Die Verkehrsbelastung ist Dauerthema in der Rothenburger Altstadt. Durch die Vollsperrung des Galgentores wird sich die Lage ab Montag zusätzlich verkomplizieren. Wohl für die kompletten Ferien wird diese wichtige Zufahrt zum Zentrum baustellenbedingt ausfallen – dies auch zum Leidwesen der Geschäftsleute in der Galgengasse, die Umsatzeinbußen befürchten.
Dass das Tor von Ende Juli bis Anfang September gesperrt werden würde, ist indes lange bekannt. Schon im Winter hatte das Rathaus über das Umsetzungskonzept für die weiteren Maßnahmen in der Galgengasse und am Tor informiert.
Es geht bei dem Projekt im Wesentlichen um die Erneuerung der Wasser- und Gasversorgungsleitungen inklusive der Hausanschlüsse durch die Stadtwerke. In der Galgengasse selbst sind die seit Monaten laufenden Arbeiten bereits weit gediehen. Der nächste Abschnitt umfasst laut Mitteilung des Versorgers nun den außerhalb der Stadtmauer liegenden Bereich zwischen dem Tor und dem Hornburgweg. Die Umsetzung erfordere die Vollsperrung der Durchfahrt, die in Abstimmung mit dem Rathaus auch so festgelegt worden sei, hieß es weiter.
Die Stadtverwaltung teilte dazu mit, dass die Absperrung des Tores am Montagmorgen gegen 7 Uhr vollzogen werde. Eine Durchfahrt sei ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, und zwar vermutlich bis Freitag, 8. September. Wer mit dem Fahrzeug in die Altstadt müsse, könne auf die anderen Tore ausweichen, wobei hier die Beschränkungen zu beachten seien, hieß es.
Das bedeutet konkret, dass Fahrzeuge, die höher sind als drei Meter, also große Lkw oder Reisebusse, ab Montag für knapp sechs Wochen nicht mehr in die Altstadt kommen, denn nur die Galgentor-Durchfahrt ist für diese Größen ausreichend bemessen. Durch das Klingentor passen hingegen lediglich Autos mit maximal 2,20 Metern Höhe.
Am Rödertor geht es immerhin bis drei Meter, weshalb sich dorthin in den nächsten Wochen zwangsläufig ein Großteil des für die Geschäfte und Gastronomiebetriebe wichtigen Lieferverkehrs verlagern wird.
Weil es dort sehr eng ist und im Begegnungsverkehr schon bisher mitunter stressig zuging, muss angesichts des an dieser Stelle ab Montag zu erwartenden zusätzlichen Nutzfahrzeug-Aufkommens wohl mit einer Verschärfung der Lage gerechnet werden. Im Rathaus wird deshalb darauf gehofft, dass sich die Abläufe dort schnell einspielen und größere Probleme ausbleiben.
Die meisten regelmäßigen Lieferanten Richtung Altstadt hätten Zeit gehabt, sich auf die neue Situation vorzubereiten, denn die Betriebe seien, so weit bekannt, über die Vorgaben frühzeitig informiert worden, erklärte Mareike Bialojan vom Straßenverkehrsamt. Das gelte auch für die Omnibus-Unternehmen, die mit Spezialgenehmigung in die Altstadt fahren dürften und das nun für einige Wochen nicht könnten. Alternativ könnten diese die altstadtnahen und bus-geeigneten Parkplätze ansteuern, so die Rathaus-Vertreterin.
Entscheidend für die Bevölkerung und die Geschäfte in der Altstadt sei, dass die Müllautos und bei Bedarf die Feuerwehr ins Zentrum kämen. Dass das durch das Rödertor klappe, sei gewährleistet, erklärte sie.
Für die zusätzlichen Sorgen, die die Tor-Sperrung den Geschäftsleuten in der Galgengasse beschert, hat das Rathaus allerdings kein Rezept parat. Mit Stefan Gögelein und Martina Hachtel äußerten sich zwei betroffene Ladenbesitzer gestern gegenüber der Redaktion.
Es sei unverständlich, dass die Bauarbeiten in diesem Bereich überhaupt so lange dauern, erklärten die beiden. Schon 2022 hätten sie begonnen, und nach den Sommerferien gehe es ja noch weiter. Ein großes Problem sei schon bisher die baustellenbedingte Belegung vieler Parkplätze in der Galgengasse gewesen, die dadurch für potenzielle Kunden wegfielen. „Logisch, dass da jeweils weniger Leute gekommen sind“, so Stefan Gögelein, der nach eigener Rechnung in den Bau-Hauptphasen Umsatzrückgänge von 30 Prozent verzeichnete.
Durch die Torsperrung werde die Galgengasse und damit die dortige Geschäftswelt jetzt regelrecht abgeschnitten, und das in einer Phase des Jahres, die trotz Ferien hier Hauptsaison-Charakter habe. Hauptproblem sei aber die unerklärlich lange Bauzeit, meinte Gögelein: „In anderen Städten läuft das zügiger.“