Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung planen die Vorhabenträger des geplanten Blockheizkraftwerks südlich der Poststeige noch einmal um.
Statt des bislang vorgesehenen, bis zu 18 Meter hohen Pufferspeicherturms soll dieser nun maximal 14 Meter messen. Zudem wird erneut ein Alternativstandort weiter außerhalb des Siedlungsgebiets geprüft.
„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir die Bedenken ernst nehmen und sehr an einem Kompromiss interessiert sind“, sagen Energielieferant und Landwirt Stefan Hammerl sowie die Aufsichtsratsmitglieder der Energiegenossenschaft, die das angeschlossene Wärmenetz betreiben will.
Bei den Initiatoren der Unterschriftenliste stößt dies auf gemischte Resonanz. Einen Standort weiter außerhalb des Orts würden sie sehr begrüßen, die Höhe des Turms sei für sie dagegen von untergeordneter Bedeutung. „Wir möchten in dieser zentralen Lage so nah an der Wohnbebauung keinen Gewerbebetrieb haben“, sagen Anton und Jutta Weber, die direkt an der Ecke Eichenstraße/Poststeige leben. Sie befürchten nicht nur schädliche Auswirkungen auf das Ortsbild, sondern auch eine Zunahme von Verkehr und Lärm.
Nach ihren Angaben haben 147 Rügländerinnen und Rügländer die Petition unterzeichnet, darunter fast alle Anwohner des am Projektgebiet liegenden Baugebiets Seefeld I. Zusätzlich gibt es eine Online-Petition auf der Plattform change.org, die aktuell von über 200 Personen unterstützt wird.
Das ist der Stein des Anstoßes: Geplant ist auf der rund 2000 Quadratmeter großen Fläche gegenüber der Einmündung der Eichenstraße ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 2000 Kilowatt, ein Pufferspeicher, mehrere Nebengebäude sowie eine Stromübergabestation. Das Wärmenetz soll 45 Anwesen im Ort versorgen.
Um dieses zu betreiben, haben die Eigentümerinnen und Eigentümer eine Energiegenossenschaft gegründet, die ohne Gewinnerzielungsabsicht arbeitet. Hammerl soll das Biogas per Erdleitung von seinem landwirtschaftlichen Betrieb in Stockheim liefern und das Heizwerk betreiben. Ziel sei es, die Abwärme der bestehenden Biogasanlage effizient zu nutzen. Die Energieerzeugung gilt als nachhaltig und CO₂-neutral.
Nachdem Hammerl vor zwei Jahren die Idee entwickelt und das Vorhaben bei mehreren gut besuchten Informationsveranstaltungen vorgestellt hatte, befürwortete auch die Gemeinde das Projekt. Sie will vier Anwesen anschließen. Als kommunaler Vertreter wurde Zweiter Bürgermeister Armin Pfister in den Aufsichtsrat entsandt. Nach der einstimmigen Annahme der Entwürfe durch den Gemeinderat sorgte die öffentliche Auslegung der Pläne jedoch für Widerstände.
Hammerl und der Aufsichtsrat suchten daraufhin erneut das Gespräch mit dem zuständigen Planer, der verschiedene Varianten prüfte. „Der Pufferspeicher muss eine gewisse Höhe haben, um den nötigen Vordruck auf die Ventile zu gewährleisten“, erläutert Hammerl. Einfach – wie vorgeschlagen – zwei kleinere Türme zu errichten, sei daher nicht möglich. Machbar sei jedoch eine Vergrößerung des Durchmessers bei gleichzeitiger Reduzierung des Volumens von knapp 2000 auf etwa 1500 Kubikmeter.
Zudem soll der Turm nach wie vor rund drei Meter tief in den Boden versenkt werden. Auswirkungen auf das Ortsbild würden durch die Hanglage der Fläche gemindert, betonen die Verantwortlichen. An der abschüssigsten Stelle betrüge die Höhendifferenz sieben Meter. Die vorgeschriebene Eingrünung soll ihr Übriges tun.
Parallel wurde erneut die Prüfung eines Standorts weiter westlich veranlasst. Diese läuft noch. Zwar würde dies das Problem aus Sicht der Beschwerdeführer lösen, Hammerl und Pfister bleiben jedoch skeptisch. „Angeschlossen werden soll unter anderem das Ärztehaus in der Walter-Meindl-Siedlung, und dafür wäre die Distanz zum Heizwerk voraussichtlich zu groß.“ Je länger die Wärmeleitung, desto höher die Verluste.
Hammerl und der Aufsichtsrat möchten einige der Befürchtungen entkräften. Eine wesentliche Zunahme des Verkehrs sei nicht zu erwarten, da der Brennstoff per Erdleitung angeliefert werde. Das Lärmschutzgutachten bestätige zudem, dass die Geräuschbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte bleibe. Außerdem liege seit Kurzem die Stellungnahme des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege vor. Grundsätzliche Einwände aufgrund einer möglichen Beeinträchtigung umliegender Baudenkmäler – wie dem Wasserschloss – werden nicht erhoben.
Um eine Lösung zu finden, mit der möglichst viele leben können, will Pfister in den kommenden Wochen das persönliche Gespräch mit Unterzeichnern der Petition suchen. Das sei auch für den Gemeinderat zentral. „Im Februar oder März soll es dann eine weitere Informationsveranstaltung geben“, kündigt Hammerl an. Das Ziel sei größtmögliche Transparenz, bekräftigt der Aufsichtsrat.