Ansbach: Gelöste Weihnachtsfreude mit dem Windsbacher Knabenchor | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.12.2024 17:54

Ansbach: Gelöste Weihnachtsfreude mit dem Windsbacher Knabenchor

Bringen Bachs Weihnachtswunder zum Leuchten: Mitglieder des Windsbacher Knabenchores und des Kammerorchester Basel unter der Leitung von Ludwig Böhme. (Foto: Thomas Wirth)
Bringen Bachs Weihnachtswunder zum Leuchten: Mitglieder des Windsbacher Knabenchores und des Kammerorchester Basel unter der Leitung von Ludwig Böhme. (Foto: Thomas Wirth)
Bringen Bachs Weihnachtswunder zum Leuchten: Mitglieder des Windsbacher Knabenchores und des Kammerorchester Basel unter der Leitung von Ludwig Böhme. (Foto: Thomas Wirth)

Als vor zwei Jahren der Windsbacher Knabenchor Bachs Weihnachtsoratorium in Ansbach aufführte, war das Ergebnis nicht schlecht. Hinter den eigenen Standards, die dieser außerordentliche Chor und seine Leiter gesetzt haben, blieb es zurück. Vielleicht, weil das Orchester mäßig und Ludwig Böhme erst kurz im Amt war.

Zwei Jahre später war alles anders. Ludwig Böhme hatte mit dem Kammerorchester Basel souveräne Partner vor sich und an seiner Seite hoch kompetente Gesangssolisten. Vor allem scheinen die Beziehung zum Chor, die Selbstverständlichkeit beim Musizieren und die Vertrautheit miteinander gereift.

Auch die chorischen Qualitäten wirkten gefestigt, was Bachs fordernden Jubelchören die nötige Klarheit und innere Ordnung gab, den Chorälen fein schattierten Ausdruck. Selbst etwas so vermeintlich Einfaches wie der Cantus firmus von „Gelobet seist du, Jesu Christ” – die Knabensoprane singen die Strophe „Er ist auf Erden kommen arm“ – wurde in seiner herzbewegenden Schlichtheit zum Ereignis. Später beim Anblick des Kindes in der Krippe war ein sanftes Wunderleuchten zu hören.

Schönheit und Noblesse

Überhaupt verband sich der weiche, innige Chorklang mit der Noblesse der Basler Instrumentalisten. Alles war plastisch gearbeitet, nichts forciert. Ein Schimmer aus Schönheit lag über den vier Kantaten; aufgeführt wurden in St. Gumbertus die ersten drei und die sechste. Gelöste Freude schwang mit. Ludwig Böhme wählte natürlich bewegte Tempi. Nichts stockte, nichts schleppte. Alles war im Fluss. Den rahmenden Chorsatz der dritten Kantate, „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“, nahm er aber atemberaubend rasant. Er konnte dies von seinen Sängern verlangen. Sie folgten ihm ohne erkennbare Mühen.

Heikel ist bei den Solistenpartien besonders das lange Duett der dritten Kantate, „Herr, dein Mitleid“ für Sopran und Bass. In glücklichen Aufführungen, was selten vorkommt, atmet es den Trost und die Freiheit, von dem die Rede ist. Die beiden Stimmen müssen dafür in perfekter Balance sein und spielerisch wie aus einem Geist agieren. Das war bei Anna Lena Elbert und Thomas Laske nicht der Fall. Sie verströmten eher pauschalen Enthusiasmus. Wie vor zwei Jahren dominierte Laske auf Kosten der Soprankollegin. Ansprechend aber interpretierten beide ihre jeweiligen Arien.

Susanne Langner gestaltete die Alt-Partie mit hell schlanker Stimme. Zugewandt und zärtlich interpretierte sie die Wiegenlieder.

Klug gestaltender Evangelist

Tobias Hunger empfahl sich als Evangelist, der Anteil am Erzählten nimmt und dies dezent in Ausdruck verwandelt. Anrührend, wie er das Bild Marias entstehen ließ, die dem Bericht der Hirten nachsinnt.

Am Ende war der Beifall lang. Und die Windsbacher gaben, wohl weil es alle aus alter Gewohnheit erwarten, „Stille Nacht“ zu. Merkwürdig bleibt der Brauch. Nach Beethovens Neunter hat noch niemand ein Volkslied wie „Freut euch des Lebens“ verlangt.

Zu einer neuen, guten Tradition werden könnte das Familienkonzert, das die Windsbacher vor der Aufführung am Abend gaben. Das war instruktiv und kurzweilig, und machte mit der manchmal einschüchternden Größe von Bachs Weihnachtsoratorium vertraut.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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