„Ökologische Katastrophe”: Unbekannte zerstören Biberdamm bei Kleinbreitenbronn | FLZ.de

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„Ökologische Katastrophe”: Unbekannte zerstören Biberdamm bei Kleinbreitenbronn

Biber schaffen Biotope. Durch das aufgestaute Wasser sterben Bäume ab. Doch in den Stämmen und auch in den Flachwasserbereichen finden zahlreiche Arten eine Heimat.  (Foto: Antonia Müller)
Biber schaffen Biotope. Durch das aufgestaute Wasser sterben Bäume ab. Doch in den Stämmen und auch in den Flachwasserbereichen finden zahlreiche Arten eine Heimat. (Foto: Antonia Müller)
Biber schaffen Biotope. Durch das aufgestaute Wasser sterben Bäume ab. Doch in den Stämmen und auch in den Flachwasserbereichen finden zahlreiche Arten eine Heimat. (Foto: Antonia Müller)

Kreuz und quer liegen die Baumstämme – es sieht aus, als hätte ein Riese Mikado gespielt. Einige Bäume ragen noch in den Himmel, wirken aber auch schon kahl, kraftlos und blass. Es wirkt ein bisschen chaotisch. Das Biberrevier bei Kleinbreitenbronn ist – oder war – ein kleines Stück Wildnis.

Es ist glitschig, man muss acht geben, wo hin man tritt. Ein Schritt zu weit und der Fuß versinkt im Matsch. Es riecht modrig – und nach toten Fischen. Kein Wunder, es liegen auch tote Tiere im Schlamm. Vor wenigen Wochen sind sie noch herumgeschwommen, da stand alles noch unter Wasser. Dann wurde der Stöpsel gezogen.

Anfang Oktober wollte Stefan Werner mit einer Gruppe das Biotop besuchen. Er arbeitet bei der Unteren Naturschutzbehörde und wollte den jungen Menschen zeigen, was ein Biber alles bewirken kann. Doch dann sah er Silberreiher durch den Schlamm waten. Er wusste gleich, dass hier etwas nicht stimmt. Das Wasser fehlte. Der Damm wurde zerstört. Werner informierte die Polizei.

Stundenlange Handarbeit

Der Damm ist nicht einfach so kaputt gegangen. Das ist von Menschenhand geschehen, steht für Werner schnell fest. Er balanciert über einen dicken Baumstamm in Richtung des Damms und zeigt auf das große Loch, das dort klafft.

Ein Biberdamm ist ein Geflecht aus dicken und dünnen Ästen, Steinen und Schlamm. All das verbinden die Tiere kunstvoll miteinander. Sie arbeiten ständig daran, den Damm dicht zu halten. Wäre der Damm durch einen Starkregen zerstört worden, hätte es das Material nach vorne weggeschwemmt. Die Äste wurden jedoch nach links und rechts zur Seite geräumt. Das muss mehrere Stunden gedauert haben, so die Schätzung des Fachmanns. Vielleicht packten sogar mehrere Personen an.

Heimat zahlreicher Arten

„Es ist eine ökologische Katastrophe”, fasst Stefanie Schwarz, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, zusammen. Das, was hier passiert ist, ist „nichts Banales”, betont Florian Vogel. Er ist Leiter des Forstbetriebs Rothenburg und sozusagen der Hausherr. Das Biotop liegt nämlich in einem Wald der Bayerischen Staatsforsten.

Das Feuchtgebiet bei Kleinbreitenbronn ist etwa drei Hektar groß. Durch Flachwasser, Moorgebiet und Strukturen wie Baumstämme oder Totholz sind seltene Lebensräume entstanden. Spechte, Störche, Fische, Libellen, Frösche und Kröten – alle hatten hier eine Heimat. „Über kurz oder lang werden die verschwinden”, sagt Schwarz. Sie klingt betroffen.

Auch die Biberfamilie, die hier wohnte, ist weg. Wären die Nagetiere noch da, wäre das Loch im Damm längst gestopft, erklärt Schwarz. „Die machen das über Nacht.” Für Vogel steht fest: „Das hier war höchst wertvoll”. Den Schaden in eine Geldsumme umzuwandeln ist kaum möglich, räumt Schwarz ein.

Biber sorgen auch für Konflikte

Seit rund 15 Jahren lebten hier Biber, schätzt Vogel. „Wir im Staatswald mögen den Biber”, betont er. Die Nagetiere halten das Wasser im Wald, das hebt den Grundwasserspiegel an. Bei Starkregen saugen die Reviere das Wasser auf wie ein Schwamm. In Staatsforsten sind Biber also willkommen. Im Forstbezirk Rothenburg gibt es deshalb auch etliche Reviere. „Das hier war das größte”, sagt Vogel.

Er weiß aber natürlich auch: „Es gibt Probleme mit dem Biber”. Wenn Teiche auslaufen oder ganze Äcker und Wiesen geflutet werden, führt es zu Konflikten mit Landwirtinnen und Landwirten. Doch im Staatswald in Kleinbreitenbronn störte es eigentlich niemanden, so Vogel. „Es ist mir unerklärlich”, sagt er kopfschüttelnd.

Schwarz, Werner und Vogel wirken etwas ratlos. Wer könnte sich an dem Gebiet gestört haben? Wer war bereit stundenlang zu schaufeln? Wieso hat man sich nicht einfach an die Behörden oder an Biberberater gewandt, wenn es Probleme gab? Man hätte ja Lösungen suchen können.

Polizei nimmt Hinweise entgegen

Ihnen allen ist es wichtig, die Sache aufzuklären. Die Polizei Ansbach sucht den oder die Täter und nimmt Hinweise entgegen. Schwarz hebt hervor, dass es sich um einer Tierschutz- und vermutlich auch einen Artenschutzverstoß handelt. Beides sind Straftatbestände und können deshalb mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden.

Ob das Revier jemals wieder so vor Leben strotzen wird, ist auch für die Expertin und die Experten fraglich. Es ist „kein ideales Startrevier” mehr für andere Biber. Ob die bisherigen Bewohner zurückkommen, weiß man nicht. Den Damm künstlich wieder herzustellen? Nicht erfolgsversprechend, sind alle sich einig.

„Wir hoffen, dass wieder ein Biber kommt”, so Schwarz. Doch so richtig optimistisch wirken Werner, Vogel und sie selbst nicht.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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