Die Zahl der Bauernhöfe mit Schweinehaltung ist stark rückläufig. Vor allem Ferkelerzeuger werfen das Handtuch, weil immer wieder neue Tierschutzauflagen die Kosten und den Arbeitsaufwand in die Höhe treiben. Wo der Trend hingeht, damit befasste sich der Managementtag für Schweinehalter des Besamungsvereins.
Wie Andrea Baumeister von einem der größten Handelsunternehmen für Schweine in Süddeutschland berichtete, müssen immer mehr Ferkel aus Norddeutschland und Polen bezogen werden, damit die Mastställe in der Region nicht leer bleiben. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie die Ferkelerzeugung bei verschärften Tierschutzvorschriften möglich bleibt. Darüber wurde in zwei Vorträgen bei der Tagung in der Besamungszentrale bei Hasenlohe berichtet.
In der Schweiz setzten die Tierschützer schon früher das „freie Abferkeln“ durch, also dass die Sau weder vor noch während der Geburt und während der Säugezeit in ihrer Bewegungsfreiheit gehindert wird. Darüber informierte Dr. Nadine von Büren. Die Berlinerin, die nach dem Studium einen Schweizer heiratete, berichtete, dass in der Schweiz vor 20 Jahren die Angst vor dem freien Abferkeln auch so groß war wie jetzt in Deutschland. Inzwischen habe sie sich aber gelegt. Als entscheidend nannte sie es, den Bestand auf ruhige Sauen hin auszusortieren. Wichtig sei es aber auch, dass der Tierhalter oder die Tierhalterin Ruhe ausstrahlt.
Nach der Schweizer Tierschutzverordnung seien die Abferkelbuchten so zu gestalten, dass sich die Sau frei drehen kann. Während der Geburtsphase könne sie im Einzelfall, bei Bösartigkeit gegenüber den Ferkeln oder Gliedmaßenproblemen, fixiert werden. Einige Tage vor dem Abferkeln müsse ausreichend Langstroh oder anderes zum Nestbau geeignetes Material und während der Säugezeit ausreichend Einstreu in die Bucht gegeben werden. Im Ergebnis zeigen die Zahlen aus der Schweiz, dass die Saugferkelverluste trotz der Steigerung der Wurfgrößen tendenziell eher weiter gesunken sind und um zehn Prozent liegen.
Eine freie Abferkelung wurde in der Schweiz ab 1997 gefordert, mit einer Übergangsfrist bis 2007. Ein Kupierverbot für Ringelschwänze besteht im Nachbarland seit 2008, eine Kastration ohne Narkose ist seit 2010 nicht mehr erlaubt. Weitere Forschungen, um das Schwanzbeißen zu verhindern, laufen. Unter anderem werde versucht, die Tiere durch die Gabe von Brennessel in die Bucht zu beeinflussen.
Zu den wenigen Landwirten, die in Bayern schon einen Stall für das freie Abferkeln so gebaut haben, wie es ab 2035 gefordert ist, gehört der Landwirt Anton Zehetmaier aus St. Wolfgang im Landkreis Erding. Diese Vorschrift wird häufig als Grund für die Aufgabe der Ferkelerzeugung genannt. Er zeigte sich mit dem neuen Haltungssystem bei der Veranstaltung beim Besamungsverein Neustadt sehr zufrieden. In seinem Stall für 180 Sauen hat er keine Schutzkörbe mehr im Stall und er trauert den bisherigen Abferkelbuchten nicht nach.
Ähnlich den Zahlen in der Schweiz beziffert er die Ferkelverluste in dem System ohne Schutzkorb und bei freiem Abferkeln auf knapp zehn Prozent. Seine Betriebsstatistik weist im Schnitt 32,4 lebend geborene und 30,5 aufgezogene Ferkel auf. Ferner werden auf dem Betrieb mit Biogasanlage auch 75 Milchkühe mit Melkstand gehalten.
Als wichtig erachtet und empfohlen wurde, Schutzbügel an der Wand anzubringen und das Ferkelnest gut warmzuhalten, damit sich die kleinen Ferkel dort sehr bald zurückziehen können.