Die Mitglieder des neuen ANregiomed-Verwaltungsrats haben sich in ihrer konstituierenden Sitzung für den Erhalt einer kinderärztlichen und einer urologischen Versorgung am Klinikum Ansbach ausgesprochen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen soll für beide Fachgebiete die Einrichtung von Belegabteilungen angestrebt werden.
Die Situation der Krankenhäuser gilt als einer der wesentlichen Punkte für den Ausgang der Landratswahl. Entsprechend groß ist das öffentliche Interesse, wie Marco Meier sich als neuer Vorstand des Verwaltungsrates schlägt. Ein wesentlicher Unterschied: Im Nachgang der Konstituierung verschickte ANregiomed eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Ergebnissen aus der nichtöffentlichen Sitzung. Meier will zeigen, dass an den Problemen gearbeitet wird. Leichter zu lösen, sind sie dadurch freilich nicht. Denn die Vorgaben des Bundes machen es den Krankenhäusern sehr schwer.
Nachdem Diakoneo den Vertrag zum Betrieb der Kinderstation Wald am Klinikum Ansbach zum Jahresende gekündigt hat, wurden seit Bekanntgabe der Übernahme der Cnopfschen Kinderklinik durch das Klinikum Nürnberg zahlreiche Gespräche geführt, informiert ANregiomed in einer Mitteilung. Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd. Denn die Vorgaben der Krankenhausreform treiben die Anforderungen für eine Außenstelle in jetziger Form derart in die Höhe, dass eine Umsetzung als nicht umsetzbar beurteilt wird.
Auch mit einer Ausnahmegenehmigung wäre eine Fortführung des jetzigen Konzeptes nicht machbar, macht ANregiomed deutlich. „Die einzig realistische Perspektive für den Erhalt einer stationären Versorgung für Kinder mit internistischen Erkrankungen könnte die Etablierung einer pädiatrischen Belegabteilung durch niedergelassene Kinderärzte bieten“, erklärt Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer.
Dazu müsste zunächst eine öffentliche Ausschreibung für die Belegabteilung erfolgen. Wenn aus dem lokalen Planungsbereich, der die Stadt Ansbach sowie die Landkreise Ansbach, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen umfasst, keine Bewerbungen eingehen, könnte auch mit Interessenten außerhalb des Planungsbereichs verhandelt werden.
Sollte die Gründung einer Belegabteilung tatsächlich erfolgreich sein, wäre dadurch jedoch nicht automatisch der Erhalt des „perinatalen Schwerpunkts“ der Geburtshilfe gesichert, unterstreicht ANregiomed. Zur Versorgung von Frühgeburten ab der 32. Schwangerschaftswoche müsste nämlich rund um die Uhr die Präsenz eines Arztes mit entsprechender Spezialisierung innerhalb von zehn Minuten im Kreißsaal oder OP sichergestellt sein. Für Belegärzte würde dies eine zusätzliche Hürde bedeuten.
Die Versorgung von Unfällen und chirurgisch zu behandelnden Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen hingegen sei unabhängig von der Kinderstation auch zukünftig am Klinikum Ansbach möglich, betonte der Klinikverbund. Parallel führen die Verantwortlichen von ANregiomed Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVB) und niedergelassenen Kinderärzten. Dabei geht es darum, eine pädiatrische Bereitschaftspraxis oder einen pädiatrischen Konsildienst am Klinikum Ansbach einzurichten.
Landrat Marco Meier als Vorsitzender des Verwaltungsrates und Oberbürgermeister Thomas Deffner als sein Stellvertreter unterstützen den Vorstoß nach Kräften. „Wir werden nichts unversucht lassen, am Klinikum Ansbach im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin auch weiterhin eine medizinische Grundversorgung anzubieten“, werden Meier und Deffner in der Mitteilung gemeinsam zitiert.
Der Vorstand wurde beauftragt, alle erforderlichen Schritte einzuleiten, um eine pädiatrische Belegabteilung zu etablieren. Parallel werden weitere Möglichkeiten, wie eine telemedizinische Anbindung an geeignete Kliniken, die Etablierung einer kinderärztlichen Bereitschaftspraxis und weitere Kooperationsmodelle, geprüft und in Angriff genommen.
Weiterhin soll die Möglichkeit der Einrichtung einer urologischen Belegabteilung am Klinikum Ansbach durch eine öffentliche Ausschreibung geprüft werden. Durch die hohen Anforderungen der Krankenhausreform ist der fortgesetzte Betrieb der Hauptabteilung nicht länger möglich, betont ANregiomed in der Mitteilung. Deshalb wurde die für einen langfristigen Betrieb erforderliche Leistungsgruppe auch nicht beantragt. Das hatte der Verwaltungsrat in seinem Grundsatzbeschluss im September vergangenen Jahres festgelegt.
„Sollte es gelingen, geeignete Belegärzte zu gewinnen, könnte der Aufbau einer Belegabteilung die Chance bieten, eine stationäre Versorgung urologischer Patienten zumindest in einem begrenzten Umfang zu erhalten – neben der bereits bestehenden Belegabteilung in Rothenburg”, heißt es in dem Pressetext. Auch hier muss zunächst eine öffentliche Ausschreibung für eine Belegabteilung erfolgen. Gehen keine Bewerbungen aus dem Planungsbezirk ein, könnten anschließend auch Fachärzte berücksichtigt werden, deren Praxis außerhalb Westmittelfrankens angesiedelt ist.