Ein Eilantrag, eine Petitionsübergabe, Vorwürfe und am Ende doch ein Funke Hoffnung. Die Bad Windsheimer Stadträte haben die Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT) aufgefordert, eine Lösung zu finden, dass die langjährige Schausteller-Familie Krzenck/Straetemans doch noch ihren Glühwein-Treff beim Weihnachtsmarkt aufbauen darf.
„Nein, das ist jetzt zu viel. Sie können hier nicht mehr rein.” Stadtbaumeister Michael Bender verschränkte die Arme vor der Brust und stellte sich neben Stefan Lauer von den Stadtbetrieben in die offene Flügeltür. Bürgermeister Jürgen Heckel hatte die beiden als Türsteher eingesetzt, sie blockierten am Donnerstagabend den Eingang zum Sitzungssaal im Rathaus. Mit 69 Personen war die Kapazitätsgrenze im Saal mehr als erreicht, laut Brandschutzverordnung hätten eigentlich nur 40 Gäste teilnehmen dürfen.
Sie alle waren da, um ihre Solidarität zur Bad Windsheimer Schaustellerfamilie Krzenck/Straetemans zu zeigen und Hans-Peter Zenk mental zu unterstützen. Der Bad Windsheimer übergab eine Petition „Zum Erhalt des traditionellen Weihnachtsmarktes”, in der gefordert wird, dass die Schausteller ihren Glühwein-Treff, wie in den vergangenen 45 Jahren auch, betreiben dürfen.
Rückblick: Wegen eines neuen Konzepts hatte die KKT der Familie Krzenck/Straetemans Mitte Oktober eine Absage erteilt. Daraufhin war eine Welle der Entrüstung bei Bürgerinnen und Bürgern ausgebrochen, ihrem Unmut machten sie unter anderem über Kommentare in den sozialen Medien Luft. Zenk startete eine Online-Petition und legte mit Unterstützerinnen und Unterstützern Unterschriftenlisten in Geschäften aus. Rund 2600 Menschen hatten bis Mittwochabend unterschrieben.
Zu Beginn der Sitzung stellte Altbürgermeister Wolfgang Eckardt (FWG) einen gemeinsamen Eilantrag der Stadtrats-Fraktionen von FWG, CSU und Liste Land. Man wollte über die Art und Weise der Absage durch die KKT an die Schausteller sprechen und eine Lösung finden. Bürgermeister Heckel verwies darauf, dass in der Runde der Fraktionsvorsitzenden beschlossen worden war, im Stadtrat nicht über das Thema zu sprechen.
Dieter Hummel (CSU) stellte schließlich einen Antrag, „den Antrag des Kollegen zu behandeln”. Gegen Annemarie Bruckert (Grüne), Matthias Oberth (SPD), Erika Löblein, Dr. Wolfgang Stadler, Mathias Flory, Koslowski und Heckel (alle WiR) stimmte das Gremium dafür, den Eilantrag am Ende der Sitzung zu behandeln.
Den trug Eckardt stellvertretend vor. Man begrüße das neue Konzept und, „dass eine Eisbahn aufgebaut werden soll”. Die Schausteller auf diese Art und Weise abzuservieren, sei allerdings „in keiner Weise akzeptabel”. Die kurzfristige Absage, wenige Wochen vor der Eröffnung des Weihnachtsmarkts, lasse – „unabhängig von etwaigen rechtlichen Formalitäten – jedes Fingerspitzengefühl vermissen und stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Prinzipien von Fairness und den partnerschaftlichen Umgang in einer Kleinstadt wie Bad Windsheim dar”, so der Altbügermeister. „Massive Reaktionen aus der Bürgerschaft” zeigten die große emotionale Bedeutung für die Bevölkerung.
Aufgrund des großen öffentlichen Interesses forderte er, dass die Stadt als alleinige Gesellschafterin der KKT die Angelegenheit an sich zieht. Die KKT-Geschäftsführerin Birgit Grübler und den KKT-Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Heckel forderte er auf, bis 7. November eine „überarbeitete Gesamtlösung” vorzulegen. Die Zuschauer und Zuschauerinnen applaudierten. „Na, das war ja sehr publikumswirksam, was Sie da verlesen haben”, sagte Heckel, der die Vorgehensweise der Stadträte als „populistisch” bezeichnete. Man hätte auch über den Aufsichtsrat der KKT gehen können, so Heckel. Horst Allraun (CSU) betonte, dass man dies versucht habe, Grübler aber keine Notwendigkeit gesehen habe.
Oberth fragte, ob der Vorschlag überhaupt umsetzbar sei, niemand kenne die Verträge, die mit den anderen Schaustellern geschlossen worden seien. Heckel erteilte Grübler das Wort, die erneut den Attraktivitätsgewinn des Marktes durch eine Schlittschuhbahn betonte. Und die Zu- und Absagen, die an Schausteller gegangen waren, mit Daten belegte. Diese seien auch in den Vorjahren nie früher herausgegangen.
Die Eisbahn habe man nur im Gesamtpaket mit Glühwein-, Bratwurst- und Süßigkeitenverkauf bekommen. „Das ist Erpressung”, rief ein Zuschauer, der von Heckel zurechtgewiesen wurde. Noch ein Glühweinstand auf dem kleinen Markt sei zu viel, fuhr Grübler fort. Den Schausteller Florian Kirschbaum habe sie zudem überreden müssen, es noch einmal in Bad Windsheim zu versuchen. Dieser habe „zwischenmenschlich schlechte Erfahrungen” gemacht „und wollte erst gar nicht kommen”. Die Emotionalität könne Grübler nachvollziehen, „aber in 20 Jahren wird man auch mit der Eisbahn Kindheitserinnerungen verbinden”.
Niemand stelle die Eisbahn infrage, so Eckardt, „wir müssen überlegen, wie kriegen wir das als Gesamtlösung hin, ohne dass wir alles ins Lachhafte ziehen, nach außen.” Koslowski fand: „Es kann nicht unsere Aufgabe sein, ein Plädoyer zu halten für eine Firma.” Das Schaustellerwesen sei ein „knallhartes Geschäft, wer das beste Angebot macht, kriegt den Zuschlag”.
Bernhard Kisch (CSU) fand, dass man das ganze Thema hätte im Aufsichtsrat besprechen und mit den langjährigen Schaustellern gemeinsam hätte planen können. „Wo ein Wille, ist ein Weg”, betonte auch Allraun. Er schlug vor, noch einmal abzuklopfen, ob man den Lutherplatz oder Straßenzüge, wie die ohnehin gesperrte Pastoriusstraße, einbeziehen könne.
„Ich bin's langsam leid, dass man immer auf uns rumhackt”, sagte Grübler, stand auf und berichtete, dass Schausteller Denis Krzenck in diversen Sitzungen immer ein Glühweinverkaufsmonopol gefordert habe. Der Stadtrat stimmte mit 13:7 Stimmen für den Antrag. Heckel kündigte an, zu dem Treffen einen Stadtrat aus jeder Fraktion mitzunehmen. Gemeinsam soll dann eine Lösung gefunden werden.