Bus- und Bahnfahrten im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) werden 2027 im Schnitt um fast sechs Prozent teurer. Das teilt der Verbund am Freitag in einer Pressemitteilung mit. Aber was bedeutet das konkret für die Ticketpreise in Westmittelfranken?
Dazu gibt der VGN in seinem Schreiben bereits Anhaltspunkte. Die Preissteigerung von 5,86 Prozent ergibt sich als Mittelwert aus unterschiedlich starken Anpassungen je Ticket. Entsprechend formuliert der VGN einige Preisbeispiele.
So werden Einzelfahrten in der Tarifstufe D um 10 Cent teurer. In dieser Stufe ist der Stadtverkehr Ansbach einsortiert. Das Ticket verteuert sich also auf 2,70 Euro für Erwachsene und auf 1,40 Euro für Kinder (das Handyticket bleibt günstiger).
Auch Fahrkarten für den Stadtverkehr in Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Rothenburg (Tarifstufe F) werden um 10 Cent teurer. Das bedeutet ab 1. Januar: 1,80 Euro für Erwachsene und 0,90 Euro für Kinder.
Teurer fällt derweil der Anstieg in den größeren Städten aus: So steigt der Preis für Einzelfahrkarten in Nürnberg und Fürth um 20 Cent für Erwachsene und 10 Cent für Kinder.
Das beliebte Tagesticket Plus, das für Fahrten durch den gesamten VGN gilt, wird um 1,60 Euro teurer. Damit liegt es künftig bei 28,10 Euro.
Der VGN erklärt die Preiserhöhung unter anderem mit steigenden Betriebskosten. Aufgeführt werden etwa Kosten für Personal und die stark gestiegenen Preise für Trassen im Schienenverkehr. Daneben spielt noch ein weiterer Faktor eine gewichtige Rolle: das Deutschlandticket. Das bundesweit gültige Abo für den Nahverkehr hat die Tariflandschaft der deutschen Verkehrsverbünde tiefgreifend umgewälzt.
Bislang geführte Tarife und Tickets verloren plötzlich an Bedeutung. Gleichzeitig haben die Verbünde keinen individuellen Einfluss auf die Preisgestaltung des Deutschlandtickets. Nach Angaben des VGN entfällt auf die „klassischen Tickets, wie Einzel- und Mehrfahrtenkarten oder Zeitkarten,” nur noch ein Viertel der eigenen Fahrgeldeinnahmen.
Derweil steigen die Preise für das Deutschlandticket (und damit die Ausgleichszahlungen für den VGN) nicht im gleichen Maße, wie die Kosten anwachsen. Das beliebte Ticket deckt also nicht die eigentlichen Ausgaben der Verkehrsunternehmen im VGN. Die Fahrgäste, die nicht per Deutschlandticket oder dem bayerischen 365-Euro-Ticket für Auszubildende reisen, müssen dadurch ungleich stärker in die Tasche greifen.
Zugleich sollen einige Tarife abgeschafft werden – das erklärte der VGN schon im Sommer. So sollen 2027 unter anderem die MobiCards sowie 4er-Tickets und Streifenkarten wegfallen.
Doch auch Abonnentinnen und Abonnenten des Deutschlandtickets müssen mehr zahlen: Wie zuletzt festgelegt, steigt der monatliche Preis zum 1. Januar 2027 von 63 Euro auf 66,80 Euro.
Wer im westlichen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gen Würzburg unterwegs ist, kann zudem auf den Tarif des Verbunds Nahverkehr Mainfranken (NVM) zurückgreifen. Von Markt Bibart und Uffenheim aus gelten in Richtung Unterfranken die Preise des NVM. Diese wurden erst kürzlich zum 1. August erhöht. Hierbei lag die Steigerung im Schnitt bei 4,8 Prozent.
Während die Kosten für Fahrten im ÖPNV spürbar steigen, konnten sich Autofahrerinnen und Autofahrer zum 1. Oktober leicht entspannen. Mit dem „Tankrabatt” setzte die Bundesregierung eine temporäre Steuersenkung auf Sprit um. Hintergrund sind die seit Beginn des Iran-Konflikts anhaltend hohen Ölpreise. Am Freitag wurden zudem Pläne der Staatengruppe G7 bekannt, Teile ihrer strategischen Dieselreserven freigeben zu wollen. Laut Medienberichten sollen bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl auf den Markt gebracht werden. Das soll die Lage an den Energiemärkten entschärfen.