Auszeichnung für Rothenburgerin: Wieso Petra Underbrink ein „Weißer Engel” ist | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 04.01.2026 09:00

Auszeichnung für Rothenburgerin: Wieso Petra Underbrink ein „Weißer Engel” ist

Petra Underbrink freut sich über den „Weißen Engel”, sieht sich aber nur als Empfängerin dieser Auszeichnung. Denn die gebühre allen Ehrenamtlichen des Hospizvereins. (Foto: Margit Schwandt)
Petra Underbrink freut sich über den „Weißen Engel”, sieht sich aber nur als Empfängerin dieser Auszeichnung. Denn die gebühre allen Ehrenamtlichen des Hospizvereins. (Foto: Margit Schwandt)
Petra Underbrink freut sich über den „Weißen Engel”, sieht sich aber nur als Empfängerin dieser Auszeichnung. Denn die gebühre allen Ehrenamtlichen des Hospizvereins. (Foto: Margit Schwandt)

Seit zwölf Jahren ist Petra Underbrink die Vorsitzende des Hospizvereins. Für ihr großes Engagement wurde sie vom bayerischen Gesundheitsministerium mit dem „Weißen Engel” ausgezeichnet. Die Hospizarbeit habe sie interessiert und sie stelle ein Gegengewicht zu ihrer beruflichen Tätigkeit in der Steuerbranche dar, sagt Petra Underbrink.

Mit der Hospizarbeit kam die 63-Jährige zum ersten Mal über ihre Schwiegermutter in Kontakt. Diese hatte eine lange Leidensgeschichte hinter sich, verbrachte die letzten Lebenstage in einem Hospiz und fühlte sich dort sehr gut aufgehoben. Sie sei sogar gefragt worden, welche Farbe ihre Tasse haben soll, aus der sie ihren Tee bekommt.

Nicht auf die Krankheit reduziert

Man habe sie immer mit ihrem Namen angesprochen, sie nicht auf ihre Krankheit reduziert. Dieser würdige und liebevolle Umgang habe sie sehr berührt, so Underbrink. Für die Angehörigen sei es dort möglich gewesen, Tag und Nacht bei dem geliebten Menschen zu bleiben.

Als sie 2013 im Hospizverein Verantwortung übernahm, waren dort 30 Helferinnen und Helfer tätig. Ursula Memhardt, damals als Aushilfe aktiv, ist mittlerweile die leitende Koordinatorin des Hospizvereins, außerdem Trauerbegleiterin. Unterstützt wird sie von Christiane Philipp und Susana Henselin. Beide sind ausgebildete Krankenschwestern und Koordinatorinnen im Hospizverein.

Der ehrenamtlich tätige Vorstand arbeite sehr gut und eng mit den Koordinatorinnen zusammen, sagt Underbrink. Alle sechs Wochen finde ein gemeinsames Treffen statt, um Absprachen über die künftige Arbeit des Vereins zu treffen, ein Programm zu entwickeln und Fortbildungen anzustoßen.

Aktuell 80 Ehrenamtliche in Rothenburg

80 Hospizbegleiterinnen und -begleiter sind aktuell in Rothenburg und im Umland im Einsatz, die meisten von ihnen sind älter als 50 Jahre, etwa 60 Prozent von ihnen sind Frauen. Besonders freut sich Petra Underbrink darüber, dass sich 15 neue Ehrenamtliche schulen lassen, unter ihnen viele jüngere.

Selbst wenn sie familien- oder berufsbedingt derzeit nur wenig im Einsatz sein können, wäre der Verein mit ihnen für die Zukunft gut aufgestellt, sagt Petra Underbrink. Die Begleitenden kämen aus ganz verschiedenen Richtungen, es gebe eine große Vielfalt an Einstellungen, manche wären sehr religiös, andere eher nicht.

Aufgabe der Koordinatorinnen sei es unter anderem, die passende Betreuungsperson für die zu begleitende Person zu finden. Ursprünglich war der Hospizverein ein kleiner Verein, so Underbrink weiter. Doch inzwischen komme niemand mehr daran vorbei, nicht zuletzt, weil der Verein viele verschiedene Angebote bereithält.

