Dieses Lächeln mit den Grübchen verleiht Riko Manz einen gewissen Lausbubencharme. Man sieht es auch, wenn der Außenverteidiger ein Tor für die SpVgg Ansbach bejubelt. Selbst geschossen hat er diese Saison noch keines. „Kommt schon noch“, sagt er. Und lächelt.
Niemand hat in dieser Saison mehr Regionalligaminuten gesammelt als der 25-Jährige aus Schopfloch (siehe Auflistung am Textende). Riko Manz ist seit Jahren die große Konstante im Team der nullneuner.
„Riko hat in den letzten Jahren eine wahnsinnige Entwicklung genommen und ist für uns ein extrem wichtiger Spieler“, sagt Trainer Niklas Reutelhuber, „mit seinem Antritt, Tempo und Gradlinigkeit und seinem guten Zweikampf sorgt er defensiv auf seiner Seite dafür, dass wir nicht viel zulassen und gleichzeitig schiebt er nach vorne immer wieder an. Wenn er es schafft, noch öfter bessere Entscheidungen mit dem Ball am Fuß zu treffen, wird er uns als Mannschaft noch mehr helfen indem er mehr Tore schießt und vor allem auflegt.“
Ich habe in der Zweiten so mein Ding gemacht.
2011 kam Manz vom Heimatverein TSV Schopfloch in die U13 der SpVgg Ansbach, durchlief die Jugendteams und blieb einfach da, auch als er nicht gleich in die erste Mannschaft übernommen wurde. „Ich war gar nicht so darauf aus, gleich in der Ersten zu spielen. Ich habe in der Zweiten so mein Ding gemacht, aber irgendwann ging das ja nimmer“, sagt Manz. Es ging nimmer, weil die Reserve nach dem Abstieg aus der Kreisliga 2019 abgemeldet wurde.
Über den Umweg Kreisliga wurde aus Manz sukzessive unter dem Trainerduo Carl Collins und Marco Schülein doch recht zügig ein gestandener Bayernligaspieler. Er war Stammspieler in der Elf, die 2022 den Aufstieg schaffte und er blieb es in der Regionalliga.
Wenn Manz im Rückblick auf seine mittlerweile 13 Jahre bei den nullneunern bemerkt, „dass der Verein im Lauf der Jahre seine Ambitionen gesteigert hat“, gilt das auch für ihn. Aus der Kreisliga in die Regionalliga, muss man ja auch erst mal schaffen. Was half, ist neben dem Talent ein robuster Körper. „Ich hatte noch nie eine richtig schwere Verletzung“, sagt Manz. Und wenn er da ist, dann spielt er auch. Statt von unten nach oben wie in den Ligen ging es auf dem Feld für Manz von vorne nach hinten.
Zunächst wurde er meist in der Offensive eingesetzt, erst Trainer Christoph Hasselmeier beorderte ihn auf die Position links in der Abwehr. Die nicht geringe Herausforderung eines Außenverteidigers besteht darin, die richtige Balance zwischen Defensivarbeit und Offensivdrang zu finden. Wenn er auf seinen schnellen Beinen Angriffe initiiert und mit dem starken linken Fuß auch regelmäßig den Abschluss sucht, sollten in seinem Rücken die Gegner nicht freie Bahn haben.
„Das war zunächst nicht einfach, ich hatte ja in der Jugend nie verteidigen gelernt“, sagt Manz. Mittlerweile hat er sich eingegroovt auf dieser Position. Offensivaktionen zählt er dennoch nach wie vor zu seinen Stärken.
Vor Jahren wurde im Sportpark erzählt, Späher der Profiklubs hätten diesen flotten Außenspieler im Auge. Kann schon sein, zu ihm vorgedrungen ist das wohl nicht. „Es gab kein konkretes Angebot eines Profiklubs“, sagt Manz. Und überhaupt: „Warum wechseln? Ich habe hier alles, ich bin glücklich hier.“
In der Hochschule in Sichtweite des Cafés in Ansbach, in dem das Treffen stattfindet, hat Manz ein Studium absolviert und arbeitet nun als Softwareentwickler in einer Firma in Heidenheim, programmiert unter anderem Apps. Homeoffice und ein verständnisvoller Chef ermöglichen es ihm, Fußball auf hohem Niveau und Beruf zu vereinbaren. Die lange Winterpause hat Manz früher gerne mit Auftritten in der Halle überbrückt, doch die sind nach der schweren Verletzung, die sich Patrick Kroiß einst beim Turnier in Wassertrüdingen zugezogen hat, bei der SpVgg nicht mehr wohl gelitten.
Fußball als Konsument genießt Bayern-Fan Manz öfter mal beim Lieblingsclub in der Münchner Allianz-Arena.
Im Januar beginnt dann schon wieder die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte, in der die Ansbacher die Abstiegszone auf Distanz und im Idealfall noch einen einstelligen Tabellenplatz, das offizielle Saisonziel, erreichen wollen. Das werde schon alles klappen, sagt Manz, er sei da sehr zuversichtlich, und wieder blinken die Grübchen.
So wie im August 2022 nach seinem ersten Tor in der Regionalliga im Heimspiel gegen den FC Pipinsried, ein Aufsetzer aus 25 Metern, der neben dem Pfosten einschlug. „Manz-Magic“ schwärmte der BFV. Fünf weitere Ligatore folgten, darunter war ein Doppelpack gegen Türkgücü München in der Vorsaison.
Dass Manz auch alle Spiele in der zweiten Saisonhälfte mitmacht, ist nicht wahrscheinlich. Vier Gelbe Karten hat er bereits gesammelt und nach der fünften heißt es einmal aussetzen. Dann hat die Konstante Zwangspause.
Für das Treffen mit dem meistbeschäftigten Fußballer der SpVgg Ansbach im ersten Halbjahr schlug Riko Manz einen Termin so früh am Morgen vor, dass das vereinbarte Café zwar zugänglich, aber offiziell noch gar nicht geöffnet war. Wasser und Cappuccino gab es trotzdem, so dass man nicht trocken beisammensitzen musste. Dafür herzlichen Dank.