RATGEBER: Bauen & Wohnen

Kein langweiliger Einheitslook

Wo Sand auf Wasser trifft: Der Farbtrend Beige im Badezimmer

Beige ist derzeit die Trendfarbe für Badezimmer. Mit der langweiligen Farbgestaltung vergangener Tage hat das heute nicht mehr viel zu tun - denn mit Beigetönen kann man herrlich spielen.

Bei viel Weiß bleiben beige Akzente ein Eyecatcher
Die angesagten Sandtöne werden im Badezimmer auch in großen Flächen eingesetzt - in Kombination mit Weiß bleiben sie aber weiterhin ein Akzent. Foto: Geberit/Pop up my Bathroom/dpa-tmn
23.03.2021 12:26 Uhr

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Erinnern Sie sich noch an die beige-braunen Badezimmer aus den 70ern? Diese Einheitsmasse ganz ohne Charme? Vergessen Sie das Bild. Wenn heute vom Farbtrend Beige und Braun im Badezimmer gesprochen wird, hat das nichts mit dem ollen Bahama-Beige von damals zu tun.

Im digitalen Raum hat sich die Sanitärbranche zu ihrer zweijährigen Leistungsschau namens ISH getroffen - coronabedingt nicht auf dem Messegelände in Frankfurt. Nun kann man online nicht durch stylische Schau-Badezimmer flanieren, die Bilder und Videos der neuen Produkte zeigen aber auch viel - vor allem vom aktuellen Farbtrend.

Der Unterschied zum altbekannten Badezimmer in Beige oder Braun ist, dass diese neue Farbigkeit anders wirkt: Früher wurden im Sinne eines Kollektionsgedankens die Waschtische, Wannen, WCs und sogar die Wand- und Bodenfliesen in ein und derselben Farbe verwendet. Das ist heute nicht mehr modern, heißt es im Trendbericht zur Messe-Schau namens « Pop up my bathroom».

Statt Bahama-Beige verschiedene natürliche Töne

Statt auf ein Einheitsbeige begrenzt zu sein, spaltet sich die Farbpalette nun in viele verschiedene Beigetöne auf, die der Natur nachempfunden wurden und so eine harmonische Wirkung erzeugen. Da sind Sandfarben, die Töne von Leinen, Bast und Schilf, aber auch helle Eiche, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Außerdem angesagt: Greige - eine Kombination aus Grau und Beige.

Zwar ist diese Farbtrendentwicklung nichts Brandneues, aber sie hat sich verstärkt, was der ISH-Trendanalyst Frank A. Reinhardt auch der Pandemie zuschreibt: «Wir wollen es zu Hause gemütlich haben, denn wir wollen uns dorthin zurückziehen. Beige- und Brauntöne verbinden wir mit Geborgenheit, mit positiven Gefühlen. Daher erlebt das Thema Beige und Braun gerade eine Renaissance.»

Dabei sind die Erdtöne nicht nur eine Akzentfarbe neben dem nach wie vor beliebten Grundton Weiß - sie werden auch flächig eingesetzt. «Aber das muss natürlich harmonisch arrangiert werden, und dazu braucht man auch Kontraste. Das Bad soll ja nicht wie ein brauner Sumpf wirken», so Reinhardt.

Akzente mit Pastellfarben

Einer dieser Kontraste kann dann durchaus das Weiß sein - gerade die Keramiken sind nach wie vor oft in Weiß zu finden. Dennis Jäger, Chefredakteur der Fachzeitschrift «SBZ» sieht als Akzente in Badezimmern außerdem vor allem Pastellfarben wie Türkis, Babyblau oder ein sanftes Rot. «Pastelle, die punktuell im Badezimmer eingesetzt werden - das macht sich schon sehr gut», so Jäger. «Sie sind eben nicht ganz so grell und damit für so manchen vielleicht nicht so abschreckend wie zum Beispiel knalliges Rot.»

Trotzdem vermisse er durchaus auch knallige Akzente bei der Badgestaltung. «Hier ist oft weder der Badplaner noch der Verbraucher mutig genug.»