Kochgruppe für trauernde Männer

So gibt es seit September das „Seelenfutter“, eine Kochgruppe für trauernde Männer. Sechs Männer treffen sich inzwischen einmal im Monat auf dem Campus, um gemeinsam zu kochen, zu essen, sich auszutauschen. Dem Verein sei es wichtig, den Angehörigen Möglichkeiten zu bieten, ihre Trauer zu bewältigen, so Underbrink. Dazu gibt es auch das Angebot des Trauerstammtisches und des Trauercafés. Leider sei es so, dass die Menschen nach dem Verlust eines geliebten Menschen funktionieren sollen, für die Trauer sei kein Raum vorhanden, diesen wolle der Hospizverein bieten.

Relativ neu sei der wöchentliche Besuch eines Mitarbeiters des Hospizvereins bei den Wohnungslosen, dies sei dringend nötig. Die Hauptarbeit sei jedoch die Hospizarbeit zu Hause und in den Heimen. Oft herrsche dort große Not, auch im finanziellen Bereich. Manchmal seien die Angehörigen regelrecht verzweifelt aufgrund der Dauerbelastung.

Keine pflegerischen Tätigkeiten

Zudem gebe es immer größere Defizite im Bereich der Pflege. Es fehle an Personal. Der Hospizverein übernimmt keine pflegerischen Tätigkeiten, doch er schenkt Zeit. Zeit, die eine Entlastung für die pflegenden Angehörigen bringt, Zeit für den zu begleitenden Menschen. Die Angehörigen seinen unglaublich dankbar, wenn sie einmal in Ruhe einkaufen gehen können oder sich einfach ein paar Stunden ausruhen könnten.

Neu sei auch die enge Zusammenarbeit mit dem Heim Gottesweg: Der Hospizverein werde angerufen, wenn dort einer der Bewohner oder eine der Bewohnerinnen eine Hospizbegleitung benötige. Zunehmend initiiere der Hospizverein auch Zusammenkünfte mit anderen Kreisen, etwa mit Ärzten oder Beschäftigten in Heimen. Einmal im Monat gebe es eine Fortbildungsveranstaltung, zum Beispiel über „Kommunikation in der Hospizarbeit“ oder „Letzte-Hilfe-Kurse“. In den vier Einheiten, die alle an einem Nachmittag stattfinden, geht es um „Leiden lindern“, „Vorsorgen und Entscheiden“, „Sterben als Teil des Lebens“ und „Abschied nehmen vom Leben“.

Wünsche von Politik und Gesellschaft

Was wünscht sich Petra Underbrink von der Politik und der Gesellschaft für den Verein? Da gibt es eine Menge, eigentlich sind es Wünsche, die selbstverständlich erfüllt werden sollten. Finanzielle Unterstützung für die Trauerarbeit wäre wichtig, auch die Einrichtung vom mehr Therapieplätzen. Ganz oben steht der Wunsch nach einem stationären Hospiz im Landkreis Ansbach.

Ob sich dieser Wunsch je erfüllen wird? Petra Underbrink ist da skeptisch. Immerhin: Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen hat sich mit Schwabach zusammengetan, gemeinsam werde ein Hospiz errichtet. 95 Prozent würden durch den Freistaat Bayern finanziert, fünf Prozent müssten durch Spenden generiert werden.

Eigene Räume wären schön

Auch vor Ort wünscht sie sich etwas: eigene Räumlichkeiten für den Hospizverein in Rothenburg oder der näheren Umgebung. Diese zu finden, sei unheimlich schwer. Ein großer Wunsch von ihr ist es, dass Sterben, Tod und Trauer wieder mehr Platz im Bewusstsein der Menschen und der Gesellschaft eingeräumt wird. Im Moment, so Underbrink, müsse man niemanden, der um Unterstützung durch den Hospizverein bittet, ablehnen. Das sei ein ganz großes Glück, aber keineswegs selbstverständlich.

Alle, die sich ehrenamtlich engagieren, seien ein Engel, so Underbrink. Sie selbst haben die Auszeichnung „Weißer Engel” stellvertretend für alle Hospizbegleiterinnen und -begleiter entgegengenommen, alle von ihnen bekommt dafür einen Engel aus ihren Händen, als Dankeschön.

Die Hospizbegleitung erfolgt komplett ehrenamtlich. Dennoch ist der Verein dankbar für Spenden, denn wenigstens den tatsächlichen finanziellen Aufwand, etwa das Spritgeld oder Auslagen für Lebensmittel, möchte man den Hospizbegleitern erstatten. Man will „den Tagen Leben geben“, so das Credo des Vereins und seiner Vorsitzenden, Petra Underbrink.


Von Margit Schwandt
north