Spannend wird die Auszählung der Stimmzettel in Lichtenau: Gleich drei Kandidaten haben ihren Hut für das Bürgermeisteramt in den Ring geworfen. Manfred Eschenbacher (Bündnis 90/Die Grünen) und Florian Szaefer (CSU) wollen den amtierenden Rathauschef Markus Nehmer (SPD) ablösen. Dieser möchte seine begonnene Arbeit aber gern fortsetzen.
„Ich habe jetzt sechs Jahre lang mein Handwerkszeug gelernt”, stellt Rathauschef Markus Nehmer fest. Der 43-Jährige tritt nicht nur für das Amt des Bürgermeisters an, sondern steht auch an der Spitze der Gemeinderatsliste der SPD mit fünf Kandidierenden. In seiner bisherigen Amtszeit habe er sich ein Netzwerk aufgebaut. Mit seiner Erfahrung würde er gern die laufenden Projekte zu Ende führen. „Das ist kein Job und kein Projekt, sondern eine Berufung für mich.” Künftig will Nehmer mit mehr Präsenz – auch in den Ortsteilen – punkten und politische Entscheidungen transparenter darstellen.
Die Probleme der Marktgemeinde seien ein Konglomerat aus mehreren Bausteinen – einer ist die Nahversorgung, bemerkt Nehmer. Im März 2024 habe er Kontakt zum Betreiber der 24-Stunden-Läden Tante-M aus Baden-Württemberg aufgenommen und diesen an den Inhaber des ehemaligen SB-Markts weitervermittelt. Daraus habe sich aber nichts entwickelt. Dafür setzt Nehmer große Hoffnungen ins geplante Neubaugebiet „Am Eichelberg”, in das ein Vollversorger und ein Ärztehaus integriert werden sollen. Weil die Grundstücke dem Freistaat gehören, muss über einen Flächentausch aber noch verhandelt werden.
„Ich bin hier aufgewachsen. Ich kenne den Ort, seine Menschen und seine Historie”, sagt der 58-jährige Manfred Eschenbacher (Bündnis 90/Die Grünen), der in seiner ersten Amtszeit im Gemeinderat kommunalpolitische Erfahrung gesammelt hat und nun Bürgermeister werden will. Zugleich steht er auch wieder auf der Gemeinderatsliste der Grünen, die 16 Kandidierende ins Rennen schickt. „Ich glaube, es ist entscheidend, dass man weiß, wo man anpacken muss und wie man mit den Leuten umzugehen hat.” Wenn er gewählt wird, will er „vor allem die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Vereine sehr stark intensivieren”, wie er sagt. Wichtige Themen würden derzeit oft „hinter verschlossenen Türen” bearbeitet, das will er ändern.
Auch Eschenbacher betrachtet die Nahversorgung als eine der größten Baustellen. Diesbezüglich hat die Grünen-Fraktion kürzlich einen konkreten Vorschlag präsentiert: In den früheren SB-Markt Zahn könnte der 24-Stunden-Supermarkt Ortkauf einziehen, sofern der Gemeinderat grünes Licht gibt. „Ich bin jemand, der besonnen handelt, aber auch Konflikten nicht aus dem Weg geht”, begründet Eschenbacher, warum er der geeignete Kandidat für das Bürgermeisteramt ist. „Ich finde, man muss die Probleme klar benennen und sehr ehrlich mit den Leuten umgehen.”
Mit dem neutralen Blick von außen will Florian Szaefer (CSU) aus dem Herrieder Ortsteil Neunstetten den Markt Lichtenau in die Zukunft führen. Er ist mit vielen Mitgliedern des Lichtenauer CSU-Ortsverbands gut bekannt, deshalb sind ihm die wichtigen Themen in der Gemeinde nicht fremd. Auf der Gemeinderatsliste mit 16 Kandidierenden ist der 34-Jährige nicht vertreten, denn dafür müsste er seinen Hauptwohnsitz nach Lichtenau verlegen. Zugunsten der Bürgermeisterkandidatur hat er aber auf eine Stadtratskandidatur in Herrieden verzichtet. „Man muss sich schon entscheiden und auf eines konzentrieren”, findet er.
Er könne die Gemeinde mit seinem wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund gut unterstützen, glaubt Szaefer. Die finanzielle Lage müsse verbessert werden, damit Ausgaben, zum Beispiel für das Freibad, noch leistbar sind. Die CSU wolle „alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen und gucken, dass man als Gemeinde wieder attraktiv wird”. Nur dann siedelten sich auch heiß umkämpfte Berufsgruppen wie Ärzte oder Unternehmer an. Ansonsten möchte sich Szaefer für die Stärkung der Nahversorgung einsetzen und den Neujahrsempfang mit Ehrenamtsabend, den es früher gab, wieder einführen.
Eine weitere Idee der CSU sei ein Tourismuskonzept. „Lichtenau hat eigentlich viel zu bieten.” Er denkt da an die Burg und das Museum, aber auch an Sportstätten wie den Golfplatz und das Freibad. Die Protagonisten könnten sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren. Außerdem wolle man erreichen, dass Gastronomien erhalten bleiben, Leerstände sich wieder füllen und „einfach wieder mehr Leben in die Gemeinde einzieht”.
Der Gemeinderat wird in Lichtenau ordentlich durchgemischt – von den 16 aktuellen Mitgliedern treten acht nicht mehr an, wie Wahlleiter Thomas Balles feststellt. Von der SPD sind dies Julia Hillmann und Sandra Ramos, von der CSU Rainer Buckel und Manfred Willer sowie von der UWG Zweiter Bürgermeister Friedrich Bauer, Johanna Irg, Reinhold Schiefer und Roland Treiber.
Ohne eigenen Bürgermeister-Kandidaten, dafür mit zwölf Bewerberinnen und Bewerbern für den Gemeinderat tritt die UWG an. Da es sich bei der Gruppierung um eine offene Wählergemeinschaft handelt, die nicht an eine parteipolitische Linie gebunden ist, wird keiner der drei Bürgermeisterkandidaten unterstützt, erklärt der amtierende Gemeinderat und UWG-Sprecher Erwin Czech. Bei der Stichwahl könne sich das ändern. „Etwas mehr Ehrlichkeit” von Seiten der Verwaltung erhofft sich die UWG für die nächste Wahlperiode. „Und es sollte mehr umgesetzt werden. Wir sparen uns langsam kaputt.”
In Sachen ärztlicher Versorgung sei man auf einem guten Weg, findet Czech. „Ich hoffe, dass wir das bald eingetütet kriegen.” Weniger zuversichtlich ist er bezüglich des geplanten Baugebiets „Am Eichelberg”. Er glaubt, dass die Grundstücksverhandlungen nicht so reibungslos verlaufen werden wie erhofft. Eher pessimistisch ist er auch in Sachen Freibad. „Ich vermute, dass der Antrag für die große Förderung ins Leere läuft”, äußert er sich mit Blick auf die Sportmilliarde, wie das Förderprogramm des Bundes genannt wird. Denn auch viele andere Kommunen haben sich dafür beworben.
Am Herzen liegt der UWG die Förderung der Kultur. Eigentlich sei dafür in Lichtenau schon lange eine Halle geplant, „aber die wird einfach nicht realisiert”, bedauert er. Gleiches gelte für das Konzept Lernlandschaften in der Schule. Auch dafür will sich die Wählergemeinschaft starkmachen.