Bleibt die in Dinkelsbühl verübte Messer-Attacke straflos? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.01.2024 16:17

Bleibt die in Dinkelsbühl verübte Messer-Attacke straflos?

Die Ruhe nach dem Sturm: Der Polizeibeamte musste sich über den Holzsteg zurückziehen, weil der Angreifer auf ihn zulief. Kurz nach dem Torbogen fiel dann der Schuss, der den 23-Jährigen stoppte. (Foto: Markus Weinzierl)
Die Ruhe nach dem Sturm: Der Polizeibeamte musste sich über den Holzsteg zurückziehen, weil der Angreifer auf ihn zulief. Kurz nach dem Torbogen fiel dann der Schuss, der den 23-Jährigen stoppte. (Foto: Markus Weinzierl)
Die Ruhe nach dem Sturm: Der Polizeibeamte musste sich über den Holzsteg zurückziehen, weil der Angreifer auf ihn zulief. Kurz nach dem Torbogen fiel dann der Schuss, der den 23-Jährigen stoppte. (Foto: Markus Weinzierl)

Der Fall erregte mächtig Aufsehen: Ein heute 23-Jähriger ging im Sommer vergangenen Jahres in Dinkelsbühl mit einem Messer auf einen Polizisten los. Erst mit einem gezielten Schuss ins Bein konnte der Angreifer gestoppt werden. Nun muss sich der Mann vor dem Landgericht Ansbach verantworten.

Die Anklage, die Oberstaatsanwalt Jürgen Krach formulierte, lautet auf versuchter Totschlag. Etliche Jahre hinter Gittern sieht der Gesetzgeber als Strafe für derartige Vergehen vor. Doch ganz so einfach stellt sich die Sachlage nicht dar, wie in der Verhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts schnell klar wurde.

Vieles, wenn nicht alles, wird sich in dem auf zwei Tage angesetzten Prozess um die Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten drehen. Der Koch-Azubi, der zu Beginn des Prozesses eine Erklärung durch seine Anwälte verlesen ließ, gab auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Claus Körner an, den besagten Tag im Sommer 2023 nurmehr lückenhaft rekonstruieren zu können: „Ich kann mich nicht erinnern, ich gehe aber davon aus, dass die Vorwürfe stimmen“, meinte der 23-Jährige.

„Er hat viel wirres Zeug geredet“

Begonnen hatte alles damit, dass der Arbeitgeber des Angeklagte ankündigte, die Wohngemeinschaft zu räumen, die der 23-Jährige mit zwei weiteren Auszubildenden des Betriebs bildete. „Er hat viel wirres Zeug geredet, er war da wie ein anderer Mensch“, berichteten zwei WG-Mitglieder als Zeugen übereinstimmend über Verhaltensauffälligkeiten des Angeklagten in den Tagen vorher.

Die Nacht vor der angekündigten Räumung hatte er bereits in einer Zelle verbracht, weil er unter dem Einfluss von „sieben Bier und ein paar Joints“ randaliert, zwei Autos von Nachbarn beschädigt und versucht hatte, mit einer gestohlenen Bankkarte Geld abzuheben. Als ihn eine Streife am frühen Morgen wieder nach Hause brachte, schien die Situation allerdings beruhigt. „Es gab keine Probleme, er hat sich für das Heimfahren sogar noch bedankt“, schilderte ein Polizist seine Eindrücke. Nur wenige Stunden später musste der Beamte diese Einschätzung revidieren.

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Als es tatsächlich zur Räumung kommen sollte, legte sich der junge Mann zunächst mit Vertretern seines Arbeitgebers an, ehe er sich zu einem Haus in der Nähe Zutritt verschaffte und dort ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser mitgehen ließ. Ein paar Meter weiter ließ er sich dann auf einer Liege an der Wörnitz nieder, wo ihn der Polizist stellte – und er sofort das Messer zog.

„Den aggressiven Blick habe ich bis heute nicht vergessen“, erklärte der Beamte im Gerichtssaal. „Er ist schneller auf mich zu als ich weg konnte.“ Trotz mehrfacher Aufforderung, das Messer wegzulegen, setzte der Mann seinen Angriff fort. „Dann schieß mir doch in den Kopf“, sagte er dabei. Sekunden später schoss der in die Enge getriebene Beamte – gezielt in den Oberschenkel.

Nun stellt sich die Frage, ob der Angeklagte, bei dem eine „drogenindizierte Psychose“ diagnostiziert wurde, für die Attacke verurteilt werden kann, weil er entweder gar nicht oder lediglich eingeschränkt schuldfähig ist. Wenn der Pozess am Mittwoch ab 8.30 Uhr fortgesetzt wird, steht deshalb das Gutachten eines Psychiaters im Fokus.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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