Thema Nummer eins in der zweiten Sitzung des neuen Stadtrates waren Vergaben. Hier ging es unter anderem um die Grundschule, aber speziell auch um die Reichsstadthalle. Eine ganze Reihe an Aufträgen wurde vergeben – nicht ohne Rückfragen.
Ganz grundsätzlich erklärte Stadtbaudirektor Michael Knappe bei jedem Tagesordnungspunkt Wesentliches, um die neuen Gremiumsmitglieder auf Stand zu bringen. Zur Reichsstadthalle erklärte er, dass sie 1699 als Zehntscheune errichtet wurde und die Sanierung eine „sehr große und bedeutende Baumaßnahme” sei. Die jetzt ehemalige Scheune wurde 1974/75, also vor rund 50 Jahren, zur Veranstaltungshalle umgebaut. Jetzt nach 50 Jahren sei vieles, das damals eingebaut worden sei, verbraucht. Die Lüftungsanlage sei in die Jahre gekommen, ebenso die technischen Anlagen und die Heizanlage sowie der Fußboden. Auch Asbest erwähnte er.
Sehr schnell sei klar geworden, dass eine Generalsanierung notwendig sei. Beginn der Planungen sei vor etwa einem Jahr gewesen, meinte Knappe in der Sitzung. Die Arbeiten starteten im März. Im Herbst 2027 soll die Sanierung abgeschlossen sein, „weil wir natürlich auch hier unter gewissem Zeitdruck stehen. Die Landesausstellung ist ja im Jahr 2028 geplant”.
Was unter anderem gemacht wird: Die Lüftungsanlagen werden rückgebaut, das gilt ebenso für Teile mit Schadstoffbelastung. Ein Aufzug wird eingebaut, so dass das Gebäude barrierefrei wird. Das gelte auch für die Toiletten. Die Garderobe wird erneuert, eine „Catering-Küche” hergestellt. Die jetztige Voll-Küche werde nicht mehr gebraucht. Eine Einbruchmeldeanlage wird eingebaut, Türen und Fenster ausgetauscht, der Boden erneuert.
Die Kostenberechnung liegt bei 7,8 Millionen Euro, erklärte Knappe – derzeit gehe die Stadt aber von 770.000 Euro weniger aus. Insgesamt wird die Maßnahme „gut gefördert”, so der Stadtbaudirektor. Aktuell kann der Eigenanteil der Stadt „noch nicht belastbar genannt werden”, wie Kämmerin Andrea Gackstatter auf Nachfrage der Redaktion mitteilte. Es seien mehrere Förderanträge gestellt worden, „diese liegen bisher aber nur teilweise bewilligt vor”. Die Städtebauförderung sei ein wesentlicher Fördergeber. Hier hofft die Stadt, eine erhöhte Förderquote von 80 Prozent zu bekommen.
Nach Knappes Vortrag meldete sich der neue Fraktionsvorsitzende der CSU, Florian Vogel, mit der Frage, ob dem Sanierungskonzept ein Nutzungskonzept zugrunde liege. Laut Knappe war dies „”relativ einfach zu beantworten”: Das Nutzungskonzept bleibt gleich. Eine Änderung gebe es bei der Küche – von Voll-Küche zu Cateringküche –, denn es werde keinen exklusiven Vertrag mehr für die Reichsstadthalle geben, sondern es soll möglich sein, bei Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstagen das eigene Catering mitbringen zu können. Eine „komplett andere Nutzung als vorher” sei nicht geplant.
Das veranlasste die neue Stadträtin Lissy Berger (FRV) zur Frage, ob ein Planungsbüro involviert sei, dass sich generell mit Eventlocations auskenne, so dass „man da von Anfang an in die richtige Richtung geht”. Das bejahte der Stadtbaudirektor, betonte aber auch noch einmal: „Es soll sich grundsätzlich an dem Betrieb dieser Halle nichts ändern. So war der Beschluss des Stadtrates.”
Bürgermeister Peter Wack (für die CSU im Stradtrat) ergänzte: „Uns war es wichtig, dass die Halle, wenn sie dann saniert ist, wirklich proaktiv beworben wird. Das war uns sehr, sehr wichtig.” Das sei auch zugesichert worden.
FRV-Fraktionsvorsitzende Jutta Striffler blickte ein wenig in die Vergangenheit und erklärte, dass bereits im Jahr 2004 über die Reichsstadthalle diskutiert worden sei. Damals schon sei gesagt worden, dass es nicht mehr zeitgemäß sei, die Halle an eine Institution fest zu vergeben. Ihr Fazit: „Was lange währt, wird endlich gut. Aber zu lange darf man auch nicht warten.”
Oberbürgermeister Christoph Rösch fing dann die Diskussion ein und betonte, dass es gerade um Vergaben gehe und nicht um Grundsätzliches. Den Vergaben wurde dann auch jeweils einstimmig zugestimmt.
Für die Sanitärinstallationen beträgt die Auftragssumme brutto rund 194.000 Euro, für die Heizungsinstallation brutto rund 112.000 Euro. Der Auftrag für die Lüftungsinstallation wurde für brutto rund 1,03 Millionen Euro erteilt, inklusive Wartungskosten für vier Jahre in Höhe von rund 20.000 Euro. Die Zimmererarbeiten werden brutto rund 822.000 Euro kosten, die Baumeister- und Estricharbeiten brutto rund 176.000 Euro.