Wird das Ansbacher Montessori-Zentrum zum Wahlkampf-Thema? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.01.2026 20:04

Wird das Ansbacher Montessori-Zentrum zum Wahlkampf-Thema?

Die Montessori-Schule an der Grenzstraße sollte zum Schul-Zentrum ausgebaut werden. Diese Pläne sind seit Dezember vom Tisch. (Archivbild: Florian Pöhlmann)
Die Montessori-Schule an der Grenzstraße sollte zum Schul-Zentrum ausgebaut werden. Diese Pläne sind seit Dezember vom Tisch. (Archivbild: Florian Pöhlmann)
Die Montessori-Schule an der Grenzstraße sollte zum Schul-Zentrum ausgebaut werden. Diese Pläne sind seit Dezember vom Tisch. (Archivbild: Florian Pöhlmann)

Im Dezember wurde das geplante Montessori-Schulzentrum an der Grenzstraße endgültig beerdigt, einen Monat später sorgte das gescheiterte Projekt für eine lebhafte Debatte im Bauausschuss. Das Politikum hat offenbar das Zeug zum Wahlkampf-Thema.

Anlass der Debatte war ein Antrag der Offenen Linken Ansbach (OLA), die Verwaltung möge Alternativ-Standorte für das Montessori-Zentrum vorstellen. Im OLA-Antrag wird erklärt, Ansbach stehe nach dem Scheitern des Standortes als Schulstandort für diese Einrichtung infrage. Und dann heißt es dort wörtlich: „Eine mangelnde Unterstützung von Stadtspitze und Teilen des Stadtrates kann dazu führen, dass der Träger einen Standort im Landkreis bevorzugt.”

Mangelnde Unterstützung? Müssen sich Verwaltung und einige Stadtrats-Fraktionen etwas vorwerfen lassen? Ansbachs Stadtplanerin Andrea Heinlein nahm die Vorwürfe jedenfalls zum Anlass, eine „aktive Akten-Recherche zu betreiben”, wie sie im Bauausschuss erklärte. Akribisch listete Heinlein die einzelnen Projektphasen seit 2021 auf.

„Nie abschließend lösbares Problem”

Dabei habe die Verwaltung schon in einer frühen Phase „wiederholt und nachvollziehbar kommuniziert, dass ohne eine tragfähige Lösung, insbesondere am betroffenen Knotenpunkt, keine positive Abwägung und kein erfolgreicher Abschluss des Bauleitverfahrens möglich ist”, so Heinlein.

Gemeint ist die verkehrliche Anbindung über die Einmündung Waldheimweg/Hohenzollernring, die dem zusätzlich durch das Schulzentrum entstehenden Verkehr laut Gutachten nicht gewachsen wäre. Heinleins Fazit: „Das letztliche Scheitern des Standortes Grenzstraße ist damit nicht überraschend, sondern die Konsequenz eines bereits früh identifizierten und nie abschließend lösbaren Problems, dessen Behebung mit einem erheblichen Kosten- und Planungsaufwand verbunden gewesen wäre.” Sprich: eine Ampelanlage oder ein Kreisverkehr.

Frühzeitig auf Verkehrsprobleme hingewiesen

Was die Alternativstandorte angehe, so Heinlein, seien im Projektverfahren sowohl vom Montessori-Verein als auch von der Verwaltung Standorte vorgeschlagen worden. Es seien auch Gespräche zwischen dem Verein und Grundstücks-Eigentümern geführt worden. Aber: „Derzeit können wir keine dezidierte Auskunft über mögliche Standorte geben.”

CSU-Fraktions-Chef Jochen Sauerhöfer erklärte, es sei „definitiv falsch, dass das Montessori-Zentrum nicht unterstützt worden ist”. Die CSU habe jedoch frühzeitig auf die möglichen Verkehrsprobleme hingewiesen. Auch Dr. Paul Kupser (Freie Wähler/Die Ansbacher) unterstrich, „dass die Stadt viel für den Montessori-Verein gemacht hat”. Oliver Rühl (Grüne) mahnte an, die Vorgaben, die man aktuell dem Montessori-Zentrum gemacht habe, müsse man in der Zukunft auch bei anderen Schul- oder Kita-Projekten anwenden.

„Liegenschafts-Beauftragter” der Stadt

Um die OLA-Vorwürfe zu entkräften, erklärte CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer, er habe mit einem größeren Grundstückbesitzer gesprochen und dessen Kontaktdaten an den Montessori-Verein und die Stadt weitergegeben: „Es laufen Gespräche.”

Martin Berberich von der ÖDP bedauerte sehr, dass der Standort an der Grenzstraße aufgegeben wurde und zeigte sich „dankbar, dass Stadtrat Sauerhammer schon seine Fühler ausgestreckt hat”. Und Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel (Freie Wähler/Die Ansbacher) fand, dass Sauerhammer ein „sehr guter Mitarbeiter der Bauverwaltung” sei. OB Thomas Deffner – der den OLA-Antrag als „klassischen Wahlkampf-Antrag” bezeichnete –, witzelte, man solle den CSU-Kollegen gar zum „Liegenschafts-Beauftragten” der Stadt ernennen.

Ende der Debatte im Bauausschuss, möglicherweise aber nicht im Wahlkampf.


Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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