Magie und Nervenkitzel im Kriminalmuseum Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.05.2023 16:45

Magie und Nervenkitzel im Kriminalmuseum Rothenburg

Ein königlicher Schatz sind die mittelalterlichen Reichsinsignien – eine Nachbildung ist ausgestellt. (Foto: Simone Hedler)
Ein königlicher Schatz sind die mittelalterlichen Reichsinsignien – eine Nachbildung ist ausgestellt. (Foto: Simone Hedler)
Ein königlicher Schatz sind die mittelalterlichen Reichsinsignien – eine Nachbildung ist ausgestellt. (Foto: Simone Hedler)

„Meist geht es nicht um das große Geld, sondern um die große Freude am Abenteuer.“ Es ist die Schatzsuche, von der Professor Dr. Johannes Dillinger hier spricht. Und die steht im Mittelpunkt der neu eröffneten Ausstellung im Mittelalterlichen Kriminalmuseum (MKM).

Gemeinsam mit Dr. Markus Hirte, Geschäftsführer des MKM, und der Archäologin Birgit Kata hat er die Ausstellung „Schatz und Schatzsuche in Geschichte und Recht“ kuratiert. Der Titel hält, was er verspricht: Besucherinnen und Besucher erhalten hier nicht nur einen historischen Überblick zum Thema, sondern erfahren auch einiges über die rechtlichen Hintergründe und die aktuelle Rechtspolitik.

Zum Beispiel über das Schatzregal, das nun auch für Bayern diskutiert wird. Derzeit liegt das Eigentum an einem archäologischen Fund noch zur einen Hälfte beim Finder und zur anderen Hälfte beim Eigentümer des Grundstücks, auf dem er gefunden wurde. Bald soll möglicherweise – wie in allen anderen Bundesländern auch – jedoch gelten: Eigentümer ist der Staat.


Suchen macht Spaß; nur auf den Zufall zu warten, wäre langweilig.

Dr. Johannes Dillinger

Zum Ausstellungsbeginn war die Entscheidung über den Gesetzesentwurf noch nicht gefallen. Doch Dr. Markus Hirte und sein Team sind vorbereitet: Die entsprechende Infotafel könne „ganz schnell ausgetauscht werden“, so Hirte.

Landtagsabgeordneter Andreas Schalk betonte zu diesem Thema bei der Eröffnung, dass das Interesse des Staates nicht darauf liege, sich an den Funden zu bereichern. Vielmehr wolle man dadurch das kulturelle Erbe sichern. Denn Bayern sei ein Kulturstaat, betonte der Vizepräsident des bayerischen Landtags, Thomas Gehring, in seinem Grußwort. Museen seien kein Luxus, sondern „geistiges Grundnahrungsmittel“.

Nicht nur für Juristen aufbereitet

In dem Zuge bescheinigte er dem Kriminalmuseum eine „großartige Bildungsarbeit“. Oberbürgermeister Dr. Markus Naser stimmte dem zu: „Das Museum selbst ist ein Schatz.“ In der Ausstellung stecke „sehr viel Arbeit“.

Das gelte auch für den Katalog zur Ausstellung, findet Dr. Kerstin Engelhardt-Blum, Regierungspräsidentin von Mittelfranken. Johannes Dillinger und Markus Hirte hätten ihn „mit viel Liebe zum Detail“ zusammengestellt und das Thema auch für Nicht-Juristen verständlich aufbereitet.

Sie brachte einen weiteren Gedanken zum Thema Schatz ins Spiel: „Schätze führen nicht zum Glück der Finder, sondern eher zu Streit und Unglück.“ Nicht umsonst würden Schätze häufig von Ungeheuern bewacht, um sie vom Menschen fernzuhalten. Drachen sind auch in der Ausstellung vertreten: Ein multimediales Exemplar erwartet die Besucherinnen und Besucher gleich am Beginn des Rundgangs.

Magie spielt eine große Rolle

Die Magie spiele insgesamt eine große Rolle, meinte auch Johannes Dillinger. In der Vormoderne spreche der Schatzsucher mit Geistern, müsse Dämonen beschwören. Die moderne Suche versuche hingegen, über historische Quellen an Informationen zu kommen. Die meisten Funde jedoch seien dem Zufall geschuldet. „Auch der Rothenburger Goldmünzenschatz wurde gefunden, aber nie gesucht“, meinte Dillinger. Doch auch wenn dies eher ernüchternd sei: „Suchen macht Spaß; nur auf den Zufall zu warten, wäre langweilig.“

Die Spurensuche, Entdeckerfreude und der Nervenkitzel dabei würden den Spaß an der Schatzsuche ausmachen.

Die Ausstellung „Schatz und Schatzsuche in Recht und Geschichte“ ist bis Ende 2024 täglich zu den regulären Öffnungszeiten des Museums in der Johanniterscheune zu sehen.

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