Veröffentlicht am 24.11.2022 10:13

Kein Job wegen krankem Kind: Mutter in verzweifelter Lage

Vier Kinder und keine Arbeit: Eine alleinerziehende Mutter kämpft derzeit um jeden Cent. (Symbolbild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)
Vier Kinder und keine Arbeit: Eine alleinerziehende Mutter kämpft derzeit um jeden Cent. (Symbolbild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)
Vier Kinder und keine Arbeit: Eine alleinerziehende Mutter kämpft derzeit um jeden Cent. (Symbolbild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)

Ihre finanzielle Situation ist seit Jahren auf Kante genäht, dennoch schaffte es Irene G. (Name geändert) bislang immer, über die Runden zu kommen. Irgendwie. Weil aber die Energiekosten drastisch gestiegen sind und ihre vier Kinder Unterstützung benötigen, weiß die 43-Jährige nicht mehr weiter.

Irene G. ist alleinerziehend und lebt in einem kleinen Häuschen mit ihren vier Sprösslingen im Alter von zwölf Monaten, sieben, 15 und 20 Jahren. Die kleine Frau ist eine Kämpfernatur, das wird schon nach wenigen Sätzen im Gespräch klar. „Ich hab’ mich mein Leben lang alleine durchgeschlagen, aber jetzt gibt es Momente, in denen ich wirklich verzweifelt bin.“

850 Euro pro Monat für fünf Köpfe

Ihre Not hat eine Geschichte. Als das Jobcenter im Juni diesen Jahres die Leistungen einstellte und sie daraufhin drei Monate auf das beantragte Wohngeld warten musste, war die Schmerzgrenze erreicht. Von den 1940 Euro, die sie monatlich zur Verfügung hat, gehen 1090 Euro für die Miete ab. So bleiben ihr lediglich 850 Euro pro Monat, um die Familie zu versorgen: zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Ihre Ersparnisse sind inzwischen längst aufgebraucht.

Dabei ist das Leben für Irene G. schon immer ein zäher Kampf gewesen, erst recht, seitdem ihre heute sieben Jahre alte Tochter mit einem angeborenen Nierenschaden zur Welt kam. Ständig pendelte die gelernte Bürokauffrau zwischen Arbeitsplatz und Klinik. Das ging so lange gut, bis ihre Tochter nach einer Routineuntersuchung plötzlich doch operiert werden musste.

Irene G., die noch in der Probezeit war, wurde gekündigt. Da ihre Tochter immer wieder Schmerzen hat und nicht durchgehend am Unterricht teilnehmen kann, benötigt sie nach wie vor ihre Hilfe. Mit einer geregelten Arbeit ist das nicht zu verbinden.

Irene G. braucht Unterstützung

„Der Schritt, danach zum Jobcenter zu gehen, hat mich schon große Überwindung gekostet“, blickt sie zurück. Auch der Gang zur Tafel, den sie einmal wöchentlich antritt, ist für die 43-Jährige keine Selbstverständlichkeit. „Ich hätte nie gedacht, dass ich da mal hin muss.“

Doch anders geht es derzeit nicht. Irene G. benötigt Unterstützung. Die Rechnungen türmen sich auf, gleichzeitig haben die zwei ältesten Söhne Bedarf angemeldet. „Es kommt gerade alles auf einmal.“ Der Heizöltank im Haus ist leer, und der Winter naht. Ihr 15-jähriger Filius möchte an der Ski-Freizeit mit seiner Klasse teilnehmen, hat aber keinerlei Ausrüstung, von Taschengeld gar nicht zu reden.

Und der älteste Sohn hat nach dem Abitur gerade mit dem Studium in Erlangen begonnen und muss sich ein Zusatzticket kaufen, um täglich pendeln zu können. Den Laptop oder PC, den ihr 15-Jähriger in der Schule verwenden muss, aber nicht hat, möchte seine Mutter gar nicht erwähnen. „Ich kann es mir einfach nicht leisten“, sagt Irene G. leise und rückt ihre kaputte und nur provisorisch reparierte Brille zurecht.

Der Sohn übernahm die Stromkosten

Die Stromnachzahlung hat ihr ältester Sohn übernommen, der bis zum Start des Studiums nebenher jobbte. „Mir war das sehr unangenehm“, sagt Irene G., „als Mutter möchtest du dich um die Kinder kümmern und nicht umgekehrt.“ Vom Vater ihrer Kinder, der in Nordrhein-Westfalen lebt, hat sie schon länger nichts mehr gehört. Von Unterhalt ganz zu schweigen.

Dennoch versucht Irene G., der Not auch positive Aspekte abzugewinnen. Die Herausforderungen der zurückliegenden Monate haben die Familie zusammengeschweißt. „Wir halten fest zusammen“, versichert die 43-Jährige, und für einen kurzen Moment leuchten ihre Augen.

Hoffnung leitet die vierfache Mutter aus der Zukunft ab. Im September nächsten Jahres, wenn der Kleinste einen Krippenplatz bekommt, will sie wieder im Büro arbeiten gehen. Bis dahin wird Irene G. kämpfen. „Ich möchte die Kinder ordentlich erziehen und alles so regeln, dass man nicht merkt, dass wir auf Hilfe angewiesen sind.“

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Florian Pöhlmann

Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.

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