Neuausrichtung der Wasserversorgung in Herrieden: Stadt winkt Millionen-Spritze | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.01.2026 15:37

Neuausrichtung der Wasserversorgung in Herrieden: Stadt winkt Millionen-Spritze

Der alte Wasserturm steht in einem Waldgebiet am Stadtrand Herriedens. Ein neuer Hochbehälter ist bereits in Planung und könnte der Stadt nun deutlich günstiger kommen als ursprünglich gedacht. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der alte Wasserturm steht in einem Waldgebiet am Stadtrand Herriedens. Ein neuer Hochbehälter ist bereits in Planung und könnte der Stadt nun deutlich günstiger kommen als ursprünglich gedacht. (Foto: Florian Pöhlmann)
Der alte Wasserturm steht in einem Waldgebiet am Stadtrand Herriedens. Ein neuer Hochbehälter ist bereits in Planung und könnte der Stadt nun deutlich günstiger kommen als ursprünglich gedacht. (Foto: Florian Pöhlmann)

„2026 kann ein gutes Jahr werden.” Nicht nur Bürgermeisterin Dorina Jechnerer durfte sich in der aktuellen Sitzung des Stadtrats über die überraschende Aussicht auf ein paar Förder-Millionen freuen. Trotz der damit einhergehenden Entspannung der Haushaltslage stimmte die CSU eine Diskussion an.

Aber der Reihe nach: Innerhalb der Neuausrichtung der Wasserversorgung Herriedens mitsamt einiger Außenorte, die mit Gesamtinvestitionen von rund sechs Millionen Euro zu Buche schlägt, ist der Neubau eines Hochbehälters ein zentraler Baustein. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, das Wasser aus den Quellen bei Rauenzell auch für den Hauptort speichern und nutzen zu können.

Bau wurde bereits verschoben

Fraglos viel Geld, zumal das in finanzieller Hinsicht verwöhnte Herrieden durch die Ausfälle bei den Gewerbesteuereinnahmen und der gleichzeitig steigenden Abgabe an den Kreis notgedrungen seine Ausgaben auf den Prüfstand stellen muss. Dazu wurde der bereits für 2025 vorgesehene Bau des neuen Hochbehälters nach einer Empfehlung des Finanz- und Personalausschusses an den Stadtrat zunächst in dieses Jahr geschoben. Nach einem Vorschlag aus der Verwaltung könnten sogar nur die Planungskosten für das Vorhaben im aktuellen Haushaltsjahr zu Buche schlagen.

Dazu aber musste die Verwaltung vom Rat der Stadt „legitimiert werden, die Ausschreibung und die Vergabe bereits im Herbst 2026 umzusetzen”. Eine Verpflichtigungsermächtigung, wie es amtsdeutsch heißt. Sprich: das Projekt auf den Weg zu bringen. Doch die CSU intervenierte.

Nur Minuten zuvor hatte Bürgermeisterin Dorina Jechnerer die frohe Kunde über einen nicht eingeplanten, nun aber möglichen Geldsegen für das Vorhaben verkündet. Bislang durfte die Stadt nicht mit einer staatlichen Förderung der verschiedenen Maßnahmen zur Neuausrichtung der Wasserversorgung rechnen, weil – vereinfacht ausgedrückt – in den zurückliegenden Jahren zu wenig in den entsprechenden Bereichen investiert worden war.

Höhe der möglichen Förderung

Vor allem Bauamtsleiter Marco Jechnerer blieb aber hartnäckig und hakte beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt nach, ob man die Härtefallschwelle in der Gesamtheit der eingeleiteten Maßnahmen nicht doch überschreite und damit in den Genuss einer Förderung kommen könnte. Wie die Behörde inzwischen bestätigte, erfüllt Herrieden mit den Aufwendungen für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung die Anforderungen einer Bezuschussung.

Auf „rund 40 Prozent” bezifferte Marco Jechnerer die Höhe der möglichen Förderung für den Bau des Hochbehälters, entsprechender Zu- und Ableitungen sowie für die Kanal- und Wasserleitungsarbeiten in Neunstetten. In Summe rund 2,8 Millionen Euro, die das Land beisteuern könnte. Noch aber ist kein Antrag gestellt, dazu sollte der Rat sein Plazet geben.

Nur stieß die Vokabel „legitimieren”, laut Duden „jemanden mit einer Vollmacht ausstatten”, bei der CSU auf wenig Verständnis. „Wir wollen, dass vor der finalen Entscheidung der Stadtrat darüber berät”, brachte Fraktions-Chef Wolfgang Strauß die vorherrschenden Bedenken zu einem Alleingang der Verwaltung schlussendlich auf den Punkt.

Nachhilfe im Verwaltungsrecht

Vor allem die Fraktion der Grünen reagierte überrascht. „Wir haben doch alles ausführlich diskutiert inklusive Kostenschätzung”, verwies Stadträtin Franziska Wurzinger energisch auf die Vorberatungen, in denen die CSU das Projekt ebenfalls befürwortet hatte.

„Vom Stadtrat ist jetzt ein Zeichen gefragt”, intervenierte der Stadtbaumeister, „der Beschluss ist Grundlage zur Umsetzung.” Unterstützt wurde er von der Bürgermeisterin, die der CSU zwischen den Zeilen augenzwinkernd ein klein wenig Nachhilfe in Sachen Verwaltungsrecht gab.

„Das ist kein Freifahrtschein für die Verwaltung, natürlich muss vorher darüber im Stadtrat abgestimmt werden”, erklärte Jechnerer die „rechtlich bindende” Vorgehensweise. Es gelte mit dem Beschluss lediglich, die Verwaltung zu ermächtigen, die Ausschreibung und damit das Projekt nebst möglicher Förderung auf den Weg zu bringen.

Das folgende Votum fiel einstimmig aus. Das Projekt kann seinen Lauf nehmen und die Millionen-Förderung beantragt werden. Ein Wort des Dankes an Marco Jechnerer fand sich derweil nicht.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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