Was man auch erfuhr beim 2:2 der SpVgg Ansbach in der Fußball-Regionalliga gegen die SpVgg Bayreuth: Der berühmte Marek Mintal kommuniziert während des Spiels in Schriftform mit seinen Spielern.
Mitte der zweiten Hälfte trug Jonas Wieselsberger einen Zettel von der Bayreuther Trainerbank heran, las und reichte ihn an Abwehrchef Edwin Schwarz weiter, der das Geschriebene im laufenden Betrieb durchaus mit Interesse zur Kenntnis nahm. Was stand da wohl in dem Briefchen? Ein Rezept für das slowakische Nationalgericht Bryndzove halušky wohl eher nicht, die Gästeliste für die abendliche Feier zu Mintals 46. Geburtstag wird es auch nicht gewesen sein.
Mintal selbst konnte man nicht fragen, denn der scheute den öffentlichen Presse-Talk im Xaver-Bertsch-Sportpark und schickte Co-Trainer Lukas Kling vors Mikrofon. „Die neue Aufstellung“, vermutete Letzterer, sein „Abschiedsgesuch“ zynische Altstadt-Fans.
Egal, wie denn nun der schriftliche Befehl aus dem Trainerhauptquartier lautete, falsch war er ganz offenbar nicht, immerhin gelang den Bayreuthern noch den Ausgleich durch ein Tor von Trainersohn Jakub Mintal und damit der erste Auswärtspunkt der Saison.
Ein schwacher Trost nur für den Drittligaabsteiger, der mit seinen vielen höherklassig erfahrenen Spielern nicht in der Lage war, die kampfesmutigen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten in langen Phasen am oberen Level spielenden Ansbacher einzuhegen. Bei der verbalen Aufarbeitung des achten Saisonspiels war bei den nullneunern sogar leises Bedauern über den verpassten dritten Saisonsieg zu hören, der nach der 2:0-Führung zur Pause in Reichweite schien, aber auch Erleichterung.
„Nach der ersten Halbzeit würde ich sagen ein Punktverlust, in der zweiten Halbzeit müssen wir froh sein, dass die hintenraus nicht noch das dritte Tor machen“, sagte der Ansbacher Innenverteidiger Jonas Bayerlein. „Ein gerechtes Unentschieden“, fand der Ansbacher Pepe Brekner, der wieder auf der Außenbahn im Mittelfeld ran durfte.
Für den Ansbacher Trainer Christoph Hasselmeier war es eine „nahezu perfekte erste Halbzeit“. Unzufrieden war er nur mit der Anfangsphase des zweiten Durchgangs, die die Bayreuther, durch die Infusion von drei neuen Spielern aus dem Phlegma gerissen, überlegen und druckvoll im Angriff gestalteten. Sehr zum Wohlwollen von Kling: „Da haben wir Herz auf den Platz bekommen und ein bisschen mehr Eier gezeigt. Wir können das dritte Tor machen und müssen dann aber auch froh sein, dass wir das dritte nicht fangen“.
In der ersten Halbzeit sprach der Co-Trainer seiner Truppe sogar die Grundtugenden Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten ab: „Da hat uns Ansbach vorgeführt, was das angeht“.
So gerne wie den Punkt nahmen die Ansbacher dieses Kompliment entgegen.
An Tim Latteier lag es bestimmt nicht, dass der Favorit auch das vierte Spiel in Folge nicht für sich entscheiden konnte. Der Scheinfelder glänzte als Antreiber im Mittelfeld, spielte feine Pässe, erzielte den Anschlusstreffer und war doch sehr unzufrieden mit den „zwei verlorenen Punkten“.
„Es kann nicht sein, dass wir in Ansbach zur Pause 0:2 hinten liegen und das nicht einmal unverdient, das war schon sehr enttäuschend“, so Latteier, „unser Ziel war oben mitzuspielen, aber wenn wir so weiterspielen wird es schwer, das zu erreichen. Da muss von jedem mehr kommen.“
Und was stand jetzt auf dem Zettel? Latteier wusste es auch nicht. „Ich habe den nicht bekommen“.
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