Sollte der Fußballtrainer Niklas Reutelhuber mal um ein Referat aus seiner täglichen Arbeit gebeten werden (zum Beispiel dereinst beim Lehrgang zur A-Lizenz), würde sich das Thema „Wie gelingt der Austausch von Verteidigern“ anbieten. Da hat er beim Regionalligisten SpVgg Ansbach nun wirklich reichlich Expertise gesammelt.
Aus der Verteidigerriege fehlen Matthias Hahn (Schambein), Abdennour Rhani (Schulter) und Eric Weeger (Daumen) für längere Zeit. Jüngst verabschiedete sich Lukas Oberseider mit seinem Platzverweis für zwei Spiele aus dem Abwehrzentrum. So kam Jugendspieler Luca Glanz beim 0:0 beim FV Illertissen zu seinem Debüt in der Regionalliga. Zu einer Ballberührung reichte es für ihn aber nicht.
Man würde dem Luca keinen Gefallen tun, ihn in so einem wichtigen Spiel von Beginn an zu bringen.
Ob dem Sekundenvergnügen im Vöhlinstadion im Heimspiel gegen Türkgücü München am Samstag, 26. April, um 14 Uhr ein weiterer Einsatz folgt, in Anbetracht der Personallage eventuell sogar in der Startelf? Das ist dann doch ein zu verwegener Gedanke.
„Man würde dem Luca keinen Gefallen tun, ihn in so einem wichtigen Spiel von Beginn an zu bringen“, sagt Reutelhuber, „wir werden eine andere Lösung finden“.
Der Trainer traut dem 18-jährigen aus Neusitz, der bis zur B-Jugend schon in Ansbach spielte und zur neuen Saison von der SG Rothenburg/Gebsattel in den Nachwuchs der nullneuner zurückkehrte, für die Zukunft dennoch einiges zu. „Luca ist ehrgeizig und kann in einer Abwehrkette alle Positionen spielen. Seine Entwicklung gefällt mir sehr gut. Wir werden ihn langsam aufbauen“.
Die Rückkehr von Kapitän Tobias Dietrich nach abgelaufener Sperre mindert Sorgen um die defensive Schlagkraft. Auch Tom Abadjiew soll wieder zum Kader stoßen. Die Defensivleistung war tatsächlich in den letzten drei Spielen nicht das große Problem (nur ein Gegentor).
Wenn es mit dem siebten Heimsieg und dem wohl entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt was werden soll, muss auf der anderen Seite des Platzes wieder mehr passieren. Seit 280 Minuten haben die seit vier Spielen sieglosen nullneuner das Tor nicht mehr getroffen.
In der Sache sind die Türken (17. Tabellenplatz/21 Punkte) den Ansbachern (12./39) voraus. In den letzten fünf Spielen erzielten sie immer mindestens einen Treffer. Aber insgesamt nicht genug, um der Abstiegsgefahr zu entgehen. Von den letzten fünf Auswärtsspielen haben die Münchner nur eines verloren.
Ob der in der Winterpause mal wieder umfangreich umgebauten Elf von Trainer Alper Kayabunar der Klassenerhalt gelingt, hängt auch von den Sportrichtern ab. Aktuell steht noch die Entscheidung über das offiziell wegen einer Krankheitswelle kurzfristig abgesagte Spiel gegen Wacker Burghausen aus.
Freunde haben sich die Münchner mit dem ewigen Trara um eine geeignete Spielstätte in der Liga nicht geschaffen. Schon die Partie gegen den FC Schweinfurt landete aus diesem Grund vor dem Sportrichter.
Die Bilanz der beiden Kontrahenten ist mit jeweils zwei Siegen und einem Unentschieden ausgeglichen. Vor eigenem Publikum feierten die Ansbacher im Vorjahr einen 5:0-Sieg (Tore von Riko Manz 2, Lukas Schmidt, Tobias Dietrich und Robin Hartnagel). 2022, auch damals schon unter Kayabunar, gewann Türkgücü in Ansbach 1:0.
Mit Torwart Felix Thiel (ehemals FV Illertissen), den Offensivkräften Amar Cekic und Fatjon Celani sowie Defensivspieler Christoph Rech haben die Münchner im Winter viel Erfahrung verpflichtet. Erfolgreichster Stürmer ist Ünal Tosun mit sechs Treffern. Emre Tunc und Daniel Gerstmayer haben jeweils viermal getroffen, wobei Letzterer mittlerweile für den VFC Plauen spielt. Beim 2:2 im Hinspiel, das im Dantestadion stattfand, war er unter den Torschützen. Für Ansbach trafen Michael Sperr und Eric Weeger.