Wie kann das jüdische Erbe Rothenburgs sichtbar, erlebbar und dauerhaft in die Vermittlung der Stadtgeschichte eingebettet werden? Darum geht es bei einem Vortrag am Mittwoch, 8. Oktober, ab 19.30 Uhr im Hörsaal des Campus.
„Rothenburg als Zentrum jüdischer Kultur im Mittelalter” lautet der Titel des Vortrags, bei dem Dr. Elisabeth Hollender (Universität Frankfurt), Dr. Meyrav Levy (Bayerische Landesstelle für nichtstaatliche Museen) und Dr. Emile Schrijver aus Amsterdam sprechen werden, wie es in einer Pressemitteilung des Tourismus Service (RTS) heißt. Mit diesem Vortrag starte ein „neues, zukunftsweisendes Projekt, das die Bedeutung Rothenburgs als Zentrum jüdischer Hochkultur in den Fokus rückt”.
Unter dem Arbeitstitel „Jüdische Augenzeugen der Rothenburger Geschichte” arbeiten dafür der Tourismus Service, das RothenburgMuseum, das Joods Museum in Amsterdam, das Jüdische Museum Frankfurt am Main sowie weitere Beteiligte zusammen, um die Judaika-Sammlung im RothenburgMuseum neu zu gestalten und die Stadt „als bedeutsamen Gedenkort für jüdisches Erbe zu verankern”. Dabei würde die Judengasse 10 mit ihrer Mikwe ebenso eine Rolle spielen wie die kürzlich entdeckten Fundamente der ersten Synagoge mit Frauenschule, schreibt der Tourismus Service.
Der öffentliche Vortrag biete Einblicke in Rothenburgs reiches Erbe und setze verschiedene thematische Schwerpunkte: die herausragende Persönlichkeit von Rabbi Meir ben Baruch; die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Rothenburg vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert mit Phasen des friedlichen Zusammenlebens, aber auch mit Verfolgungen und Pogromen; die Rolle der jüdischen Gesetzgebung als Spiegel des mittelalterlichen Lebens; außerdem die Beziehungen zwischen jüdischen und nicht jüdischen Menschen in Rothenburg und in der Region Franken.
Das Projekt knüpfe an bestehende Angebote wie die Führung „Reinheit ob der Tauber” an, die seit diesem Jahr in Kooperation mit Kulturerbe Bayern jeden Samstag stattfindet. Fernziel sei es, die Judaika-Sammlung des Museums durch neue Exponate, audiovisuelle Quellen und interaktive Modelle zu erweitern und den Besucherinnen und Besuchern einen umfassenden Einblick in jüdisches Leben zu ermöglichen.
Der Vortrag richtet sich dem RTS zufolge an die interessierte Öffentlichkeit, Vertreterinnen und Vertreter von Kulturinstitutionen sowie Förderstiftungen.
Der öffentliche Vortrag wird am Folgetag mit einem internen Workshop fortgeführt, an dem „namhafte Judaisten, Museumsmacher und engagierte Rothenburger” beteiligt sind, wie Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler ankündigt. Unter anderem werden auch Oberbürgermeister Dr. Markus Naser und Pfarrer Dr. Oliver Gußmann am Workshop beteiligt sein. Dabei gehe es um folgende Fragen: „Wie kann das reiche jüdische Erbe angemessen, sachgerecht und zeitgemäß in Wert gesetzt werden? Kann das RothenburgMuseum der geeignete Ort dafür sein? Und wenn ja, wie und mit welchen Mitteln?”
Ziel ist es, so heißt es in der Ankündigung, die pädagogischen und musealen Ziele der Ausstellung festzulegen. Dazu zähle auch die Frage, wie die historischen Überreste innerhalb der Stadt einbezogen werden können.