Laut Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS), gibt es einen Grund dafür, dass strahlende Farben - übrigens das Trendthema der letzten ISH im Jahr 2019 - noch nicht in den Bädern der Verbraucher angekommen sind: «Die meisten sehen das Bad nicht als Knaller oder Statement, sondern es ist für das Wohlbefinden und für die Erholung da.» Sanftere Töne wirken da einfach beruhigender.

Sein Tipp ist ein Kompromiss: Grün. «Es ist eine fröhliche Farbe, und sie ist zu vielen Sachen gut kombinierbar.» Außerdem stehe die Farbe wie keine andere für die Natur - kombiniert mit ein paar Pflanzen im Badezimmer sorge sie für eine entspannende Atmosphäre.

Armaturen in matten Farben

Die Gestaltung muss sich nicht allein auf Fliesen oder Keramiken beschränken. Dezent, aber richtig kombiniert mit großem Effekt, spielen auch die Armaturen und Beschläge in neuen Tönen mit. «Man hat hier nun mehr Matt-Töne, also Schwarz-Matt und Bronze-Matt», sagt Jäger. «Und ganz neu in diesem Jahr, das Thema Oberflächen im Bad bekommt einen Dreh über den Werkstoff.»

Bei den Badezimmermöbeln, die bislang im reinen Holz-Look und vornehmlich mit Furnier bezogen im Handel zu finden waren, gibt es nun vermehrt einen Materialmix. Übrigens ein Trend, der von den Wohnräumen in das Badezimmer überschwappt ist.

Klassisches oder farbiges Glas sowie silbernes, kupferfarbenes, goldenes und schwarzes Metall ergänzen Holz als Werkstoff und geben dem Badezimmer damit weitere Farben und Strukturen. Metall im Bad ist zwar keine Neuheit, aber nun wird es als Blickfang eingesetzt, etwa in Form filigraner Beine, als Verbindungselemente oder entlang von Kanten.

Weniger Fliesen, mehr Tapete im Bad

Auffälliger - nach Geschmack sogar als Hingucker gemustert - werden nun auch die Wände gestaltet. Denn die Wände werden längst nicht mehr bis unter die Decke gefliest - und können daher mit Wandfarbe oder einer Tapete farblich abgesetzt werden. «Bei den Bädern, die zuletzt neu gebaut oder renoviert wurden, ist so bereits mehr Farbe einbezogen worden», so Wischmann.

Ein Aus für die Fliese im Badezimmer - das aber sehen die Experten nicht. «Die Fliese hat seit Jahrzehnten ihren Platz im Bad, und den wird sie auch in nächster Zukunft haben, gerade wegen des Aspektes der Hygiene», erklärt Reinhardt. «Aber Fliesen werden gerade ein bisschen sparsamer eingesetzt.» Und zwar als Akzente und dort, wo sie im Rahmen ihrer Funktion auch gefordert seien: am Waschplatz.

Aber auch Reinhardt hält viel von der Tapete als recht neue Gestaltungsmöglichkeit fürs Bad. «Sie wird vielleicht nicht so lange halten wie eine Fliese, aber sie gibt einem damit ja auch die Möglichkeit der früheren Erneuerung.»

Denn auch das ist neu in den Badezimmern: Sie werden häufiger verändert als in dem bisher üblichen 20-Jahre-Rhythmus, von dem die Organisation VDS laut Befragungen ausgeht.

Dabei geht es nicht unbedingt um aufwendige Veränderungen von Fliesen, Dusche, Wanne und WC. Denn: «Es macht so viel aus, wenn man zum Beispiel eine Wand verändert», sagt Einrichtungsexperte Reinhardt. «Ob unifarben oder eine sehr plakative Tapete mit floralem Muster - das verändert gleich das ganze Thema des Badezimmers.»

© dpa-infocom, dpa:210323-99-936065/2

Trend-Blog fürs Badezimmer zur Messe ISH: Pop up my bathroom



Weitere Artikel aus dem Bereich: Bauen & Wohnen