Wunderkisten fürs Wohnzimmer: Sind Soundbars Alleskönner? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.08.2026 05:13

Wunderkisten fürs Wohnzimmer: Sind Soundbars Alleskönner?

Von klein bis groß für besseren TV-Ton: Die Stiftung Warentest hat Soundbars getestet. (Foto: Ralph Kaiser/Stiftung Warentest/dpa-tmn)
Von klein bis groß für besseren TV-Ton: Die Stiftung Warentest hat Soundbars getestet. (Foto: Ralph Kaiser/Stiftung Warentest/dpa-tmn)
Von klein bis groß für besseren TV-Ton: Die Stiftung Warentest hat Soundbars getestet. (Foto: Ralph Kaiser/Stiftung Warentest/dpa-tmn)

Wenn beim Film die Stimmen schwer zu verstehen sind und Explosionen kaum Eindruck machen, liegt das oft nicht an der Aufnahme, sondern am Fernseher. Denn die Geräte werden immer dünner – für ordentliche Lautsprecher bleibt da kaum Platz. Genau hier setzen Soundbars an.

„Soundbars sind in erster Linie dazu da, den Ton des TV-Gerätes zu verbessern“, erklärt Henning Withöft von der Stiftung Warentest. „Das gelingt den meisten auch recht gut – weil sie einfach mehr Raum für Lautsprecher bieten als die sehr schlanken Fernseher.“

Der Unterschied ist hörbar: Stimmen treten klarer hervor, Effekte wirken kräftiger, insgesamt entsteht ein deutlich volleres Klangbild. Wer einmal einen Film mit einer guten Soundbar gesehen - besser: gehört - hat, nimmt den Ton des Fernsehers oft nicht mehr hin.

Vom besseren Klang zur Kino-Atmosphäre

Aber moderne Soundbars können weit mehr als nur den Ton verstärken. Viele Modelle erzeugen ein räumliches Klangbild - teilweise mit 3D-Audioformaten wie Dolby Atmos, die eine Klangkulisse oberhalb und um die Zuhörer herum simulieren.

„Was man erwarten kann, ist vor allem ein räumlicherer, raumfüllender Klang - und je nach Modell auch tiefe, wuchtige Bässe, insbesondere wenn ein Subwoofer dabei ist“, sagt Herbert Bisges vom Online-Magazin „Hifi.de“. Das könne bei Filmen und Serien einen großen Unterschied machen.

Ohne Extra-Box bleibt der Ton oft dünn

Echtes Heimkino-Feeling entsteht aber nicht automatisch. Zwar simulieren viele Geräte einen Raumklang, physikalische Grenzen bleiben aber bestehen. „Einen umfassenden Heimkino-Sound bieten vor allem Soundbar-Sets mit aktivem Subwoofer und rückwärtigen Satelliten-Boxen“, so Bisges. Nur dann zieht der Hubschrauber wirklich über die Köpfe hinweg, kommen Schüsse aus dem Hinterhalt.

Das bestätigt auch ein Vergleichstest der Stiftung Warentest: 11 einteilige Soundbars und 17 Modelle mit Zusatzlautsprechern wurden unter die Lupe genommen. Alle 28 Geräte erhielten insgesamt ein „Gut“. Beim Ton überzeugten aber vor allem die Kombis mit Subwoofer und Satelliten. Einteiligen Soundbars fehlte es regelmäßig an Bässen, spürbar etwa in Action-Szenen.

Alleskönner mit Kompromissen

Viele Soundbars sollen dabei gleich mehrere Aufgaben übernehmen: Den Fernsehton verbessern, das Heimkino ersetzen, als Musikanlage dienen. Funktioniert das? „Vielleicht nicht für alles, aber schon für vieles: Fernsehen, Filmabend, Gaming, aber auch Musik hören oder streamen“, sagt Bisges.

Allerdings bleibt die Bauform ein limitierender Faktor. „Bei einer einteiligen Soundbar liegen die Lautsprecher recht nah beieinander, das begrenzt den Stereo-Effekt“, erklärt Warentester Withöft. „Hier ist eine klassische Musikanlage mit weit auseinanderstehenden Boxen klar im Vorteil.“ Wer hingegen hauptsächlich fernsieht oder Filme streamt, für den ist die Soundbar eine praktische und kompakte Lösung.

