Es ist ein würdiger Abschluss der „Wehlmäusler Forstkultur“-Saison 2022/2023. Das Publikum kann mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas getan, etwas verändert zu haben. Denn es hat zusammen mit dem Stand-up-Comedian und Kabarettisten Jonas Greiner eine neue politische Partei gegründet.
Dieser Akt ist Teil des zweiten Soloprogramms des Südthüringers, „Greiner für Alle!“ heißt es. Es ist äußerst unterhaltsam, wenn Greiner mit den Anwesenden im Saal das vom Bundeswahlleiter zugesandte Formular ausfüllt.
Bei dieser Aktion kann er nicht nur mit dem Publikum interagieren und dabei seine Spontanität und Schlagfertigkeit unter Beweis stellen. Nein, Greiner kann damit auch seine Kritik an den politischen Verhältnissen auf die Spitze treiben. Letzteres macht der 25-Jährige ohnehin gern, meisterhaft gepaart mit teilweise skurrilen Gedankengängen. Wobei vieles, was auf den ersten Blick nur witzig zu sein scheint, in Wirklichkeit tiefgründiger ist und zum Nachdenken anregt.
Die Politik sei überaltert, junge Menschen hätten kein Interesse, sich politisch zu engagieren. Das finde er schade, sagt Greiner. Zumal so viel im Argen liege. Sahra Wagenknecht von der Linkspartei bezieht Nebeneinkünfte im sechsstelligen Bereich. Da fragt sich Greiner: Läuft das nicht der kommunistischen Idee zuwider? Studenten nutzten Sitzungen des Bundestags bereits, um Persönlichkeitsstörungen zu erforschen: Narzissten bei der FDP und Schizophrene bei den Grünen. Nur bei Olaf Scholz sei es schwierig: Der Kanzler habe überhaupt keine Persönlichkeit.
Und der Südthüringer beichtet – er erzählt von der großen Schuld, mit der er leben müsse. Er begegnete Björn Höcke von der AfD einst auf der Toilette und stellte die Frage, die alles hätte verändern können, nicht: Ob Höcke es nicht einfach lassen wolle, das mit der Politik?
Die Bundesregierung mache Politik aus der Berlin-Sichtweise, der ländliche Raum falle hinten runter, so Greiner. Da werde dann ein Krankenhaus, bevor es schließen müsse, ehrenamtlich betrieben. Um Geld reinzubekommen, würden die Operationssäle für Geburtstagsfeiern vermietet.
Treffend sind auch Greiners Alltagsbeobachtungen: Das „to-go“-Konzept einer Supermarktkette könne er nicht nachvollziehen. Bedeute das etwa, dass die Produkte in den „normalen“ Supermärkten gar nicht zum Mitnehmen gedacht sind?
Nicht nur wegen seiner Körperlänge von 2,07 Metern ist der 25-Jährige schon ein Großer. Er verpackt die richtigen Themen intelligent und wortgewaltig – und ist dabei herrlich unaufgeregt.