New-Adult-Romane boomen. Der Buchhandel ist voll mit den Liebesromanen, die sich vor allem an junge Frauen richten. Und wer sich in der Buchhandlung schon mal in der New-Adult-Ecke umgesehen hat, kam an einem Namen nicht vorbei: Lilly Lucas. Hinter dem Pseudonym steckt die gebürtige Ansbacherin Julia Hanel.
Schon zwölf Mal stand Lilly Lucas mit ihren Büchern auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ihr aktuelles Buch „This could be Home“ landete sogar auf Platz 1. Ein wahnsinniger Erfolg. Das erste Buch in diesem Genre veröffentlichte sie 2019. Aktuell schreibt sie ihr 18. Buch.
Julia Hanel wohnt gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem fünfjährigen Sohn in Würzburg. Aufgewachsen ist sie in Leutershausen. Schon als Kind steckte sie ihre Nase ständig in Bücher. Ihre Liebe zum Lesen hatte sogar Auswirkungen aufs Packen für den Familienurlaub: „Ich habe Klamotten aus dem Koffer, um Bücher reinzubringen.“
Eine weitere Leidenschaft war schon immer das Schreiben – vom Tagebuch bis zu Geschichten. Später studierte Julia Hanel Germanistik in Bamberg. Sie arbeitete dann als Redakteurin und später in der Pressearbeit. Sie schrieb vier Romane für Frauen und schwenkte dann zu New-Adult-Romanen um. Sie überlegte sich einen Namen, mit dem sie „neu anfangen“ konnte. „Lilly finde ich als Vorname schön. Lucas heißt mein Bruder“, dröselt sie auf.
„Ich war eine der ersten New-Adult-Autorinnen hier in Deutschland“, sagt die 38-Jährige. Die Romane richten sich an Menschen im Alter von 18 bis Mitte 20. „Es ist für eine Altersgruppe, die vorher nicht bemerkt wurde“, findet Julia Hanel. Diese Lücke hat sie selbst als junge Frau zu spüren bekommen. Nach Kinder- und Jugendromanen bediente sie sich am Bücherregal ihrer Mutter. Doch die Themen Hochzeit und Familie gründen, waren noch ein wenig zu weit weg, erinnert sie sich. Der Wechsel war erfolgreich. Seit rund zweieinhalb Jahren arbeitet Julia Hanel hauptberuflich als Autorin.
Doch die Bücher mit den pastellfarbenen Covern, Glitzer-Prägungen und Blümchen sorgen für viel Kritik. Sie werden als triviale Literatur und Massenprodukte abgestempelt. „Der Markt ist völlig überschwemmt“, sagt auch Julia Hanel. Sie hat die Entwicklung in den vergangenen Jahren miterlebt. Doch sie kann es auch verstehen: Die Nachfrage ist eben da.
„Viele geben sich keine Mühe, hinter die Fassade zu gucken. Die Bücher sind unglaublich fortschrittlich“, findet die Autorin. Sie beschäftigen sich neben Liebe auch mit Familie, mentaler Gesundheit und Selbstfindung. Für Julia Hanel ist das Wichtigste: „Durch unsere Bücher lesen wieder so viele junge Leute.“
Wenn die 38-Jährige von „uns“ spricht, meint sie andere New-Adult-Autorinnen. Über die sozialen Netzwerke sind sie miteinander im Austausch und unterstützen sich. Instagram und Tiktok spielen eine große Rolle für Julia Hanel. Über 62.000 Menschen verfolgen auf Instagram regelmäßig ihre Posts. Mehrere Stunden am Tag kümmert sie sich um ihre Kanäle. 50 bis 100 Nachrichten und Anfragen erreichen sie dort täglich, erzählt sie. Darunter auch sehr persönliche und vor allem lange Texte. Diesen direkten Austausch mit ihren Fans mag Julia Hanel.
Leserinnen und Leser haben bei ihr schnell den Eindruck, die Personen zu kennen, sie einschätzen zu können. Wie schafft Julia Hanel das? „Die Figuren entstehen in meinem Kopf.“ Der ein oder andere Name blitzte da unerhofft in ihren Gedanken auf: „Das passiert schon öfter, dass ich nachts aufwache und was eintippe.“ Die Nähe zu den Hauptpersonen entsteht bei der Autorin selbst: „Es fühlt sich so an, als wäre es die eigene Familie“, beschreibt sie.
Rund ein halbes Jahr Schreibzeit hat sie für ein neues Buch. Doch davor stehen Recherche und Konzeption auf dem Plan. „Liebesromane werden oft unterschätzt“, findet Julia Hanel. Für ihre aktuelle Reihe, die auf Hawaii spielt, besuchte sie vor Ort Museen, sprach mit Einheimischen und interviewte Rettungsschwimmer. Sie möchte auch die kulturellen und politischen Themen der Orte aufgreifen.
Die Bücher sollen aber hauptsächlich unterhalten. Die Autorin selbst versteht nicht, wieso sich die Genres gegenseitig schlechtreden müssen. Julia Hanel liest querbeet. „An manchen Tagen möchte ich mich gut unterhalten fühlen, an anderen Tagen möchte ich nachdenken.“