Für anspruchsvolle Musikliebhaber gibt es eine Alternative: Moderne Aktiv-Lautsprecher mit HDMI-Eingang verbinden das Beste aus beiden Welten: breiten Stereoklang mit direktem TV-Anschluss. „Eine echte Allround-Lösung, wenn es nicht auf Surround von allen Seiten ankommt“, so Bisges.

Ausstattung entscheidet über die Möglichkeiten

Wie viel eine Soundbar leisten kann, hängt stark von ihrer technischen Ausstattung ab. Beim Anschluss an den Fernseher gilt: „Mindestens ein HDMI-eARC sollte es sein, weil über diesen verbesserten Rückkanal auch hochwertige Tonformate wie Dolby TrueHD übertragen werden“, sagt Bisges. Der ältere HDMI-ARC ist zwar kompatibel, aber nicht für die anspruchsvollsten Tonspuren ausgelegt.

Überdies bieten viele Geräte Bluetooth für die schnelle Wiedergabe vom Smartphone sowie WLAN für Streaming-Dienste, Apple AirPlay oder Google Chromecast. Auch Apps zur Klanganpassung und automatische Einmessfunktionen, die die Raumakustik berücksichtigen, sind bei neueren Modellen verbreitet.

„Wer nur den TV-Ton verbessern will, braucht gar nicht so viel“

„Wer einfach nur den Fernsehton verbessern will, braucht gar nicht so viel“, sagt Withöft. „Wer aber zusätzlich Streaming, Sprachassistenten oder einen analogen Eingang für den Plattenspieler möchte, muss genau in die Ausstattungsliste schauen. Und das macht sich dann auch im Preis bemerkbar.“

Wichtig ist auch die Bedienbarkeit. Die meisten Soundbars bieten voreingestellte Klangmodi für Film, Musik oder Sprache. Im Vergleich der Stiftung Warentest lieferten diese Voreinstellungen mindestens „befriedigende“ Ergebnisse. Wer aber nachjustiert, etwa über einen Equalizer, holt meist mehr heraus. Besonders praktisch: Ein guter Nachtmodus dämpft laute Passagen und hebt Dialoge an, damit auch spätabends alles klar zu verstehen bleibt, ohne die Nachbarn zu stören.

Große Preisunterschiede - auch bei ähnlicher Leistung

Der Markt ist breit aufgestellt. Gute Soundbars gibt es laut Stiftung Warentest ab rund 200 Euro. Nach oben sind die Preise weit offen. Auffällig dabei ist, dass Preis und Qualität sich nicht immer proportional entwickeln. „Bei gleichem Qualitätsurteil liegen zwischen Geräten oft mehrere hundert Euro“, berichtet Withöft.

Sparen kann man unter anderem, wenn man einen Blick auf die Vorgängermodelle wirft. Wenn Hersteller teils schnell die Modellreihen wechseln, sind die älteren Geräte oft günstiger, klingen aber kaum anders als ihre Nachfolger.

Fazit: Besser als der Fernseher - aber kein Ersatz für alles

Bleibt als Ergebnis: Soundbars sind eine einfache und oft günstige Möglichkeit, den Klang eines Fernsehers spürbar aufzuwerten. Schon einfache Modelle liefern hörbare Fortschritte. Wer mehr will - also echten Surround-Sound, tiefe Bässe, hochwertige Musikwiedergabe - muss gezielter auswählen und meist auch mehr investieren.

„Insgesamt bewegt sich das Angebot etwa zwischen 300 und 3.000 Euro, wobei man unter 500 Euro noch keine allzu hohen Erwartungen haben sollte“, sagt Herbert Bisges. Soundbars sind und bleiben also praktische Vielkönner für den Alltag, mit klaren Stärken beim Fernsehton, aber auch mit Grenzen, wenn es um echtes Heimkino oder Hi-Fi-Ansprüche geht.

© dpa-infocom, dpa:260817-930-539931/1


Von dpa
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