43.000 Quadratmeter Fläche. Man könnte Andreas Schmid als außergewöhnlichen Immobilienmakler bezeichnen. Zwölfeinhalb Jahre war er Geschäftsführer des Brücken-Centers. Nun geht er in den Ruhestand und hinterlässt ein mit 90 Mieterinnen und Mietern voll belegtes Haus in schwierigen Zeiten.
Seinem Nachfolger Lars Horn, den er in den vergangenen Monaten eingearbeitet hat, übergibt Schmid ein bestelltes Feld. „Ich spreche gerne von der Vollstvermietung, auch wenn es das Wort so natürlich nicht gibt”, sagt der 63-Jährige mit seinem oberbayerischen Spracheinschlag. Mit dem selbst geschaffenen Superlativ will er ausdrücken, dass selbst die kleinsten Nebenflächen vergeben sind.
Nach dem Einzug der Hochschule ins einstige Obergeschoss von Real im April dieses Jahres und der Neubelegung mit Nanu-Nana und Jeans-Fritz im Außenbereich sowie der neuen Änderungsschneiderei im Inneren kann sich Schmid zufrieden zurücklehnen. Frei sind aktuell nur die Fläche der ehemaligen Metzgerei im Food-Court und das Obergeschoss des früheren Saturn-Marktes. In beiden Fällen sei man mit den Verhandlungen „sehr weit.” Schmid strahlt: „Es läuft hier.”
So hatte sich der gebürtige Rosenheimer das vorgestellt, als er am 1. Juli 2013 seinen Dienst in Ansbach antrat. Doch erstmal kam alles ganz anders: „In meiner zweiten Arbeitswoche hat die Praktiker-Kette Insolvenz angemeldet.” In kürzester Zeit galt es, 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche neu zu bespielen. „Das war ein Kraftakt”, blickt Schmid zurück.
Erschwert wurde das auch deshalb, weil beim Bau der Shopping-Mall vor 30 Jahren die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter beachtet worden waren. Die Praktiker-Fläche war für einen großen Baumarkt ausgelegt. Daraus kleinere Einheiten für mehrere Mieter zu machen, war aufwendig. Schmid: „Da musst du alles auf Links drehen.”
Ein paar Jahre später sollte sich das mit dem Real-Aus (10.000 Quadratmeter) wiederholen. Allein das Loch für die Rolltreppe in der Decke zum Obergeschoss zu füllen, war für die Baufachleute eine Herausforderung. Während der Umbau lief, damit TK maxx und Rewe ins Erdgeschoss einziehen konnten, verhandelte Schmid noch mit dem Freistaat über den Einzug der Hochschule ins Obergeschoss. Eine Zusage gab es noch nicht. „Wir haben da ein bisschen gepokert und das entsprechend vorbereitet.”
Es hat funktioniert. Mit 5000 Quadratmetern zählt die Hochschule nun zu den größten Mietern in dem Komplex zwischen Residenz-, Brauhaus- und Karpfenstraße. Und mit der Brücke, die den bisherigen Hochschul-Bau mit dem Einkaufszentrum verbindet, ist aus Sicht Schmids ein Highlight geschaffen worden. „Die ist wie eine Gangway am Flughafen.” Er ist überzeugt davon, dass das Bauwerk Eindruck macht, wenn die Erstsemester Eltern oder Großeltern ihre Hochschule zeigen.
In Shopping-Zentren geht es längst um mehr als um Einkaufsflächen. Der Einzelhandel hat schon länger zu kämpfen und ist durch die Einschränkungen in der Corona-Pandemie endgültig gebeutelt worden. „Ich habe großen Respekt vor allen Mietpartnern”, sagt Schmid im Rückblick. „Wir haben trotz der Krisen kaum einen verloren.”
Die Fachleute sprechen von „Mixed Use”, wenn andere Nutzungen wie Bildung Einzug in die Mall halten. Schmid und sein Team haben hier Erfahrung. Denn zu den verwalteten Immobilien zählen auch die Gebäude mit der Bergwelt Valtin und dem Bettenhaus Reidelshöfer. Die oberen Stockwerke sind dort ganz unterschiedlich genutzt, mit einem Fitnessstudio, medizinischen Angeboten und Büros. Und auch die beiden Häuser mit der Montessorischule und dem Mütterzentrum an der Brauhausstraße sind Teil des Portfolios.
Für Andreas Schmid gibt es mehrere Gründe, warum das Brücken-Center besser dasteht als manch anderes Einkaufszentrum: ein Branchenmix mit einem stimmigen Gesamtkonzept, das Raum für Entwicklungen lässt, die Bereitschaft der DV Immobilien Management GmbH als Eigentümerin zu Investitionen, günstige Parkplätze, eine gut funktionierende Gastronomie innen und außen sowie ein Team, das sich als Dienstleister im Sinne der Mieter versteht.
In Spitzenzeiten kamen täglich bis zu 60.000 Menschen ins Brücken-Center. Auch heute, wo sich das Shopping deutlich mehr ins Internet verlagert hat, spricht Schmid von einer „Kundenfrequenz auf einem stabil hohen Niveau”.
Das hat auch damit zu tun, dass regelmäßig seit der Eröffnung im September 1997 investiert worden ist. Für das kommende Jahr steht die Modernisierung der WC-Anlagen auf dem Plan. Am 4. Juli 2026 steht nach längerer Pause einmal wieder eine große Party im Kalender des Brücken-Centers. Ein Testlauf. Denn 2027 muss das 30-jährige Bestehen des Einkaufsmagneten groß gefeiert werden.
Dass seine berufliche Laufbahn in Mittelfranken endet, lässt Andreas Schmid schmunzeln. Denn hier hat sie auch begonnen, als Panzerschütze bei der Bundeswehr in Heidenheim am Hahnenkamm. Er schlug eine Offizierslaufbahn ein und war später unter anderem als kaufmännischer Leiter in Europas größtem Pferdesportzentrum tätig. Mit 50 suchte er nach einer Veränderung und fand sie in Ansbach. Für die Stadt und ihn selbst ein Glücksgriff.
Im Ruhestand will Andreas Schmid nun zusammen mit seiner Frau vor allem Zeit für die beiden Söhne und für die gemeinsamen Hobbys finden: Die reichen vom Bergwandern übers Skifahren und Mountainbiken bis hin zum Gleitschirmfliegen.