Die Wogen schlugen schnell hoch, nachdem am vergangenen Freitag zwei Kampfjets der Bundeswehr über die Stadt geflogen waren. Ohne Vorwarnung und deutlich zu tief, wie viele Menschen meinten.
Nachdem die beiden Eurofighter am Freitagmittag zunächst über dem freien Feld nahe Rauenzell aufgetaucht waren, drehten sie wenig später zwei Runden über Herrieden. Dabei flogen die Jets so tief, „dass man den Eindruck hatte, man kann die Piloten in ihrem Cockpit sehen”, schilderte Bürgermeisterin Dorina Jechnerer ihre Sicht der Dinge.
Etliche Anrufe im Rathaus bestätigten diese Version: Viele Menschen teilten ihre Besorgnis über den als extremen Tiefflug wahrgenommenen Vorgang mit. Eine Frau erlitt nach Auskunft der Verwaltung einen Heulkrampf, in Kindergärten war der Nachwuchs sehr unruhig, und Pferde sollen aufgrund des Lärms durchgegangen sein. „Das ist Gesprächsstoff in der Stadt. Die Menschen möchten wissen, was dahintersteckt”, ist auch die Bürgermeisterin um Aufklärung bemüht.
Klar ist derzeit aber nur, dass es sich bei den Maschinen um Eurofighter vom Fliegerhorst in Neuburg an der Donau handelte. Das bestätigte der zuständige Oberst Jürgen Schönhöfer der Bürgermeisterin noch am vergangenen Freitag auf Anfrage. Zu Details äußerte sich der Commodore zunächst aber nicht und bat stattdessen um etwas Geduld. Doch auch am Montag, Dienstag und Mittwoch war der Fall offensichtlich noch nicht aufgeklärt, erneut bat die Bundeswehr im Herrieder Rathaus um Aufschub.
Die Meinungen zu dem Vorfall gehen im Netz derweil weit auseinander. Als Reaktion auf den FLZ-Artikel äußerte die überwiegende Zahl der Menschen ihr Unverständnis. Demgegenüber wurde aber auch die Notwendigkeit von Übungen für den Ernstfall betont. Die rechtliche Lage ist dabei eindeutig.
Tiefflüge unter 300 Metern sind in Deutschland nicht zulässig und könnten bei einem Verstoß angezeigt werden. Die „möglichst geringe Beeinträchtigung von Umwelt und Bevölkerung” ist dabei eines von drei Kernprinzipien der Bundeswehr. Zudem heißt es auf der Internetseite der deutschen Streitkräfte: „Übungsvorhaben, die über den täglichen Routineflugbetrieb hinausgehen, .... werden grundsätzlich vorab angekündigt.” Das war in Herrieden nicht geschehen, wie die Verwaltung bestätigte.
Warum die Antwort der Bundeswehr zu dem Vorfall in Herrieden noch immer auf sich warten lässt, ist unklar. Denn in der Zentralen Datenbank für den militärischen Flugbetrieb werden laut Homepage der Bundeswehr „permanent, 365 Tage im Jahr und 24 Stunden täglich alle Flugbewegungen über Deutschland erfasst und gespeichert. Bei militärischen Luftfahrzeugen werden alle militärischen Flugbewegungen von niedrigen bis in große Höhen erfasst.”
Entsprechend sollte nachvollziehbar sein, warum die beiden Piloten am Freitag so tief über der Stadt flogen. „Die Radardaten werden für drei Jahre gespeichert und stehen somit auch zur Beantwortung von späteren Anfragen zur Verfügung. Diese Daten sind aufgrund ihrer Aufbereitung nicht veränderbar und behalten somit ihre Beweiskraft.” Darauf vertrauen nicht wenige Menschen in und rund um Herrieden.