Ein Ereignis für Chor und Zuhörer fand in der evangelischen Kirche St. Kilian Emskirchen zum zweiten Advent statt: Der Neustädter Mammutchor „Choralle“ präsentierte letztmals das in dieser Gestalt dargebotene Weihnachtskonzert, ein penibel erarbeitetes Potpourri aus Weihnachtsliedern und gelesenen Texten mit musikalischer Begleitung.
Ein neues Programm sei aber schon in Arbeit. Das ist ihr Konzept: Sie erarbeiten sich zusammen mit einer großenteils aus professionellen Musikern zusammengestellten Band ein zweistündiges Konzert, mit dem sie durchs Land touren. Der Aufwand an Musik und Technik lohnt sich daher und gibt zudem den Mitwirkenden die Chance, Konzerte mit müheloser Routine anzugehen, ohne Notenblätter zu singen und die Konzentration voll und ganz auf die Präsentation zu legen. Die Augen ruhen auf den beiden Chorleitern – Sabine Brendel-Köhler und Simon Schoierer. Freude und Begeisterung schwingen in jedem Ton mit, es ist Bewegung im Chor, nicht einstudiert, sondern als natürliche Begleitung der Rhythmen.
Sich zwei Stunden aus der Hektik herauszunehmen, die Gäste mit auf den Weg zur Weihnacht zu nehmen, die Botschaft der Weihnacht zu erkennen, die Nähe Jesu zu spüren. Mit samtiger Sprechstimme reflektiert Sabine Brendel-Köhler Texte traditioneller deutscher Weihnachtslieder. „Maria durch ein Dornwald ging“ – die Dornen sind zuerst ihr Schmerz, die Ablehnung, die sie erfährt, und Jahre später werden sie zur Marter Christi.
Doch dann tragen sie Rosen und verwandeln Hass in Liebe. Die Lieder folgen, teils a cappella, teils begleitet. Weitere Singstimmen sind Pei Shan Rufs Oboe und Constanze Schneiders Violine, die Technik verwandelt den Klang der Instrumente, auch Piano und Gitarren umschwebt ein mystischer Klang, der aus einer anderen Welt sein möchte.
Die Chorleiterin greift aufs Alte Testament zurück, erinnert an die Propheten, auf die wir Menschen dann doch nicht gehört haben, sodass Gott seinen Sohn als Kind in die Welt schicken musste, um gehört zu werden. Und er ist nicht wie der erhabene Herrscher Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle, der Adams Hand nicht berührt. Er macht sich den Menschen gleich und versteht ihre Regungen.
„Choralle” gibt unserem alten Liedgut ein neues Gesicht. Es sind die wohlbekannten Lieder und auch wieder nicht. Sie bekommen zeitgemäßen Rhythmus, doch nicht so viel, dass sie verfremdet werden würden. Auch das Drumset mit Thomas Jugl am Schlag hinter der gläsernen Wand bleibt diskret im Hintergrund.
Der Gesamtchor wechselt sich ab mit Solisten aus seinen Reihen. Das können einzelne Frauenstimmen oder ein ganzes Quintett sein, das fast mit „Viva Voce” konkurrieren könnte. Es ist aus einem Guss, das Programm, naht- und bruchlos gehen die einzelnen Teile ineinander über. Man braucht keine Meistersingerhalle für die große Show. Man bleibt im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Stehende Ovationen in der ausverkauften Kirche sind die Belohnung. So auch beim zweiten Termin in Bad Windsheim.