Der Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn (DB) im Dezember dürfte ungemütlich werden: Die Zeichen verdichten sich, dass im Fernverkehrsnetz etliche Verbindungen verloren gehen. Einer der Orte, die Fernzughalte einbüßen könnten: Ansbach.
Gerüchten zufolge plant die Bahn auf mehreren Linien, unwirtschaftliche Verbindungen auszusortieren. Dabei trifft es etwa den Intercity (IC) Karlsruhe–Leipzig, der über Ansbach fährt. Auf dem Abschnitt Nürnberg–Jena–Leipzig würden diese Züge kaum genutzt, erklärte die DB kürzlich auf FLZ-Anfrage. Deshalb setzt die Bahn hier den Rotstift an und streicht die Mehrzahl der Verbindungen. Der Abschnitt Karlsruhe–Nürnberg soll davon unberührt bleiben.
Kritischer sieht es auf der ICE-Linie 24 aus, die von Hamburg über Würzburg, Augsburg und München verschiedene Destinationen im Alpenraum ansteuert. Es sind diese Züge, die Ansbach 2022 nach jahrelangem Kampf endlich den Status „ICE-Halt” bescherten. Die DB hatte dafür im Zuge des barrierefreien Ausbaus des Ansbacher Bahnhofs extra die Bahnsteige verlängert – ein millionenschwerer Umbau.
Drei Jahre später könnten die Träume vom Anschluss an die weite ICE-Welt schon wieder geplatzt sein, zumindest in Teilen. Denn Medienberichten zufolge stehen auch die Alpen-Fernzüge der ICE-Linie 24 auf der Kippe. Darunter sind klangvolle Namen wie die ICEs „Karwendel” und „Großglockner”. Auch die zur Ferienzeit beliebten Intercitys „Königssee” und „Nebelhorn” zählen dazu. Diese legen auf ihrem Weg zudem einen Stopp in Steinach ein. Außerhalb der Hauptreisezeit gelten die Züge allerdings als Sonderlinge und nicht besonders gut nachgefragt.
ICEs und ICs, die seltener als im Zweistundentakt fahren, hätten zum Fahrplanwechsel schlechte Karten, schätzt Lukas Iffländer. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn warnt: „Effektiv ist das komplette Flächennetz gefährdet.” Züge, die in Einzellagen unterwegs sind oder deren Linien-Verlauf womöglich einst als „politische Message” zugestanden wurde: „Das könnte alles wegfallen.”
Hintergrund sei die prekäre finanzielle Lage des DB-Konzerns. „Die stehen mit dem Rücken zur Wand”, attestiert Iffländer. Hinzu komme Druck von EU-Ebene. So darf die DB Verluste ihrer Gütertochter Cargo nicht mehr durch andere Gelder im Konzern ausgleichen. Ähnliche Vorgaben könnten der derzeit unprofitablen Tochter DB Fernverkehr drohen. In dieser unheilvollen Lage sei zu erwarten, dass es zunächst den Zügen mit dem schlechtesten Kosten-Nutzen-Verhältnis an den Kragen gehe. „Der Schock wird im Flächennetz einige treffen”, erwartet Iffländer.
Und dann bleibt da noch das Problem der Bahnsteige in Ansbach: Diese wurden auf 326 Meter verkürzt. Für die längeren ICEs im Fuhrpark ist das nicht lang genug – was den Planern Flexibilität raubt. Zumal laut Iffländer die Bahn hier eigentlich in Sachen Rollmaterial mit mehr Einheitlichkeit und System vorgehen wolle.
Die Deutsche Bahn gibt zu den Änderungen im Fahrplan bislang keine Details preis, versichert aber, es werde „keine Fernverkehrslinie” gestrichen, „auch nicht in bayerische Tourismusregionen”. Es werde aber baubedingte, saisonale und nachfragebedingte Anpassungen geben. Das betreffe „lediglich Einzelzüge”. Das lässt weiterhin Raum für Spekulationen, immerhin ist Ansbach bei den ICEs ohnehin weit entfernt von einer Takt-Anbindung. Konkret auf den ICE-Halt in der Bezirkshauptstadt will die Pressestelle der Bahn nicht eingehen und verweist auf die offizielle Vorstellung des neuen Fahrplans Ende September.
Die Lokalpolitik jedenfalls ist aufgeschreckt: Die SPD-Stadtratsfraktion hat bereits einen offenen Brief an Heiko Büttner, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern, verfasst. Darin bitten sie Büttner, „sich dafür einzusetzen, dass das bestehende Fernverkehrsangebot in Ansbach erhalten bleibt”. Auch Oberbürgermeister Thomas Deffner will sich nach einer FLZ-Anfrage zum Thema nun mit der Bahn über etwaige Vorhaben zum Fahrplanwechsel ins Benehmen setzen.