Für eine neue wasserrechtliche Genehmigung muss die Gemeinde über kurz oder lang die Kläranlage sanieren. Um staatliche Förderung zu nutzen und die Bürgerinnen und Bürger möglichst wenig zu belasten, will der Gemeinderat die nächsten Schritte wohlüberlegt angehen.
Kläranlage und Mischwasserbehandlungseinrichtungen sind auf den Stand der Technik zu bringen. Um den aktuellen Vorgaben zu entsprechen, ist die Reduzierung des Fremdwasseranteils hierfür ein zentraler Punkt. Unter Fremdwasser versteht man Wasser, das etwa aus dem Grundwasser oder Drainagen stammt und ungewollt in die Kanalisation gelangt. Dieses belastet die Kläranlage zusätzlich.
Messungen hatten insbesondere im Bereich der Würzburger Straße und der Wiesenstraße erhöhte Fremdwassermengen ergeben. Auf Basis dieser Daten stellten Vertreter des beauftragten Ingenieurbüros dem Ratsgremium in einer mehrstündigen Sitzung drei mögliche Varianten zur Behebung des Problems vor. Die Optionen unterscheiden sich deutlich im baulichen Aufwand und kosten aktuellen Schätzungen zufolge zwischen 636.000 Euro und gut drei Millionen Euro.
Die kostengünstigste Lösung sieht einen zusätzlichen Ableitungskanal für das Fremdwasser in 2,5 Metern Tiefe mit Pumpwerk vor. Allerdings müssten auf betroffenen Privatgrundstücken zusätzliche Hebeanlagen eingebaut werden, die die Eigentümer selbst bezahlen müssten.
Stattdessen empfehlen die Ingenieure eine technisch robustere Lösung mit einem fünf Meter tiefen Ableitungskanal für das Fremdwasser, ebenfalls zuzüglich Pumpwerk. Diese Variante verursacht zwar höhere Kosten von rund 852.000 Euro, gilt jedoch als betriebssicherer. Auch hier wären auf den betroffenen Grundstücken Umverlegungen von Drainageanschlüssen erforderlich.
Die dritte und mit Abstand teuerste Option sieht einen grundlegenden Umbau der Kanalisation vor: In dem betroffenen Bereich müsste ein vollständiges Trennsystem neu gebaut und ein unterirdisches Regenrückhaltebecken mit großem Pumpwerk errichtet werden. Die Kosten hierfür werden auf 3,02 Millionen Euro geschätzt.
Investitionen in die Abwasserinfrastruktur wirken sich auf die Bürgerinnen und Bürger aus, da die Kosten über Gebühren und Beiträge umzulegen sind. Entsprechend sensibel werden Vorhaben dieser Größenordnung in der Kommune wahrgenommen und verfolgt. Auch an der Ratssitzung nahmen eine Reihe von Anwohnerinnen und Anwohnern des Bereichs Wiesenstraße und Würzburger Straße teil.
Sie wären durch Maßnahmen auf ihren Grundstücken besonders betroffen. Daher ließ Bürgermeister Martin Assum unbürokratisch zu, dass auch aus dem Publikum Fragen an die Experten gestellt werden durften. Die Geschäftsordnung sieht das in dieser Form eigentlich nicht vor.
Diskutiert wurde auch, inwiefern sich durch staatliche Zuschüsse der Eigenanteil der Kommune möglicherweise senken ließe, um die umzulegenden Kosten zu reduzieren. Nach der aktuell gültigen Richtlinie RZWas 2025 müsste dafür zunächst aber eine bestimmte Härtefallschwelle erreicht werden, die sich aus der Pro-Kopf-Belastung der Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb eines gewissen Zeitraums ergibt. Der derzeitige Wert liegt noch unter dieser Schwelle, sodass aktuell keine der vorgestellten Varianten zur Fremdwassersanierung förderfähig ist.
„Wir müssen die notwendigen Maßnahmen jetzt Stück für Stück strategisch sinnvoll planen, um möglichst staatliche Fördergelder zu bekommen“, erläuterte Bürgermeister Martin Assum im Nachgang der Sitzung. Eine Möglichkeit wäre, zunächst die Fremdwassersanierung im Bereich der Würzburger Straße und der Wiesenstraße anzugehen und parallel dazu weitere Abschnitte des Kanalnetzes zu ertüchtigen. Damit würde man die Härtefallschwelle voraussichtlich knacken. Für den letzten Schritt – die Kläranlage – könnte man mit Förderung rechnen.
Um die Flut an Informationen erst einmal zu verarbeiten, entschied der Gemeinderat am späten Abend, sich zu vertagen. In den kommenden Wochen sollen noch offene Fragen geklärt werden, bevor die Entscheidung über das weitere Vorgehen erneut auf die Tagesordnung kommt.