Ansbach: In der Bilder-Basilika von Friedrich Rohm | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.11.2023 09:55

Ansbach: In der Bilder-Basilika von Friedrich Rohm

Die Rückseite des Bilder-Kubus mit Arbeiten von Friedrich Rohm in der Karlshalle (Foto: Thomas Wirth)
Die Rückseite des Bilder-Kubus mit Arbeiten von Friedrich Rohm in der Karlshalle (Foto: Thomas Wirth)
Die Rückseite des Bilder-Kubus mit Arbeiten von Friedrich Rohm in der Karlshalle (Foto: Thomas Wirth)

So dahin gesagt: feuriges Rot auf einer Leinwand. Eine Floskel. Nein, hier spürt man es auf der Haut, im Gesicht. Spürt die Hitze. Und hört das Fauchen der Flammen. Gleißend schießen sie aus der Brust dieses Mannes, der still und ernst dasteht, während es in ihm tobt. Friedrich Rohm hat ihn gemalt.

„Flammenmann“ heißt das Bild. Als Flyer-Titel ist es das Inbild der Gedenkausstellung „Friedrich Rohm – Entdeckungen“ geworden. Es steht als Teil für ein riesiges Ganzes. Und kann dies auch.

In der Ansbacher Karlshalle hängt der Flammenmann auf Augenhöhe im Süden vor dem Chorraum. Im Norden schwebt vor wogendem Blau ein anderes mythologisches Wesen: die Wasserfrau, rechts neben ihr grinst am Rand mit roten Lippen ein amphibisches Riesentier den Betrachter an.

Feuer und Wasser flankieren ein Bilder-Monument

Wer mag, entdeckt bei den polaren Gestalten noch die beiden anderen antiken Urelemente, Erde und Luft. Zwei Altarheilige gleich flankieren Wasser und Feuer einen Würfel im Osten der Halle, wie man ihn weit und breit noch nicht gesehen hat, eine dreidimensionale Hängefläche, eine vierseitige Ikonostase, eine farbglühende Bilder-Kaaba, gekachelt mit 144 quadratischen Gemälden. Es ist die eckige Spitze eines Bilderbergs, der wie ein Magnet die Blicke anzieht, sie an den rätselhaften Motiven abprallen lässt – oder noch tiefer hineinzieht.

Meisterliche Souveränität

Friedrich Rohm hat selbst einmal eine Bilderwand an dieser Stelle gebaut, 2006 für seine Performance „Ikonostase“. Klein wirkte sie mit ihren 25 Bildern im Vergleich zum Monument, das sich jetzt erhebt.

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Friedrich Rohm ist Anfang Februar in seinem 82. Lebensjahr gestorben. In den vergangenen Jahren war es um den Ansbacher Kunstpreisträger still geworden, seit sieben Jahren hat er wohl nicht mehr gemalt. Aber was zuvor entstanden ist, das ist immens. Mit welcher Souveränität er die verschiedensten Techniken beherrschte, seien es kleine Zeichnungen, Radierungen oder großformatige Ölgemälde, das war so konzentriert noch nie öffentlich zu sehen.

Jakob Merbach, Siegfried Kirchhoff und Bernd Rottenburg haben Friedrich Rohms Kunst ins Leben zurückgeholt. Sie haben dabei ein Künstlerleben, das sich im Ruhestand des Kunsterziehers unfassbar produktiv entfaltet hat, in seinen Stationen angedeutet. Dabei haben sie mit den wenigen Mitteln, die in der Karlshalle zur Verfügungen stehen, einen eindrucksvollen Kunst-Raum geschaffen, ein temporäres Tombeau.

Bei der Vernissage öffneten die Erläuterungen der drei Kuratoren diesen Gedenkraum. Klaviermusik, die Anne-Kathrein Jordan interpretierte, und eine persönliche Bildbetrachtung von Dr. Konrad Vanja erweiterten ihn.

Im Fluchtpunkt: der Bilderwürfel

Bernd Rottenburg wies noch auf etwas Bemerkenswertes hin: Die Ausstellung ist wie eine dreischiffige Basilika angelegt, was auf die Ursprungsbestimmung der Karlshalle als Betsaal anspielt. Die Struktur hat nebenbei den suggestiven Effekt, dass wie bei einer zentralperspektivischen Konstruktion im Fluchtpunkt der riesige Bilderwürfel steht.

Von Anfang an, das zeigt diese außerordentliche Ausstellung, malt Friedrich Rohm Menschen. Früh schon ist das Montierte, die Überblendung, das Collagenhafte als ein typisches Element seiner Bildkompositionen zu erkennen, bald bricht sich ein energischer, heftiger Malgestus Bahn. Die Farben, die jeweils große Bildfelder in einer in sich bewegten, kraftvollen Klarheit beherrschen, kommen später hinzu.

Auf ihn, auf diesen säkularen Hochaltar mit all seinen ungeheuer dynamische Bildern, Schmerzensbildern, Bildern der Angst, der Gier, der Suche, auf diese Bilder mit ihren mythologischen, religiösen und vermutlich auch biographischen Chiffren läuft alles zu, auf 144 Gemälde des Spätwerks, von denen es fünfmal so viele in dieser Art gibt. Ein kaum gehobener Schatz, der ein kunsthistorisches Seminar lange beschäftigen könnte.

„Friedrich Rohm – Entdeckungen“, Gedenkausstellung in der Karlshalle Ansbach, noch bis 4. November, täglich von 11 bis 18 Uhr.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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