Stundenlang zocken, Videos auf Tiktok schauen oder durch Instagram scrollen: Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben einen riskanten oder gar krankhaften Medienkonsum. Bei den Eltern löst das große Sorgen aus - und häufig auch Überforderung. Sie wollen strikt durchgreifen und reagieren hart.
Das ist aber der falsche Ansatz, so Florian Buschmann, Experte für Medienkompetenz und Berater zum Thema Mediensucht. Viele Eltern seien verzweifelt und wollten ihr Kind wachrütteln, griffen dann aber zu Formulierungen, die ihr Kind beschämen oder entwerten. Manche drohen mit Handyentzug oder geben dem Nachwuchs die Schuld für den gesamten Familienstress.
Problematisch sind dem Fachmann zufolge etwa Formulierungen wie:
Buschmann zufolge erzeugen solche Aussagen „enormen Druck, Scham und das Gefühl, falsch zu sein“. Sie können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl des betroffenen Kinds zu schwächen.
Mit problematischen Folgen: „Genau das treibt viele Kinder noch tiefer in die digitalen Welten hinein“, so der Berater. Und im Zweifel lernen Kinder so hauptsächlich, dass es besser ist, die eigene Nutzung zu verheimlichen.
Der Mediensuchtberater macht Vorschläge, wie Eltern besser reagieren können. Mütter und Väter sollten vor allem das Gefühl vermitteln, dass sie ihr Kind verstehen wollen. Daneben bräuchten Kinder Orientierung mit klaren Grenzen, Verlässlichkeit und Eltern, die ihre eigene Mediennutzung reflektieren.
Hilfreiche Sätze können etwa so aussehen:
Wichtig ist, dass Eltern Warnsignale ernst nehmen: Wenn Schule, Hobbys, Freundschaften oder Schlaf dauerhaft unter der Mediennutzung leiden, ist es Buschmann zufolge sinnvoll, das Gespräch zu suchen und gegebenenfalls fachliche Hilfe in Anspruch nehmen.
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