtsfeiertag. Die Besetzung entspricht der des vergangenen Jahres, als sich der großartige Schlagzeuger der Band verabschiedete: Evert Fraterman.
Es spielen nun: Markus Mattern am Schlagzeug, Harry Hirschmann am Bass, Udo Schwendler am Keyboard, Jürgen Hoffmann an der Gitarre und natürlich Curley Kauper als Frontmann am Mikro und an der Mundharmonika. Das Programm wird blues-lastiger, besteht aus Klassikern, die oftmals für die Harp umarrangiert wurden und aus einigen eigenen Stücken.
Fit für seinen Job fühlt sich Curley Kauper immer noch. Auf der Bühne stehen will er, bis er nicht mehr kann: „Wie ein Vogel – solange singen, bis er vom Ast fällt.“
Ample Tang tritt am Montag, 25. Dezember, 20.30 Uhr, in den Ansbacher Kammerspielen auf.