Waldeck fühlt sich von der wachsenden Industrie bedroht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.05.2023 10:00

Waldeck fühlt sich von der wachsenden Industrie bedroht

Die freien Flächen rund um den Dinkelsbühler Ortsteil Waldeck werden seit zwei Jahrzehnten immer weniger. Deshalb regt sich Widerstand gegen eine weitere Ansiedlung neuer Betriebe. (Foto: Martina Haas)
Die freien Flächen rund um den Dinkelsbühler Ortsteil Waldeck werden seit zwei Jahrzehnten immer weniger. Deshalb regt sich Widerstand gegen eine weitere Ansiedlung neuer Betriebe. (Foto: Martina Haas)
Die freien Flächen rund um den Dinkelsbühler Ortsteil Waldeck werden seit zwei Jahrzehnten immer weniger. Deshalb regt sich Widerstand gegen eine weitere Ansiedlung neuer Betriebe. (Foto: Martina Haas)

Ein Dorf ist im Wandel: Seit rund 20 Jahren hat sich der Dinkelsbühler Ortsteil in einen Industriestandort verwandelt. Die Bürgerschaft hat das bislang akzeptiert. Jetzt aber meinen viele: „Die Belastung reicht!“ In einem Brief an das Rathaus und den Stadtrat haben Menschen, die in dem Ort wohnen, ihre Bedenken formuliert.

Biogas aus Schlachtabfällen

Den Ausschlag gab ein Vorhaben, das allerdings nicht weiter verfolgt wird: Ein Firmenverbund der deutschen Fleischwirtschaft wollte in Waldeck aus Schlachtabfällen Biogas erzeugen. Der Standort wäre nahe an der Wohnbebauung gewesen. „Hier wurde eine rote Linie überschritten“, stellt eine Gruppe Waldecker im FLZ-Gespräch fest.

Aber auch ein weiteres Projekt stößt auf wenig Gegenliebe: Organic Garden. Die 2019 gegründete Organic Garden AG will für das Konzept „menschen- und planetengesunde Ernährung“ stehen und produziert nach eigenen Angaben in ihren Anlagen Lebensmittel regional und CO₂-neutral.

In Waldeck soll es eine Fischzucht geben. Spruchreif ist zwar nichts, das Unternehmen muss laut Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer ein Gutachten vorlegen, weil das Projekt mit der Wasserver- und Abwasserentsorgung steht und fällt. Auch eine geeignete Fläche schien es zunächst nicht zu geben.

„Flächenfraß“ und noch mehr Verkehr

Die Waldecker sorgen sich trotzdem. Zwischenzeitlich sei ein Grundstück verkauft worden, sagen sie. Deshalb hätten sie sich entschlossen, ihre Ablehnung schriftlich zu dokumentieren. Neben dem „enormen Wasserverbrauch“ und der ungeklärten Abwassersituation kritisieren sie den „Flächenfraß“, der mit einer solchen Betriebsstätte einhergehen würde.

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Außerdem fürchten sie noch mehr Verkehr in ihrem Dorf. Sollte das Projekt verwirklicht werden, würden die vorhandenen Belästigungen – die Waldecker sprechen von Geruch, erheblichem Verkehr vom im Industriegebiet ansässigen Paketdienst und der Nachtbeleuchtung der nahen Gewächshäuser – noch verstärkt.

Ob es tatsächlich soweit kommt, ist bis zum Ergebnis des Organic-Garden-Gutachtens offen. OB Hammer betont auf FLZ-Nachfrage außerdem: Auch die Ansiedlung des Biogas erzeugenden Betriebs sei von Anfang an ergebnisoffen diskutiert worden. Zwar sei die Grundidee gut, ist der Rathauschef nach wie vor überzeugt, das Gas hätte beispielsweise auch ins Dinkelsbühler Netz eingespeist werden können. Aber wegen der örtlichen Gegebenheiten sei es in Dinkelsbühl nicht umsetzbar. Das sei auch den Waldeckern in einem Gespräch erläutert worden.

„Kaum mehr Raum zum Atmen”

„Der Industrie- und Gewerbegürtel, der sich immer weiter um Waldeck schließen würde, lässt der Bevölkerung keinen Raum mehr zum Atmen“, fürchtet hingegen die Gruppe in ihrem Schreiben. Und ist der Meinung: „Die Lebensqualität auf dem Land gilt es dem wirtschaftlichen Interesse einer Kommune vorzuziehen.“ Den nachfolgenden Generationen wollen sie die noch vorhandene, „aber schon eingeschränkte“ Wohn- und Lebensqualität in Waldeck erhalten.

Kräfte in einem Verein bündeln

Die Unterzeichner hoffen zwar, dass der Stadtrat sich gegen eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebiets aussprechen wird. Wenn ihre Bitte aber auf taube Ohren stoßen sollte, sind sie entschlossen, alle rechtlichen Mittel gegen die Erweiterung auszuschöpfen. Sie wollen ihre Kräfte dann in Form eines Vereins bündeln.

Den OB sehen die Waldecker jetzt im Wort stehen. Schriftlich habe er versichert, dass das Schlachtabfälle-Projekt nicht weiter verfolgt werden soll. Gleiches wünschen sie sich für das Organic-Garden-Projekt.


Von Martina Haas
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