Im Konflikt zwischen dem Iran und den USA nehmen die Spannungen trotz der kürzlich erzielten Einigung auf ein Rahmenabkommen wieder zu. Nach neuen Attacken des US-Militärs auf Ziele im Iran in der Nacht meldete der Golfstaat Bahrain einen Angriff mit mehreren iranischen Drohnen am frühen Morgen. Die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO gab zudem bekannt, dass ein Frachtschiff von einem unbekannten Geschoss getroffen worden sei. Die genauen Hintergründe dieses Vorfalls blieben aber zunächst unklar.
Die Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen Teheran und Washington hatte für Entspannung in dem Konflikt gesorgt, der seit Beginn amerikanisch-israelischer Angriffe auf den Iran am 28. Februar die Region in Atem hält. Die Vereinbarung trat vergangene Woche nach mühsamen Verhandlungen in Kraft und sieht unter anderem ein vorläufiges Ende der Kampfhandlungen sowie die Wiederöffnung der für den weltweiten Ölhandel zentralen Straße von Hormus vor.
Erstmals seit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens hatte das US-Militär in der Nacht wieder Angriffe gegen den Iran gemeldet. Die Angriffe aus der Luft auf iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen seien als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff am Donnerstag erfolgt, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando Centcom am späten Freitagnachmittag US-Ostküstenzeit mit.
Als Reaktion auf die US-Angriffe habe die Marine der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) US-Ziele in der Region attackiert, hieß es in einer Stellungnahme der iranischen Eliteeinheit. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht, eine Bestätigung von US-Seite stand zunächst aus.
Das iranische Außenministerium verurteilte die US-Angriffe am Samstag scharf und sprach von einem „offenkundigen Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen. US-Präsident Donald Trump hatte den Angriff auf das Frachtschiff zuvor dem Iran zugeschrieben und ihn als Verstoß gegen die Waffenruhe-Vereinbarung gewertet.
Das Rahmenabkommen gilt als Ausgangspunkt für vertiefte Verhandlungen. Diese sind zunächst auf 60 Tage angesetzt und sollen unter anderem das umstrittene iranische Atomprogramm in den Fokus nehmen. Das „Wall Street Journal“ zitierte einen hochrangigen US-Beamten mit der Aussage, dass die Waffenruhe trotz der erneuten Angriffe weiterhin bestehe. Die US-Angriffe seien ausschließlich eine Vergeltungsmaßnahme für den Angriff auf das Frachtschiff, hieß es. Dennoch werfen die jüngsten Angriffe die Frage auf, was die neuen Spannungen für die weiteren Verhandlungen bedeuten.
Aus der iranischen Stadt Sirik wurden iranischen Berichten zufolge in der Nacht zu Samstag Explosionsgeräusche gemeldet. Das berichtete unter anderem das Staatsfernsehen Irib. Die Stadt in der Provinz Hormusgan liegt am Persischen Golf nahe der Straße von Hormus und war bereits in der Vergangenheit immer wieder Ziel von US-Angriffen. Auch von der Insel Gheschm wurden demnach Einschläge von Projektilen gemeldet.
Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf einen US-Beamten, dass sechs Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe vier iranische Stellungen entlang der Straße von Hormus und auf der Insel Gheschm angegriffen hätten. Die Angriffe dauerten demnach etwa 90 Minuten.
Am Donnerstag war ein Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus bekanntgeworden. Nach Angaben des US-Militärs traf der Iran das unter singapurischer Flagge fahrende Handelsschiff mit einer Drohne, als dieses die Straße von Hormus entlang der omanischen Küste verließ.
Der Vorfall vor der Küste des Omans ereignete sich wenige Stunden nachdem Irans Revolutionsgarden gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien.
Als Reaktion auf den Angriff auf das Schiff unterbrach die Weltschifffahrtsorganisation IMO zunächst ihre Evakuierung festsitzender Seefahrer. Bis zu der Unterbrechung ihrer Mission in der Straße von Hormus konnte sie nach eigenen Angaben 2.500 Seefahrer evakuieren.
Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend gesperrt. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Im Zuge des Rahmenabkommens wurden beide Blockaden inzwischen aufgehoben.
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