Kurzfristiges Ende: Busunternehmen Scharnagel in Feuchtwangen hört auf | FLZ.de

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Kurzfristiges Ende: Busunternehmen Scharnagel in Feuchtwangen hört auf

Noch fahren die Busse der Firma Scharnagel durch die Stadt und den Landkreis Ansbach. Ab August werden sie aber aus dem Straßenbild verschwinden. (Foto: Thomas Schaller)
Noch fahren die Busse der Firma Scharnagel durch die Stadt und den Landkreis Ansbach. Ab August werden sie aber aus dem Straßenbild verschwinden. (Foto: Thomas Schaller)
Noch fahren die Busse der Firma Scharnagel durch die Stadt und den Landkreis Ansbach. Ab August werden sie aber aus dem Straßenbild verschwinden. (Foto: Thomas Schaller)

Das Feuchtwanger Busunternehmen Scharnagel stellt Ende Juli seinen Betrieb ein. Davon sind über zwanzig Buslinien im Landkreis Ansbach betroffen. Das Landratsamt strebt an, das bisherige Angebot im öffentlichen Nahverkehr unter anderem mit einer Notvergabe unverändert aufrecht zu erhalten.

Der Behörde sei es gelungen, für alle zur Disposition stehenden Linien Interessenten zu finden, teilte der Pressesprecher des Landratsamts, Fabian Hähnlein, auf Anfrage der FLZ mit. Allerdings steigen die Kosten: Bisher wurden alle Linien eigenwirtschaftlich betrieben. Das bedeutet, dass das Busunternehmen den Betrieb im Rahmen seines unternehmerischen Handelns selbst gestaltet hat und der Verkehr sich selbst getragen hat, zum Beispiel aus Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf.

Die Mehrkosten sind noch nicht ganz klar

Künftig wird der Betrieb voraussichtlich teilweise gemeinwirtschaftlich sein. Die Fahrten werden also vom Landkreis bezuschusst. Wegen des relativ kurzfristigen Betriebsendes erfolgt eine Notvergabe statt einer regulären Ausschreibung. In diesem Rahmen wurden 30 Verkehrsunternehmen aufgefordert, Angebote abzugeben. In Absprache mit der Regierung von Mittelfranken wurde für zwei Jahre ausgeschrieben. Während der Laufzeit wird dann die Vergabe im üblichen Verfahren durchgeführt. „Genaue Kosten können aufgrund des noch andauernden Vergabeprozesses noch nicht beziffert werden“, schreibt Pressesprecher Hähnlein in der Stellungnahme des Landratsamts.

Der gemeinwirtschaftliche Betrieb komme in Frage, wenn eine ausreichende Verkehrsbedienung eigenwirtschaftlich nicht möglich ist oder eigenwirtschaftliche Anträge nicht fristgerecht eingereicht werden, erläuterte Fabian Hähnlein. Erst dann dürften öffentliche Zuschüsse gewährt und gemeinwirtschaftliche Verkehre genehmigt werden. Für einige Linien wurden wieder eigenwirtschaftlich arbeitende Betreiber gefunden, informierte die Regierung von Mittelfranken.

Mit einem Bescheid hatte die Regierung von Mittelfranken als Genehmigungsbehörde die beiden Verkehrsunternehmen „Franz Scharnagel Feuchtwanger Zeisig e.K.“ und Markus Dobisch GmbH, die ebenfalls Konzessionsinhaberin ist, zum Ablauf des 31. Juli „vollständig und dauerhaft“ von der Betriebspflicht entbunden.

Das ist der Grund für das Aus bei Scharnagel

Markus Dobisch bestätigte auf FLZ-Anfrage am Telefon, dass sein Unternehmen den Betrieb am 31. Juli einstellen wird. Nach den Worten von Pressesprecher Martin Hartnagel von der Regierung von Mittelfranken waren gesundheitliche Gründe dafür ausschlaggebend.

Nach Angaben des Landratsamts hätten die Konzessionsgenehmigungen, die von der Bezirksregierung erteilt wurden, noch eine Laufzeit bis mindestens Mitte Dezember 2024, bei einigen Linien sogar bis Dezember 2025 gehabt. Für eine Linie endet die Konzession regulär Ende Juli.

Vor allem im Westen und Süden unterwegs

Der Landkreis sieht sich in der Pflicht, weiter für einen ausreichenden öffentlichen Nahverkehr zu sorgen. Im entsprechenden Landesgesetz steht, dass die Planung, Organisation und Sicherstellung des allgemeinen öffentlichen Personennahverkehrs eine Aufgabe der Landkreise und kreisfreien Gemeinden ist, allerdings in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Mit den Scharnagel-Bussen fahren bislang viele Kinder zur Schule und Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitsplatz. Betroffen sind die Linien 805, 807, 813, 814, 855, 856, 858, 859, 817, 818, 815, 851, 852, 854, 862, 863, 864, 866, 821 und 823 – und somit ein großer Teil des öffentlichen Nahverkehrs im Westen und Süden des Landkreises.

Omnibusverkehr Franz Scharnagel

Zum Omnibusverkehr Franz Scharnagel gehört laut der Homepage des Unternehmens neben dem Stammsitz mit dem traditionellen Namen „Feuchtwanger Zeisig“ auch der „Rothenburger Reisedienst“ als Zweigbetrieb.

Der Familienbetrieb wurde 1929 von Franz Scharnagel und August Bühl gegründet. Seit 1937 war Scharnagel alleiniger Eigentümer. Jetzt wird die Firma in der dritten Generation von seinem Enkel Markus Dobisch geführt.

Zunächst war es ein Transport- und Speditionsunternehmen mit Lkw- und Omnibusverkehr. Im zweiten Weltkrieg ruhte der Verkehr, weil die Fahrzeuge von der Wehrmacht beschlagnahmt wurden.

1955 starb Franz Scharnagel und seine Ehefrau Frieda Scharnagel übernahm den Betrieb. 1957 wurde der Transportzweig aufgegeben und man konzentrierte sich auf die Personenbeförderung durch den Kauf des „Rothenburger Reisedienstes“. In den Folgejahren baute man einen Schulbus- und Linienverkehr in den damaligen Landkreisen Feuchtwangen und Rothenburg auf. Der Ausflugsverkehr wurde durch Vereins- und Gruppenreisen ausgebaut.

1969 erfolgte der Neubau eines größeren Betriebshofes in Feuchtwangen. Zehn Jahre später starb Frieda Scharnagel. Der Betrieb ging nun an ihre Tochter Friedl Dobisch und ihren Mann Ernst Dobisch.

Nach der Übernahme des Rothenburger Busunternehmens Thomas Grum wurde 1985 in Neusitz ein zweiter Betriebshof gebaut. In der Folge wurden für Fahrten mit internationalen Gästen Geschäftsverbindungen nach Großbritannien, in die Schweiz, die USA und nach Japan aufgebaut und 1992/93 der Betriebshof Feuchtwangen erneut vergrößert.

Nach der Übergabe der Prokura an Markus Dobisch im Jahr 1993 wuchs das Unternehmen weiter. 2005 übernahm Markus Dobisch als neuer Inhaber den Betrieb.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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