Couch-Gespräch am Hesselberg: Bauernprotest als Thema | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.05.2024 10:00

Couch-Gespräch am Hesselberg: Bauernprotest als Thema

Auf der Grünen Couch beim Evangelischen Kirchentag ging es um die Bauernproteste zu Beginn des Jahres und deren Nachwirkungen. Es diskutierten Dr. Peter Schlee, Rolf Brauch, Gudrun Bayer, Reinhold Meyer und Wolfgang Kerwagen (von links). (Foto: Peter Tippl)
Auf der Grünen Couch beim Evangelischen Kirchentag ging es um die Bauernproteste zu Beginn des Jahres und deren Nachwirkungen. Es diskutierten Dr. Peter Schlee, Rolf Brauch, Gudrun Bayer, Reinhold Meyer und Wolfgang Kerwagen (von links). (Foto: Peter Tippl)
Auf der Grünen Couch beim Evangelischen Kirchentag ging es um die Bauernproteste zu Beginn des Jahres und deren Nachwirkungen. Es diskutierten Dr. Peter Schlee, Rolf Brauch, Gudrun Bayer, Reinhold Meyer und Wolfgang Kerwagen (von links). (Foto: Peter Tippl)

Die Sitzinsel aus Holzpaletten und grünen Kissen stand diesmal auf dem Hesselberg. Am Evangelischen Kirchentag beschäftigte sich das Dialog-Format „Grüne Couch“ mit den Protesten der Landwirte zum Jahresbeginn.

Auf der Grünen Couch greift das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach gesellschaftsrelevante Themen auf. In Kooperation mit der Evangelischen Fachstelle für Ländliche Räume ging es beim Kirchentag um das Thema „Nach den Bauerndemos – Landwirtschaft und Gesellschaft im Dialog“.

Auf der Couch nahmen Platz: Rolf Brauch vom Kirchlichen Dienst der Landeskirche Baden, der Ansbacher Kreisobmann Reinhold Meyer vom Bayerischen Bauernverband und Gudrun Bayer, Chefredakteurin der Fränkischen Landeszeitung, Die Moderation übernahm Wolfgang Kerwagen, Leiter des AELF Ansbach.

Es ging schon in den 1990er-Jahren los

Meyer erläuterte die Gründe für die Bauern-Demos. Bereits Ende der 1990er-Jahre seien Auflagen im Tier- und Pflanzenschutz sowie bei der Dokumentation gestiegen, meinte er. Die Auslöser für die ab Dezember 2023 stattfindenden Demos sah er im Heizungsgesetz, der angedachten Reduzierung der Agrardieselvergünstigungen und den Wegfall der „grünen Kennzeichen“ in der Landwirtschaft.

Dem Aufruf Joachim Rukwieds vom Deutschen Bauernverband („Wir legen das Land lahm“) folgten Proteste und Mahnfeuer. Kleinere Verbesserungen und Zurückrudern der Politik bei den „grünen Kennzeichen“ wurden erreicht, fasste Meyer zusammen. Das sei jedoch zu wenig für den Aufwand gewesen.

Organisatorische Herausforderung

Für die Journalisten seien die Proteste aus organisatorischer Sicht eine Herausforderung gewesen, räumte FLZ-Chefredakteurin Bayer ein, da nicht alle Mahnfeuer oder Protestaktionen wiedergegeben werden konnten. Sehr wohl habe sich aber eine breite Berichterstattung in der regionalen Tageszeitung abgebildet. Für sie sei der Dialog zu kurz gekommen, denn Demokratie lebe vom Dialog.

Für Brauch waren die Proteste „absolut legitim“, wenngleich sich die Kritik nicht nur an die Ampel-Regierung richten dürfe. Brauch, der sich intensiv mit Hofnachfolge und Strukturwandel beschäftigt, sah auch Gründe in der eigenen Unzufriedenheit der Landwirte und in der Marktmacht von vier Handelsriesen. Der Protest sei der Anfang, Dialog das Mittel und am Ende müsse für Brauch ein Kompromiss stehen.

Meyer verwies auf die stets mit Behörden abgesprochenen, überwiegend friedlichen Proteste. Allerdings, so stellte Bayer fest, hätten auch Trittbrettfahrer die Landwirtsproteste missbraucht. So geschehen zum Beispiel in Berlin, mit einer große Gruppe schwarz gekleideter Demonstranten, ergänzte der BBV-Kreisobmann.

Berufsstand verdient angemessene Entlohnung

Das Image der rund 100.000 Landwirte in Bayern sei gut, berichtete Brauch aus Umfragen. Dem müsse eine angemessene Entlohnung und Wertschätzung für die Arbeit erfolgen. Von Ferienprogrammen, der Zusammenarbeit mit der Hochschule Ansbach oder dem Tag auf dem Hof berichtete Meyer – jedoch würden in den Medien oft nur Skandale wahrgenommen. Die FLZ halte zum Beispiel mit der Serie „Mein Hof“ dagegen, ergänzte Bayer. Dabei würden im ländlich geprägten Verbreitungsgebiet landwirtschaftliche Betriebe mit unterschiedlichen Schwerpunkten vorgestellt.

Moderator Kerwagen brachte die hoffnungslose Überregulierung ins Gespräch. Brauch sah hier durchaus Notwendigkeiten bei den Schutzgütern Wasser und Boden. Ein Balanceakt müsse hier beschritten werden. Die Bauern seien bereit, ihren Beitrag zu leisten, so Meyer.

Der Dialog fand im voll besetzten Mehrzweckraum des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg statt. Das zeugt vom regen Interesse an dem Thema. Am 19. November, so gab Kerwagen, wird in Herrieden-Schernberg auf der Grünen Couch über „Fünf Jahre Volksbegehren Rettet die Bienen“ diskutiert.


Von Peter Tippl
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