In Windeseile hat sich am Ostermontag die traurige Meldung verbreitet: Papst Franziskus ist mit 88 Jahren verstorben. Diese Nachricht interessiert die ganze Welt. Aber das Oberhaupt der Katholischen Kirche hatte auch Verbindungen in unsere Region. Ein Blick in die Vergangenheit.
Die Stiftsbasilika in Herrieden ist seit 2010 eine päpstliche Basilika – die einzige in Mittelfranken. Im Falle der Sedisvakanz, also der Zeit ohne Papst, wird dort symbolisch ein Schirm aufgespannt. Aber auch sonst gibt es päpstliche Spuren nach Westmittelfranken. Vor Jahrzehnten lebte der spätere Papst als Priester eine Zeit lang in Rothenburg.
Kurz vor seinem 50. Geburtstag wollte Franziskus, damals noch Jorge Mario Bergoglio, in Frankfurt seine akademischen Studien fortsetzen. Zur Vorbereitung mietete er vom 4. August bis 2. Oktober 1986 eine Wohnung in der bei Touristen beliebten Stadt im Landkreis Ansbach. Damals gab es dort noch ein Goethe-Institut, dessen Deutschkurse Lernwillige aus aller Welt anlockte. Bergoglio wohnte in einem Zimmer in der Judengasse 27 bei der Familie Pester.
„Er war einer der ersten, der die Wohnung gemietet hat“, erzählt Walter Pester, Sohn der Vermieter. Bis etwa 1992 wurde die 45 Quadratmeter große Wohnung im Erdgeschoss Fremden zur Verfügung gestellt, erinnert er sich. Das Goethe-Institut hatte für seine Studierenden immer wieder nach Quartieren gesucht und so entstand die Verbindung. Das Appartement bestand aus einem Schlafzimmer mit einem Einzelbett (hier hatte der Papst geschlafen), einem Wohnzimmer mit einem Doppelbett, einer Küche und einem Bad. Im ersten Stock wohnte die Familie Pester.
Jahre später gab es dann Überlegungen, die Papstwohnung wieder an Studierende zu vermieten oder als Ferienwohnung anzubieten. Doch die Corona-Pandemie machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung, so Pester. Bis heute ist sie unbewohnt, wird auch nicht mehr vermietet. „Wir nutzen sie privat, für Besuch“, erklärt Walter Pester. Vor dem Haus erinnern heute zwei Tafeln an den Aufenthalt des Papstes. Eine offizielle und eine von Walter Pester.
Auch Franziskus selbst blieb die Zeit in Rothenburg wohl im Gedächtnis. Das wurde deutlich, als Kreisrat und FLZ-Mitarbeiter Fritz Zinnecker aus Stöckau (Gemeinde Langfurth im Kreis Ansbach) 2020 in Rom war und persönlich mit ihm sprach. „Ich würde Ihnen gern Artikel aus unserer Zeitung zeigen“, hatte Zinnecker damals die Konversation begonnen. „Der Papst blieb stehen.“ Fritz Zinnecker war über den TSV 1860 München nach Rom gekommen. Franziskus’ Vorgänger, Papst Benedikt XVI., war nämlich Ehrenmitglied im Verein. Diese Mitgliedschaft ging dann auf seinen Nachfolger über.
Mit dem Löwen-Fanclub Hesselberg durfte Zinnecker also zum Papst. „Wer ganz viel Glück hat, kann mit ihm ein paar Worte wechseln. Ich dachte mir, das versuch’ ich.“ Der pensionierte Rektor schrieb einen Brief an den Vatikan. Es kam eine Absage, doch er gab nicht auf. „Mir war klar, ich musste etwas Besonderes bieten.“ Zinnecker zog einen Trumpf aus seinem Privatarchiv. „Da hatte ich Artikel aufgehoben, wann der Papst in Rothenburg war.“
Mit dieser Info konnte er überzeugen. Er bekam einen Platz in der ersten Reihe. Im Februar 2020, eine Woche nach der Zusage, stand er in der vatikanischen Audienzhalle. Nur rund 100 Teilnehmende hatten es durch die Vorauswahl in diesen Bereich geschafft.
Franziskus begann seine Runde, näherte sich Fritz Zinnecker. Handschlag, ein Lächeln. Der Gast aus Franken hielt dem Papst ein Blatt mit Kopien von FLZ-Artikeln hin und sagte auf Italienisch: „Ich würde Ihnen gern Artikel aus unserer Zeitung zeigen.“ Franziskus blieb stehen.
„Ich habe ihm erklärt, dass es dabei um das Haus geht, in dem er in Rothenburg gewohnt hat. Das hat ihn sehr interessiert. Auf mich hat er äußerst zugänglich gewirkt, überhaupt nicht von oben herab. Es war nicht nur ein flüchtiges Gespräch, sondern eine echte Begegnung auf Augenhöhe. Der Papst hat sich die Artikel mit den Fotos angeschaut und sehr freundlich gelächelt. Ich habe gemerkt, dass er immer noch ein bisschen Deutsch versteht. Er hat mehrmals ,Rothenburg‘ gesagt und ,Judengasse‘ und ,Deutschland ist schön‘. Aber den Rest haben wir auf Italienisch geredet. Ich habe ihm erklärt, dass in Rothenburg eine Tafel an seinen Aufenthalt erinnert. Dann hat er gefragt, ob er die Artikel behalten darf. Meine Antwort war: Das ist mein Geschenk für Sie.“