Der Ausflug der engagierten Rinderzüchter führt in diesem Jahr am 1. Mai nicht zur Besamungsstation in Hasenlohe bei Neustadt. Erstmals wieder nach der Corona-Pause muss die traditionelle Bullenparade, die auf eine über 75-jährige Geschichte zurückblicken kann, ausfallen.
Mancher Beobachter mag von der Absage überrascht sein, nachdem Deutschland offiziell wieder frei von der Maul- und Klauenseuche (MKS) ist. Doch eine Großveranstaltung mit jeweils 3000 bis 4000 Besuchern wäre den Verantwortlichen des Besamungsvereins Neustadt (BVN) zu riskant. Denn von Holland bis Rumänien kamen bisher regelmäßig viele ausländische Gäste. Und Ungarn und die Slowakei weisen nach wie vor MKS-Fälle auf.
Zudem grassiert die Blauzungenkrankheit in größerem Umfang in Nordwestdeutschland. Deshalb wurden im Interesse der Biosicherheit die Tribünen um den Vorführring erst gar nicht aufgebaut. Trotzdem müssen Rinderzüchter und Fachwelt nicht auf Informationen verzichten, was sich beim Besamungsverein und in der EUROgenetik tut. Die Digitalisierung macht das möglich.
Wie Andrea Hefner, die Abteilungsleiterin Rinderzucht, Marketing & Vertrieb, mitteilt, ist das Unternehmen nach wie vor darauf bedacht, die Vielfalt in der Zucht zu beachten. Rund 90 Bullen kauft der BVN im Jahr zu, um zu enge Zuchtlinien zu vermeiden. Ein Livestream auf YouTube macht es möglich, die Bullen im Vorführring zu erleben, ohne vor Ort zu sein: Am 1. Mai um 10:30 Uhr geht es los.
Den Anfang macht in diesem Jahr die Rasse Gelbvieh, gefolgt von Angus, Limousin und Pinzgauer. Den größten Teil nimmt natürlich die multifunktionalste Rasse der Welt, das Fleckvieh ein. Der Start erfolgt mit einer Gruppe von „Heiss“-Söhnen. Sie steht zurzeit an der Spitze der gesamten Fleckviehzucht. Um in der Zucht nicht nur auf einem „Ast“ zu sitzen, wird weiter auf Fitness-starke, langlebige Tiere gesetzt. Die Alternativen reichen von der breiten Verwandtschaft an „Huttera“- Genetik, bis zu ganz anderen Linien.
Unter den vorgestellten Bullen werden auch viele natürlich hornlose Bullen zu sehen sein. Vom Bullenvater „Wow1 Pp“ bis hin zum euterstärksten reinerbigen Bullen „Mammwella PP“. Der meisteingesetzte Fleckviehbulle weltweit ist „Hokuspokus“, der neue Maßstäbe in der Fleckviehzucht gesetzt hat. Seine Töchter bestechen mit ihrer Schönheit auf Tierschauen, stellen sie die Landwirte zufrieden mit inhaltsstoffstarker Milchleistung. Seine Söhne sind vielfach positiv töchtergeprüft. Welche Dominanz diese Linie in der Vererbung aufweist, zeigt aktuell auch dessen Verwandtschaft auf.
Zum krönenden Abschluss ist eine beeindruckende töchtergeprüfte Qualität, die weltweit einzigartig ist, zu sehen: Bullen mit bis zu 1500 Kilo Lebendgewicht. Darunter Linienalternativen wie „Poldi“, „Vedad“ oder „Bergfest“ sowie töchtergeprüfte PP- Bullen wie „Memory PP“ und „Haka PP“ oder auch die meisteingesetzten Bullen der letzten Jahre: Der hornlose „Monopoly P*S“ und „Hokuspokus“ und dessen Sohn „Horotto“.
Auch in diesem Jahr sucht der BVN wieder die „kuh-lsten“ Juniorchefs. In einer Rallye sind die Teilnehmer online gefordert. Spermaportionen gewinnen kann, wer Aufnahmen von der jeweiligen Bullenparade „dahoam“ an rinderzucht@bvn-online.de sendet.
Der Live-Stream ist zu finden unter:
www.bvn-online.de