Die Pfarrei Kreuzerhöhung in Schillingsfürst hat eine bewegte Geschichte | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 24.12.2025 15:00

Die Pfarrei Kreuzerhöhung in Schillingsfürst hat eine bewegte Geschichte

Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick (Mitte) war extra für das Jubiläum nach Schillingsfürst gekommen. (Foto: Barbara Ridder)
Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick (Mitte) war extra für das Jubiläum nach Schillingsfürst gekommen. (Foto: Barbara Ridder)
Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick (Mitte) war extra für das Jubiläum nach Schillingsfürst gekommen. (Foto: Barbara Ridder)

Am vierten Adventssonntag feierte die katholische Gemeinde Schillingsfürst das 200. Jubiläum der Wiederbegründung der Pfarrei „Kreuzerhöhung“. Zelebrant und Festprediger war Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick, der der Einladung nach Schillingsfürst durch Pfarrer Hans-Peter Kunert gefolgt war.

Etwas wiederbegründen könne man nur, wenn es schon einmal gegründet wurde, so der Erzbischof. Tatsächlich hat die Pfarrei eine bewegte Geschichte hinter sich. Bereits 1673 beriefen die gräflichen Brüder Ludwig Gustav und Christian Hohenlohe zur „Wiedereinführung des katholischen Bekenntnisses” in Hohenlohe-Waldenburg Franziskanermönche und -brüder aus Dinkelsbühl nach Schillingsfürst. Auf dem Gelände des jetzigen Pfarrhauses unterhielten sie ein Hospiz zur Krankenpflege. Am 4. August 1674 wurde der Grundstein zum Kirchenbau der Franziskaner gelegt, 1679 wurde die Kirche vollendet.

Erhebung zum Konvent im Jahr 1686

Der Würzburger Bischof Petrus Phillip bestätigte 1680 die Niederlassung der Franziskaner, 1686 wurde sie zum Konvent erhoben. Karl Albrecht I. holte im Jahr 1768 zusätzlich Jesuiten nach Schillingsfürst, deren Kolleg allerdings 1773 wieder aufgelöst wurde. Durch die Säkularisation verlor Schillingsfürst 1803 seine Souveränität. Hohenlohe wurde zwischen den Königreichen Württemberg und Bayern aufgeteilt, Karl Albrecht III. zog auf sein Schloss nach Waldenburg. Schillingsfürst wurde zum Sitz einer Nebenlinie unter Fürst Franz-Josef, ihm blieb nur wenig des ursprünglichen Besitzes.

Damit verschwand auch die Lebensgrundlage für die meist katholische Mittelschicht. 1806 wurde Schillingsfürst dem Erzbistum Bamberg zugeordnet. Schließlich mussten auch die Franziskaner Schillingsfürst verlassen, ihr Unterhalt konnte nicht mehr gesichert werden. Deren Weggang machte jedoch eine Neubegründung der Pfarrei „Kreuzerhöhung“ im Dezember 1825 möglich.

Erzbischof Schick sprach in seiner Predigt über die Profanisierung kirchlicher Gebäude: Dies tue ihm im Herzen weh. Er appellierte an die Gläubigen, man brauche eine Zeit der Wiederbelebung des Glaubens und der Kirchen, dazu eine geistliche Erneuerung in der Welt. Eine Pfarrei sei die kleinste Zelle der großen weltweiten Kirche, wo die frohe Botschaft des Evangeliums verkündet werde, dazu die Sakramente gespendet und gefeiert würden.

Gute Gemeinschaft vor Ort ist wichtig

Wichtig sei es, eine gute Gemeinschaft vor Ort zu bilden, eine karitative Kirchengemeinschaft, die niemanden ausschließe. Am Weihnachtsfest, so Schick, feiere die Kirche die Menschwerdung Gottes. Der Glaube könne die Menschen durch das ganze Leben tragen, ihnen auch im Alter Hoffnung geben, Kraft und Zuversicht schenken. „Mach‘s wie Gott, werde Mensch“, so Schick, und er wünschte in guter fränkischer Tradition ein „glückseliges“ Neues Jahr.

Von der evangelischen Gemeinde St. Kilian war Pfarrerin Birgit Schwalbe gekommen und hatte ein Geschenk dabei: Ein Glaskreuz, das die bunte Vielfalt des Glaubens und des kirchlichen Lebens symbolisieren kann, dazu gehört auch die ökumenische Verbundenheit. Sie erinnerte daran, dass auch die evangelische Gemeinde in diesem Jahr ihr 200-jähriges Kirchweihjubiläum feiern konnte.

Bürgermeister Michael Trzybinski verwies auf die bereichernde Geschichte des ehemaligen Franziskanerklosters, das immer für eine lebendige Gemeinde stand. Es sei eines der beeindruckendsten Wahrzeichen der Stadt. Wie viele Taufen und Hochzeiten in den vergangenen 200 Jahren wohl in der Kirche gefeiert wurden? Er wisse es nicht, so Trybinski. Doch die Kirche habe ihre Türen immer geöffnet, für das Leben im Glauben.

Stimmungsvolle musikalische Umrahmung

Für einen stimmungsvollen musikalischen Rahmen sorgten Ulrich Schwandt an der Orgel und das Bläserquartett mit Hermann Riedel, Florian Bach, Walter Korn und Thomas Gab, die mit einer Pastorale in den vierten Adventssonntag einstimmten. Die Schola der Regionalpfarrei hatte neben liturgischen, mehrstimmigen Gesängen, adventlichen Weisen und Musik von Charles Gounod, eigens ein Jubiläumslied von Wolfram Menschick einstudiert: „Hier ist das Haus des Herrn“.

Am Nachmittag hatte Max Blättler ein Orgelkonzert gegeben und die vielfältigen Klangfacetten des renovierten Instrumentes aufgezeigt. Adventliche Choralbearbeitungen waren dabei, wie „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Nun komm der Heiden Heiland“ von Max Reger und ein „Ave Maria“ von Alexandre Guilmant. Festliches Finale war die „Suite Gothique“ von Léon Boëllmann.


Von Margit Schwandt
north