Zu den vorsorglich bereitgelegten Lutschpastillen muss Eva Karl Faltermeier an diesem Abend doch nicht greifen. Die Stimme hält. Auf der „Wehlmäusler Forstkultur“-Bühne spielt sie ihr zweites Soloprogramm. „Taxi. Die Uhr läuft“ heißt es und ist wirklich mutig. Der Auftritt der preisgekrönten Kabarettistin aus der Südoberpfalz, wo der „Stammbaum ein Kreis“ ist, wird zu einem schonungslos ehrlichen Seelenstriptease mit Zither-Einlagen.
Es geht um die Angst vor dem Klimawandel, Reaktionen auf ihre Scheidung, Besuche beim Proktologen, Damenbinden, Urineimer und darum, warum sie inzwischen Beerdigungen Hochzeiten vorzieht. Auch vor ihren Kindern macht sie nicht halt: der Sohn ein Jung-Liberaler, die Tochter „a Preiss“. Bei letzterem hilft nur noch Teufelsaustreibung. Aber nur eine klitzekleine, wie Eva Karl Faltermeier betont.
Die Stimme der Vernunft findet sie in einer E-Zigaretten rauchenden Taxifahrerin, in deren alten Diesel sie einsteigt. Doch wirklich helfen tun der Oberpfälzerin nur zwei Sachen: Ibuprofen 800 und Telefonate mit ihrem Papa samt Augenbrauenanalyse. Der Papa ist zwar in den Augen der Taxifahrerin der Prototyp des alten weißen Mannes. Aber er ist es, der seine Tochter immer wieder beruhigen kann. Schließlich sei der Böhmerwald auch immer wieder aufgeforstet worden, lautet einer seiner Kommentare.
Mit ihrer herrlich lakonischen Art provoziert Eva Karl Faltermeier eine Lachsalve nach der anderen. Am Ende des Programms wird es dann jedoch ganz still im proppenvollen Saal. Gebannt wird zugehört, wenn die Kabarettistin noch einmal eine Schippe drauflegt und alle scheinbar losen Fäden des Programms virtuos zusammenlaufen lässt: Die Taxifahrerin entpuppt sich als Boandlkramerin, die mit ihrem überdimensionalen Todeskäfer im Badezimmer auf Eva Karl Faltermeier wartet. Doch sie ist nicht bereit für die letzte Reise.
Das ist so. Es bleibt spannend abzuwarten, was ihr für das dritte Soloprogramm einfällt.