Knifflige Kinderfragen beantworten – das ist quasi die Königsdisziplin für ein Christkind. Tipps bekommen Himmelsbotinnen aus der Region bei einem Christkinder-Symposium. Die Lichtenauerin Ronja Schnell – heuer in ihrer zweiten und zugleich letzten Amtszeit – erzählt, wie sie sich auf ihre überirdischen Aufgaben vorbereitet hat.
Zunächst wäre da der Prolog. Christkind Ronja hat vorsichtshalber einen Ausdruck in ihrem Goldenen Buch versteckt, wie sie verrät: „Für Lichtenau bin ich als Botin dieser Kunde das Abbild für das königliche Gotteskind, und wünsche seinen Frieden dieser Runde und allen Menschen, die ich find.“ Gedichtet hat die Zeilen vergangenes Jahr der Lichtenauer Pfarrer Claus Ebeling. Sie sind angelehnt an den berühmten Prolog des Nürnberger Christkinds – nur „halt etwas christlicher“, stellt er fest.
Im zivilen Leben ist Ronja Schnell 15 Jahre alt und besucht die zehnte Klasse am Ansbacher Theresien-Gymnasium. Weil Kenntnisse in Mathe und Bio im Christkind-Alltag aber wenig nutzen, besuchte sie das Christkinder-Symposium der Metropolregion Nürnberg. In der „kultur.werk.stadt“ in Neustadt bei Coburg trafen sich 20 Himmelsbotinnen, unter anderem auch aus Herrieden, Heilsbronn, Langenzenn, Bamberg oder Forchheim.
Beim Unterricht für Christkinder hat Ronja Schnell auch den Austausch mit anderen Amtsinhaberinnen genossen. Vier Workshops drehten sich um die Themen „Selbstsicherheit und Ausstrahlung“, „Stimme und Körpersprache“, „Moderations- und Kameratraining“ sowie „Sicherer Umgang mit sozialen Medien“.
„Wir haben Übungen dazu gemacht, wie man sich präsentiert“, erzählt die Jugendliche. „Man sollte zwar lächeln und gute Laune verbreiten, aber nicht übertrieben euphorisch sein.“ Auch in ihren rhetorischen Fähigkeiten wurden die Teilnehmerinnen geschult – schließlich ist der Christkind-Job mit Auftritten vor Publikum verbunden.
Außerdem erfuhren die jungen Frauen, wie sie sich gegen Hass und Mobbing im Internet wehren. Solche negativen Erfahrungen hat das Lichtenauer Christkind zum Glück noch nicht gemacht, die Tipps fand Ronja Schnell aber trotzdem hilfreich: „Man darf sich freuen, wenn jemand etwas Nettes schreibt, aber man sollte auch nicht allzu traurig sein, wenn jemand etwas nicht so Nettes schreibt“, weiß sie. „Man kennt ja selbst seinen Wert und sollte nicht so viel auf die Meinung anderer geben.“
Auch wie man Blackouts vermeidet, also dass man vor Aufregung nicht mehr klar denken kann, erfuhren die Christkinder. „Dem kann man vorbeugen, indem man sich gut auf ein Thema vorbereitet und selbstbewusst auftritt“, erklärt Ronja Schnell. „Man kann auch versuchen, die Menge auszublenden und einfach für sich zu sein.“
In ihrer zweiten Amtszeit wusste die Schülerin bereits, was auf sie zukommt. „Ich hatte nicht mehr diese Anspannung, weil ich schon routinierter war“, freut sie sich. Etwa zehn Termine standen auf dem himmlischen Dienstplan. Unter anderem sprach sie ihren Prolog bei der Eröffnung des zweitägigen Weihnachtsmarkts, verteilte Päckchen mit Süßigkeiten an Kinder und spielte Glücksfee – oder besser Glückschristkind – bei einer Verlosung. Ein Höhepunkt war die Fahrt in einer Pferdekutsche über den Weihnachtsmarkt. Ihr Chauffeur war der Nikolaus alias Sören Menke.
Außerdem besuchte das Christkind im Advent mehrere Einrichtungen in Lichtenau. „Ich fand die Termine in den Kindergärten immer so schön, weil die Kinder sich so gefreut haben“, schwärmt Ronja Schnell. „Die wussten ja auch nicht, dass ich nicht wirklich das Christkind bin und haben mir ganz viele Fragen gestellt.“
So konnte sie ihr frisch erworbenes Wissen gleich praktisch anwenden. Denn im Symposium hatte sie nicht nur Tipps für originelle Antworten bekommen, sondern gelernt, „dass man sich auch kurz Zeit nehmen kann. Man muss nicht immer sofort antworten“.
Und was haben die Kinder gefragt? „Zum Beispiel, ob ich ihnen zeigen kann, wie ich fliege“, erinnert sie sich schmunzelnd. „Ich habe gesagt, dass ich nur vor meinen Engeln fliegen kann und dass ich mich jetzt ausruhen muss, weil ich einen weiten Heimweg habe.“ Die Buben und Mädchen wunderten sich auch, wie sie es schafft, in einer Nacht all die Geschenke zu verteilen. „Da hab ich erklärt, dass mir kleine Engel helfen. Und ich bin ja auch sehr schnell, wenn ich fliege.“
Dass sie eigentlich in Lichtenau zu Hause ist, hat Ronja Schnell ihren jüngsten Fans natürlich nicht verraten, sondern gesagt, sie wohne im Himmel. Im vergangenen Jahr hatte diese Antwort für ein Mädchen eine besondere Bedeutung: „Sie hat mich gefragt, ob ich ihren Opa grüßen könnte, weil der gestorben und jetzt auch im Himmel ist.“ Das Erlebnis ist dem Christkind im Gedächtnis geblieben. „Ich habe gesagt, dass ich ihn natürlich grüßen werde und dass er wahrscheinlich auf sie herabblickt und auf sie acht gibt.“