Belohnen statt bestrafen wäre der SpVgg Ansbach viel lieber | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.03.2025 16:00

Belohnen statt bestrafen wäre der SpVgg Ansbach viel lieber

Dass der Fall um Schwaben Augsburg schnell abgeschlossen wird, hofft Christoph Hasselmeier. (Foto: Martin Rügner)
Dass der Fall um Schwaben Augsburg schnell abgeschlossen wird, hofft Christoph Hasselmeier. (Foto: Martin Rügner)
Dass der Fall um Schwaben Augsburg schnell abgeschlossen wird, hofft Christoph Hasselmeier. (Foto: Martin Rügner)

Sieben Zeilen nur umfasst Absatz zwei von Paragraf 25 der Regionalligaordnung. Diese sieben Zeilen sorgen dafür, dass die aktuelle Saison von allerhand Unsicherheiten begleitet wird, bis hin zur Frage, welchen sportlichen Wert die dann im Mai zu erstellende Abschlusstabelle hat.

Seit Ende 2024 schon beschäftigen die Regelverletzungen des TSV Schwaben Augsburgdie Vereine in der höchsten Spielklasse des Freistaates und mittlerweile auch etliche Juristen und Richter.

Hasselmeier hofft auf Tempo

„Im Sinne des Sports wäre es wichtig, den Fall schnellstmöglich zu regeln“, sagt Christoph Hasselmeier, Sportlicher Leiter der SpVgg Ansbach. Danach sieht es im Moment aber nicht aus.

Gut nur, dass es nach den beiden Siegen aus den ersten beiden Spielen 2025 sehr wohl danach aussieht, als könnten die Ansbacher recht gelassen die Folgen einer möglichen Neuverteilung der von Schwaben Augsburg unter Missachtung der Spielordnung geholten Punkte beobachten. Wenn die nullneuner weiterhin so eifrig Zähler sammeln und sich im sicheren Mittelfeld der Rangliste einnisten, kann ihnen egal sein, ob ein Konkurrent nachträglich doch noch Punkte bekommt oder verliert.

Was droht dem Sünder? Mal dies, mal das

Mittlerweile stellt sich die Frage, welche Bedeutung der Paragraf 25 überhaupt noch hat angesichts der Wendungen, die die Sportgerichtsbarkeit des Bayerischen Fußballverbandes im Umgang mit der Vorschrift in den letzten Monaten vollzogen hat.

„Die Regel an sich ist sinnvoll, weil damit der Nachwuchs gefördert werden soll. Und wir werden uns auch weiterhin daran halten“, sagt Hasselmeier. Was passiert, wenn man sie ignoriert? Tja. Mal dies, mal das.

Vier U23-Spieler müssen im Kader sein

„Auf dem elektronischen Spielbericht eines jeden Verbands- und DFB-Pokalspiels (Toto-Pokal) müssen unter den dort genannten 20 Spielern mindestens vier Spieler aufgeführt werden, welche die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, noch kein A-Länderspiel für einen anderen Nationalverband bestritten haben und die am 30. Juni vor Beginn des Spieljahres das 23. Lebensjahr („U23-Spieler“) noch nicht vollendet haben.“ So der Wortlaut in der Regionalligaordnung.

Schwaben Augsburg hat in mehreren Spielen dagegen verstoßen, weshalb dem Aufsteiger im ersten Urteil zwölf Punkte abgezogen und den jeweiligen Gegner zugesprochen wurden. Dagegen gingen die Augsburger mit Hilfe einer renommierten Sportrechtskanzlei vor und erzielten einen Erfolg.

Das Verbandssportgericht kassierte die Spielwertungen und beließ es bei einer Geldstrafe – 200 Euro pro Vergehen. Ja wie jetzt, fragten sich überrascht die anderen Vereine.

Recht „als Frage des Geldbeutels“

Besonders scharf reagierte Eintracht Bamberg. „Für uns sieht es so aus, als kann man die Spielordnung dehnen, wie man es gerne möchte, wenn man sich nur juristisch gut beraten lässt“, so Vorstand Sascha Dorsch, „dass ein Verband sein eigenes Urteil wieder aufhebt und zu hundert Prozent in die andere Richtung wertet, hinterlässt nicht nur bei uns viele Fragezeichen.“

Schließlich wären es nicht die ersten Spielwertungen wegen Verstoß gegen die U23-Regel. 2018 wurde dem FC Schweinfurt 05 aus diesem Grund ein Pokalsieg gegen die Würzburger Kickers abgesprochen. Und nun soll es plötzlich mit einer Geldbuße gut sein?

„Recht darf keine Frage des Geldbeutels sein“, verlautete aus Schweinfurt. Diese Ungleichbehandlung will man nicht akzeptieren.

Jetzt ist das OLG Nürnberg am Zug

Also geht der Fall nun in die nächste Instanz. Das Oberlandesgericht Nürnberg soll final entscheiden und das könnte dauern, wahrscheinlich länger als die aktuelle Spielzeit.

Eine „Farce“ sieht Hasselmeier so langsam in dem ganzen Vorgang, der die Tabelle unter Vorläufigkeitsverdacht stellt.

Der Aufsteiger zierte sich lange

Wegen eines Vergehens, das vielleicht auch nur ein Versehen war. „Es tut mir leid für die Schwaben und ich glaube nicht, dass sie sich einen Vorteil verschaffen wollten“, so Hasselmeier. Ironie der Geschichte: Die Schwabenritter hatten sich vergangenen Sommer erst nach langem Hin und Her als einziger Verein aus der Bayernliga Süd, die sie als Tabellendritter abschlossen, zum Aufstieg in die vierte Liga entschlossen.

Mit der Pflicht, U23-Spieler zu nominieren, sollen die Viertligisten gezwungen werden, deutsche Nachwuchsspieler zu fördern.

In der 3. Liga gibt es Geld

Statt die zu geringe Anzahl junger Spieler im Aufgebot zu bestrafen, fände es Hasselmeier sinnvoller, die Einsätze von Talenten zu belohnen.

Das passiert eine Spielklasse weiter oben. 2024 erhielt die SpVgg Unterhaching die Rekordsumme von 760000 Euro aus dem Nachwuchsfördertopf 3. Liga. Die Summe berechnete sich unter anderem aus den Einsatzzeiten von deutschen U21-Spielern.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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