Veröffentlicht am 07.10.2022 13:31

Altes Handwerk: Christian Löder lässt sich zum Pinsel- und Bürstenmacher ausbilden

Christian Löder mit einer der Bürsten, die die Firma Niebling in Burgbernheim herstellt. (Foto: Anna Franck)
Christian Löder mit einer der Bürsten, die die Firma Niebling in Burgbernheim herstellt. (Foto: Anna Franck)
Christian Löder mit einer der Bürsten, die die Firma Niebling in Burgbernheim herstellt. (Foto: Anna Franck)

Ob im Pfandflaschen-Automat, an der Rolltreppe oder zum Kartoffelputzen: Bürsten kommen vielseitig zum Einsatz. Über 80 Branchen beliefert die Firma Niebling Technische Bürsten GmbH aus Burgbernheim. Dort lernt Christian Löder das Handwerk des Bürsten- und Pinselmachers – ein fast ausgestorbener Beruf.

Ursprünglich hat der 31-Jährige eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert, arbeitet aber seit dem Jahr 2016 bei der Burgbernheimer Firma und hat als Produktionsmitarbeiter bereits unterschiedliche Abteilungen durchlaufen. Nun hat er die Umschulung zum Bürsten- und Pinselmacher begonnen, einem wie Löder findet ziemlich abwechslungsreichen Beruf.

Die Geschichte des mittlerweile etwa 80 Mitarbeiter starken Unternehmens ist über 100 Jahre alt, erläutert Geschäftsführer Stefan Weber. Rund vier Millionen Bürsten produziert und verkauft man etwa pro Jahr. Wichtig ist Weber zu betonen, dass es sich bei den Produkten um hochwertige Werkzeuge handelt, die im industriellen Bereich Einsatz finden. In den vergangenen zwei Jahren erlebte die GmbH einen „Turnaround“ und wurde modernisiert, erläuterte Stefan Weber.

Man sieht, was man erschaffen hat

Das Handwerk des Pinsel- und Bürstenmachers sei zwar ein „alter Beruf“, sagt Produktionsleiter Thomas Wagner. Doch auch er wird mittlerweile „modern interpretiert“, steht den Mitarbeitern doch beispielsweise eine hochmoderne Bürstenbestückungsmaschine zur Verfügung. Dennoch kommen auch das Handstanzen und der traditionelle Handeinzug zum Einsatz. Bei Letzterem werden die einzelnen Bündel aus Fasern oder Tierhaaren händisch in den Körper der Bürste eingezogen.

Ein Grund, weshalb sich Löder für diesen beruflichen Weg entschieden hat: „Ich arbeite schon immer gerne mit der Hand“, sagt er. Am Ende des Tages wisse und sehe er, was er erschaffen hat. Berührungsängste sind da freilich hinderlich, sagt der Schwebheimer, kann doch gerade das Stanzen auch durchaus gefährlich werden, wenn man einen Moment unaufmerksam ist.

Das „Gesamtpaket" stimmt

Der 31-Jährige mag die Mischung der Aufgaben, „das Gesamtpaket“, denn nicht nur die nötigen Fingerfertigkeiten gehören zum Ausbildungsspektrum – auch Arbeitsorganisation, das richtige Bedienen der Maschinen und Fachkenntnisse über die Materialien gehören dazu. Im Arbeitsalltag muss er sich mit den individuellen Wünschen und Vorstellungen seiner Kunden auseinandersetzen, Lösungen erarbeiten und dabei ständig mitdenken.

Auch reizt es Löder, das Handwerk eines solch alten Berufs in die Zukunft zu tragen, also lebendig zu halten. Denn nicht viele bewerben sich für die Ausbildung, er sei erst der zweite Auszubildende in diesem Beruf, den die Firma in ihrer gesamten Laufbahn ausbildet. Umso mehr freut sich das Unternehmens-Team über den Zuwachs, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

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