Ein Sanierungskonzept für die Abwasseranlagen im Gemeindegebiet hat dem Gemeinderat Jörg Zenker vom Ingenieurbüro Biedermann vorgestellt. Er erläuterte den aktuellen Zustand der Kläranlage samt Kanalisation und Entlastungsanlagen.
Alle Bauwerke müssen wasserrechtlich genehmigt werden. Da die Bescheide für die Kläranlage samt Mischwasserbehandlung auslaufen und die Technik nicht mehr auf dem aktuellesten Stand sei, müsse eine Sanierung erfolgen. Um wieder die Genehmigung zu erhalten, müsse alles dem neuesten Stand der Technik entsprechen, so Zenker.
Das Becken sei nicht grundwasserdicht, erfuhren die Räte. Das Nachklärbecken sei hydraulisch belastet, arbeite energetisch ineffizient, und die Tiefe sei unvorteilhaft. Das sei momentan das „Nadelöhr“ der Anlage. Das Hebewerk soll jedoch erhalten bleiben, Rechen und Sandfang erfüllen hier weiterhin ihren Zweck.
Dagegen müssen die Schlammpolder erneuert werden, und das Betriebsgebäude werde als zu klein erachtet. Zudem fehle dort eine Schwarz-Weiß-Trennung, also separate Bereiche für „schmutzig“ und „sauber“, hieß es.
Mit dem momentan hohen Fremdwasseranteil könne man die jüngsten Anforderungen und Richtlinien nicht erfüllen. Um ihn zu reduzieren, sollten in der Würzburger und in der Wiesenstraße Sanierungen erfolgen. Hier hatten Messungen ergeben, dass aus diesem Bereich ein Fremdwasseranteil von etwa drei Litern pro Sekunde durch den Kanal fließt. Aus dem restlichen Gemeindegebiet ergaben die Messungen etwa sieben Liter pro Sekunde. Das bedeute momentan einen Fremdwasserzufluss von 171.000 Kubikmetern.
Dies entspreche einem Anteil von 70 Prozent, gefordert vom Wasserwirtschaftsamt seien jedoch maximal 50 Prozent. Bei einer Beispielberechnung mit Fremdwasser von drei Litern erreiche man immerhin schon 54 Prozent, so Zenker. Dieser Anteil von 83.000 Kubikmetern wäre für ein Mischwassersystem akzeptabel, hieß es. Sinnvoll wäre es auch, einen Teil der Kanalisation in ein Trennsystem für Schmutz- und Regenwasser umzubauen. Zuerst muss man den Kanal sanieren und das Fremdwasser wegbringen, betonte Zenker. Denn nur dann könne die genaue Größe der Klärbecken berechnet werden, weil man erst dann wisse, wieviel Wasser wirklich ankommt.
Auch Schmutzfracht und Regenmenge sowie die Anzahl der Anschlüsse seien maßgebend für die Dimension der Anlage. Lieber solle man vorausschauend etwas größer bauen. Genaue Aussagen zur Anlagen-Förderung für Mischwassersysteme konnte Zenker nicht machen, da die Förderschwelle noch nicht überschritten sei. Wenn aber die Kosten der Sanierung mit eingerechnet werden, könne man eventuell mit einem Zuschuss von 250 Euro pro Einwohner rechnen.
Heuer sollen noch die Berechnungen der Hydraulik und der Mischwasserbehandlung sowie der Sanierung der Kanalisation stattfinden. Im Jahr 2026 wolle man die Maßnahmen zur Fremdwassersanierung erledigen, um dann die Kläranlage an die Einflussmenge anzupassen; somit wäre diese dann richtig dimensioniert.
Die Sanierung der Anlage werde 2028 beginnen und etwa eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen.