Wird der elektrische Cayenne zum Rettungswagen für Porsche? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.04.2026 00:06

Wird der elektrische Cayenne zum Rettungswagen für Porsche?

Riesige Seife auf Rädern oder gelungenes Design? Das müssen Sie am Ende ganz allein für sich entscheiden. (Foto: Porsche AG/dpa-tmn)
Riesige Seife auf Rädern oder gelungenes Design? Das müssen Sie am Ende ganz allein für sich entscheiden. (Foto: Porsche AG/dpa-tmn)
Riesige Seife auf Rädern oder gelungenes Design? Das müssen Sie am Ende ganz allein für sich entscheiden. (Foto: Porsche AG/dpa-tmn)

Porsche nimmt einen neuen Anlauf für die Elektrowende. Nachdem der Vorreiter Taycan mittlerweile zum Ladenhüter und der Macan vom Verbrenner-Bestseller zum Elektro-Mitläufer geworden sind, soll es jetzt der neue Cayenne richten. 

Dabei machen die Schwaben alles anders als bisher. Nicht nur, dass der Grundpreis von 105.200 Euro nahezu identisch ist mit dem Verbrennermodell. Sondern das große SUV aus der Liga von BMW iX, Mercedes EQS und Volvo EX90 kann zudem in jeder Disziplin deutlich mehr als sein Pendant mit Benzinmotor. 

Wie ein Stück Seife im Sturm

Zugegeben, am Design scheiden sich die Geister. Denn in Ringen um einen niedrigen cW-Wert, also eine bessere Aerodynamik, für eine große Reichweite ist das SUV zu einem gewaltigen Stück Seife geworden, das Kanten und Charakter vermissen lässt. Aber dafür fährt der Cayenne nicht nur weit, sondern auch schnell. 

Dass sich innen der Bildschirm im eleganten Schwung über die Mittelkonsole bis zu den Knien biegt, sieht zwar neu aus und anders als alles Gewohnte. Doch der Mehrwert erschließt sich zumindest nicht auf Anhieb. 

Andererseits gehören Design-Diskussionen bei Porsche-Modellwechseln dazu wie das Stuttgarter Wappen auf der Haube: Man denke nur an die Spiegeleier-Scheinwerfer des 911 aus der Generation 996. Und am Ende haben sie den Erfolg des jeweiligen Modells dann doch nicht beeinträchtigt.

Nie war ein Porsche in Serie leistungsstärker

Diskussionslos bleibt das Fahrverhalten. Ja, das künstliche V8-Brabbeln im Turbo dürfte in den Ohren aller Liebhaber von Verbrennermotoren allenfalls hochnotpeinlich wirken. Aber mit einer messerscharfen Lenkung, einer explosiven Beschleunigung und Bremsen mit dem Biss einer wütenden Bulldogge fährt der elektrische Cayenne um Längen besser als die allermeisten Konkurrenten, egal ob elektrisch oder konventionell angetrieben. So lässt er auch seinen benzinbetriebenen Vetter alt aussehen. 

Kein Wunder eigentlich, schließlich ist er mit einer sogenannten Overboost-Leistung von kurzfristig 850 kW/1.156 PS das stärkste Serienauto, das die Schwaben bis dato gebaut haben. Nie haben sich 2,7 Tonnen leichter angefühlt und nie hat man einen solchen Koloss mit so ruhiger Hand so schnell und mühelos auch über enge Pisten getrieben. 

Rekuperation wie ein Formel-1-Auto

Für das womöglich beste SUV im Luxussegment hat Porsche tief in die Technikkiste gegriffen: Das Fahrwerk des E-Cayenne hat adaptive Luftfedern mit zwei Kammern für besonders schnelle Reaktionen, die Hinterachslenkung macht ihn so wendig wie den seligen Boxster und beim Bremsen hilft die E-Maschine mit bis zu 600 kW als Generator mit. Damit rekuperiert der Cayenne so gut wie ein Rennwagen in der Formel 1.

Vor allem aber gibt es reichlich Motorleistung: Schon das Basismodell hat zwei Motoren von zusammen 325 kW/442 PS und erreicht 230 km/h, der Cayenne S steht mit 490 kW/666 PS und 250 km/h Topspeed in der Liste und die Spitze markiert der Turbo, der bis zu 850 kW/1156 PS leistet. Das reicht für einen Sprint auf 100 km/h in 2,5 Sekunden und maximal 260 km/h. 

Der E-Turbo ist dabei mit 165.500 Euro rund 20.000 Euro günstiger als das Top-Modell der benzinbetriebenen Cayennes.

Hohe Reichweite, schnelles Laden 

Auch bei der Batterie wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Der Akku hat in allen Versionen eine Kapazität von 113 kWh, mit der laut Porsche bis zu 642 Normkilometer möglich sind. 

Danach lädt der Cayenne nicht nur mit bis zu 400 kW am Gleichstrom und mit bestenfalls 22 kW am Wechselstrom, sondern kann gegen Aufpreis und mit einer speziellen Platte im Boden auch induktiv laden. 

Bietet Platz und zieht was weg

Als Elektromodell streckt sich der Cayenne um knapp sechs Zentimeter auf 4,99 Meter, hat fast 13 Zentimeter mehr Radstand und bietet innen entsprechend mehr Platz vor allem in der zweiten Reihe. 

Außerdem bietet er 747 bis 1.554 Liter Platz im Kofferraum, hat im Bug noch einmal 90 Liter Ladevolumen und kann als eines der ersten E-Fahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen und ziehen. Und damit der Umstieg noch leichter wird, gibt es erstmals elektrische Türen.

Fazit: Aller guten Dinge sind drei

Er fährt besser als der Verbrenner-Cayenne, ist mit großem Akku und hoher Ladeleistung kaum weniger langstreckentauglich, obendrein geräumiger und praktischer und in einigen Versionen sogar billiger – wenn Porsche jetzt noch die Restwerte in den Griff bekommt, findet man kaum einen rationalen Grund, der bei der Wahl eines neuen Cayenne gegen die elektrische Version spricht. 

Nur hat Porsche bislang eben vor allem von den Emotionen und von der Lust an der Unvernunft gelebt, und da tun sich die E-Modelle nach wie vor schwer. 

Datenblatt: Porsche Cayenne Electric Turbo 

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260413-930-940917/1


Von dpa
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