Veröffentlicht am 16.06.2022 00:00

Über 4000 Tonträger: Bernd Siebenhaars Leidenschaft ist die Musik

Mehrere tausend Platten nennt Bernd Siebenhaar sein Eigen. (Foto: Anna Franck)
Mehrere tausend Platten nennt Bernd Siebenhaar sein Eigen. (Foto: Anna Franck)
Mehrere tausend Platten nennt Bernd Siebenhaar sein Eigen. (Foto: Anna Franck)
Mehrere tausend Platten nennt Bernd Siebenhaar sein Eigen. (Foto: Anna Franck)

„Dass heutzutage keine gute Musik mehr rauskommt, das stimmt nicht“, ist Bernd Siebenhaar überzeugt. Es gibt sehr viel Interessantes, findet er, „man muss nur die Augen und Ohren aufmachen“. Er selbst hat das sein ganzes Leben lang getan. Konzerte und Musik sind seine Leidenschaft.

„Grausame Sachen“ hätten seine Eltern gehört, sagt der 56-Jährige mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Doch da gab es dieses befreundete Ehepaar. Er arbeitete als Tontechniker, hatte zuhause eine ordentliche Anlage stehen. Beeindruckend fand Bernd Siebenhaar das damals als Jugendlicher. Und: Er hat Rockmusik gehört, meist Interpreten, die nicht im Radio liefen – abseits vom Mainstream. Angesagt waren zu dieser Zeit Bands wie Kiss oder AC/DC. „Er war eine Quelle der Inspiration.“

Platten im Gepäck

Mit der Tochter der elterlichen Freunde zog sich Bernd Siebenhaar dann manchmal in ihr Zimmer zurück, einen Stapel Platten im Gepäck. „Bewundernswert, ich würde meine Platten niemals aus der Hand geben“, sagt er und lacht.

Auch durch die Zeitschrift Musikexpress ist er auf speziellere Künstler gestoßen. „Zwei, drei Bands hab ich dann angefangen zu mögen“, meist der Gitarristen oder Sänger wegen. Whitesnake zählten dazu, die in ihrer Anfangszeit Blues-Rock zelebrierten. Richtigen Gefallen fand der gebürtige Nürnberger nur bis 1984 an ihnen, „danach wurden sie MTV-tauglich“. So ging es ihm mit vielen Künstlern, Siebenhaar mochte meist ihre Anfänge. Mit der „New Wave of British Heavy Metal“ stieg er 1980 richtig in die Musik ein.

Ehrenamtlicher DJ

Auch seine langjährige ehrenamtliche Arbeit als DJ in der Rock-Disco Groovy und bei Radio Z in Nürnberg trugen dazu bei. Hauptberuflich arbeitete er stets bei der Drogeriemarkt-Kette Müller, erst in Nürnberg, dann Erlangen, heute in Bad Windsheim – hier in der Multimedia-Abteilung mit allerlei Musik und einem durchaus breiten Publikum.

Für das Groovy wurde damals jemand gesucht, der immer montags auflegt. Also fragte man den 20-jährigen Siebenhaar. Später übernahm er mehrere Abende. Durch einen Freund kam er zum Radio, dort suchte man wiederum jemanden, der Platten vorstellt.

Moderation jeden Mittwochabend

Mit Musikredakteurin Hanno Kress moderierte er von 1988 bis 1996 jeden Mittwochabend die Sendung Zosh, interviewte zahlreiche Gäste – die erste Heavy-Metal-Sendung deutschlandweit, meint der heute 56-Jährige. Später kam eine zweite Sendung hinzu: Rock Unlimited am Freitagabend. 1998 zog es ihn mit Frau und Nachwuchs nach Bad Windsheim, ab diesem Zeitpunkt machte er Schluss mit dem Radio. Zosh gibt es allerdings heute noch.

DJ, Radio, CD-Verkauf – da hat sich einiges angesammelt an Konzerterfahrungen, aber auch an Platten. Jede Nische in seinem Haus wird zum Deponieren genutzt. Ein eigenes Zimmer hat er für Langspielplatten, CDs und teils limitierte Fan-Artikel eingerichtet. Die meisten Tonträger lagern säuberlich sortiert; in einem ehemaligen Ölraum warten aber noch einige darauf, ihren festen Platz in Siebenhaars Reich zu finden.

Temple of the Dog ist eine seiner Inselplatten

Wie viele es wohl insgesamt sind? „Im mittleren vierstelligen Bereich, so zwischen 4000 und 5000“, schätzt der Musik-Freak. Zu seinen Inselplatten – also zu denen, die er mit auf eine einsame Insel nehmen würde – zählt er: Naked Child von Lee Clayton, Temple of the Dog von der gleichnamigen Band und Bitches Brew von Miles Davis.

Welche seine erste Langspielplatte war? Bernd Siebenhaar ist sich unsicher, tippt aber auf „First Glance“ von den Kanadiern April Wine. Nichts kommen lässt er über die Gruppe Blue Öyster Cult, eine US-amerikanische Hardrock-Band, die er bereits 30 Mal in vier verschiedenen Ländern live gehört hat. Vor drei Jahren reiste er mit seiner Frau eigens nach Schottland und England für Konzerte, außerdem sah er sie in Schweden und Deutschland. Der 56-Jährige schätzt die Künstler auch für ihre „abgespacten Texte“.

Mit Musik-Streaming kann Siebenhaar erwartungsgemäß wenig anfangen. Da setze man sich gar nicht richtig mit der Musik auseinander, viele zappen nach einer halben Minute direkt weiter, findet er. „Da kriegst du doch nichts mit.“ In normalen Jahren besucht er im Schnitt ein Konzert wöchentlich, während der Corona-Zeit reduzierte sich das freilich drastisch: 2018 und 2019 waren es beispielsweise je 50, 2020 nur vier, 2021 zwei und dieses Jahr bislang drei. Vier dicke Ordner sind voll mit Tickets und Setlisten der Konzerte, die er sich teils im Nachgang beschafft. Wie viele es sind, wagt er nicht zu schätzen.

Alle Innereien vibrieren

David Bowie hat er ebenso erlebt wie Cindy Blackman, Deep Purple, BAP oder Pearl Jam. „14 Euro hat 2006 das Ticket für Joe Bonamassa gekostet.“ Und heute? Teils über 100 Euro, zeigt ein Blick ins Internet. „Das lauteste Konzert war von Jeff Beck in der Meistersingerhalle in Nürnberg im April 1990“, sagt Siebenhaar während er in einem Ordner blättert, „da haben alle Innereien vibriert“.

„Im Metal hab ich in den 80er- und 90er-Jahren eigentlich alles gesehen, was ich sehen wollte“, blickt er zurück. „Und doch gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken.“ In den Sozialen Medien tauscht er sich regelmäßig mit zehn anderen Musikbegeisterten aus, gegenseitig schicken sie sich Musik zum Reinhören. Selbst gespielt oder auf der Bühne gestanden hat Siebenhaar nie, obwohl er sich daran versuchte. Musik sei für ihn eher so ein „Gefühlsding“. Seine Leidenschaft eben.


Anna Franck
Anna Franck

Redakteurin in Bad Windsheim

north