Erheblichen Nachholbedarf bei der Instandhaltung ihrer Infrastruktur hat die Stadt Leutershausen. Investitionen, die eigentlich keinen Aufschub dulden, könnten die Verschuldung der Kommune in den nächsten Jahren verdoppeln. Das wurde deutlich, als der Finanzausschuss des Stadtrates nun den Haushalt 2025 vorbereitete.
„Wir haben einfach einen Investitionsstau bei Straßen, bei Gebäuden, bei allem“, fasste Bürgermeister Markus Liebich die Situation zusammen: „Es ist zu wenig investiert worden.“ Kaum ein städtisches Gebäude sei in adäquatem Zustand. Allerdings klammerte er dabei das eben erst mit Millionenaufwand in ein Schmuckstück verwandelte Alte Landgericht (Flugpioniermuseum) ebenso aus wie den derzeit entstehenden neuen Bauhof und das Rathaus, das aktuell im Inneren runderneuert wird.
Doch zahlreiche kommunale Pflichtaufgaben warten noch in nächster Zeit. Schulen, Kindergärten und Feuerwehren nannte Liebich, als es um die Eckdaten der Vermögenshaushalte der Stadt für die Jahre bis 2028 ging. Nun müsse man schauen, welche Projekte man zur Not noch einmal schieben könnte. Gegebenenfalls könnte die Stadt auch einzelne Immobilien abstoßen, für die sie aktuell keine Verwendung hat: Auch diese Idee ließ er leise anklingen.
„Wenn das alles so kommt, brauchen wir zehn Millionen Euro an neuen Krediten“, bilanzierte Georg Braun (CSU) mit Blick auf die Liste der Aufgaben und schob die Frage hinterher: „Ist das realistisch?“ Die Kommunalaufsicht, so seine Sorge, werde da womöglich nicht mitspielen. Sein Fraktionskollege Thomas Härpfer rechnete vor, dass die Pro-Kopf-Verschuldung von derzeit etwa 2000 Euro dann auf mehr als 4000 Euro steigen könnte – das Vierfache des bayerischen Landesdurchschnitts.
Finanzchef Dietrich Negrea erläuterte dem Gremium in der dreistündigen Sitzung, dass sich dank überraschend guter Steuereinnahmen das Jahr 2024 „wesentlich besser dargestellt hat als erwartet“. Dennoch sei die Lage „finanziell sehr angespannt“ – so wie auch in anderen Kommunen. „Ich bin auch fürs Sparen, aber ich will die Stadt auch voranbringen“, begründete er die lange Investitionsliste.
Auf der steht ganz oben die Grundschule, für deren Generalsanierung etwa fünf Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre, angesetzt sind. Laut Bauamtsleiter Markus Schmitt ist das Gebäude im Kern 70 Jahre alt. Elektrik und Geländer seien nicht mehr vorschriftsmäßig, und es gebe energetische Mängel.
Das Haus sei „höchst sanierungsbedürftig“, und damit müsse in kürzester Zeit begonnen werden. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, ob nicht unter Umständen ein Neubau günstiger käme, und ob vielleicht Synergien mit dem geplanten Bau eines neuen Kindergartens genutzt werden könnten. „Wir denken darüber nach“, sagte Liebich und kündigte für 2025 „intensive Untersuchungen“ an, für 2026 die konkrete Planung und ab 2027 die Realisierung.
Eiliger ist der erst jüngst bekannt gewordene Sanierungsfall Oberes Tor, weil dort möglicherweise sogar eine Verkehrsgefährdung durch herabfallende Ziegel bestehen könnte. „Dringenden Handlungsbedarf“ sieht Schmitt nach einem ersten Augenschein. Eine genauere Untersuchung mit einem spezialisierten Büro werde folgen. Anfang kommenden Jahres soll der Stadtrat Näheres erfahren.
Als dringend stuft Markus Schmitt auch Arbeiten an der neuen Turnhalle ein. Dort gibt es Schäden am Dach. „Die Substanz verschlechtert sich“, sagte er und rechnet mit rund 100.000 Euro für die Entfernung von Dachgauben, die „von Baubeginn an nicht dicht“ gewesen seien und „so gut wie keine Lichtausbeute“ bringen.
Deutlich mehr muss in die Schule in Weißenkirchberg investiert werden – prognostiziert werden je 750.000 Euro für die Jahre 2027 und 2028. Laut Liebich sei die gesamte Substanz des Hauses aus dem Ende der 1960er Jahre marode. An manchen Stellen gebe es Wassereintrag, der teils provisorisch behoben worden sei. Auch hier soll zunächst eine Machbarkeitsstudie erfolgen.
Mit „diversen Leckagen“ kämpft man im Hallenbad. „Es tropft in den Keller rein. Da besteht gehöriger Bedarf, etwas zu tun“, erläuterte der Bauamtsleiter. Bei einer Sanierung 2017/2018 sei das Becken samt Technik ausgespart worden, ergänzte der Bürgermeister. Der Stempel für den Hubboden habe „20 Jahre auf dem Buckel“. 750.000 Euro sind für das Jahr 2026 vorgesehen. „Ich würde das Hallenbad unter allen Umständen gerne halten“, betonte Liebich: „Es wäre schmerzhaft, wenn wir das nicht weiter betreiben.“
Ein weiterer „großer Kostenblock in den nächsten Jahren“ wird das teils desolate Straßennetz der weitläufigen Kommune sein, so der Rathauschef. Dazu müsse man eine Prioritätenliste erstellen. In der Ausschusssitzung klang an, dass möglicherweise bereits geplante Maßnahmen wie der Ausbau der Ortsdurchfahrt von Höchstetten warten müssen. Auch beim Kernwegenetz „müssen wir sehen, was wir uns da leisten können“, erklärte Thomas Härpfer.
Wenig Spielraum hat der Stadtrat bei diversen Projekten wie dem Kindergarten-Neubau, für den für die Jahre 2027/2028 rund sechs Millionen Euro angesetzt werden, den Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses in Wiedersbach für rund zwei Millionen Euro ab 2025 oder dem Kreisverkehr an der Ostspange, der nächstes Jahr entstehen soll. Dazu der Bauamtsleiter: „Der Reifegrad der Unterlagen ist jetzt sehr, sehr hoch. Wir hoffen im Januar auf den Förderbescheid“, so Schmitt: „Es ist alles fertig, man muss nur noch auf den Knopf drücken.“
„Wenn wir alles machen wie geplant, brauchen wir 2025 rund 3,2 Millionen Euro an Krediten“, prognostizierte Dietrich Negrea. Für „Detail-Justierungen“ warb deshalb CSU-Stadtrat Härpfer: In einem Workshop solle jeder Mitarbeiter Einspar-Vorschläge machen. Das Ziel: „Wir müssen effizienter werden.“ Das gelte auch für die Politik, betonte Michael Zimmermann (Bürgerforum): „Es wäre sehr unproduktiv, wenn wir das alles nochmal im Stadtrat besprechen würden.“