Veröffentlicht am 21.11.2022 15:30

Kaum Geld: Schwerkranke kann nur mit Holz heizen

Anna B. (Namen geändert) kann sich nur noch Holz zum Heizen leisten. Kohlen sind ihr zu teuer geworden. (Foto: Kurt Güner)
Anna B. (Namen geändert) kann sich nur noch Holz zum Heizen leisten. Kohlen sind ihr zu teuer geworden. (Foto: Kurt Güner)
Anna B. (Namen geändert) kann sich nur noch Holz zum Heizen leisten. Kohlen sind ihr zu teuer geworden. (Foto: Kurt Güner)

Es ist noch nicht einmal der halbe Monat um. „Wie viel Geld haben Sie noch?“ Anna B. (Name geändert) holt ihr Portemonnaie. „40 Euro“, antwortet sie und legt einen Zwanziger und zwei Zehner auf den Tisch. „Und noch ein paar Euro in Münzen“, sagt sie.

1799 Euro kostet sie der Grabstein für ihre im April verstorbene ältere Schwester. Das sind für Anna B. nicht viel weniger als drei Monatseinkommen.

Denn die 56-Jährige muss mit 662 Euro und 57 Cent auskommen, ihrer Rente wegen voller Erwerbsminderung. Auch für die Kosten für das Grabausheben fehlt ihr das Geld. Sie wurde gemahnt. Nun erlaubt ihr die Gemeinde eine Zahlung in Raten.

Das geerbte Haus lastet auf Anna B.

Wie kann jemand in Zeiten der Grundsicherung, die das Existenzminimum sichern soll, in eine derartige finanzielle Notlage kommen? Die Antwort: Die 56-Jährige hat auf einem Dorf von ihren Eltern das alte Bauernhaus geerbt, in dem ihre Familie wohnte. Faktisch kann sie sich zwar nur in der Küche und im Schlafzimmer aufhalten, weil die anderen Räume völlig heruntergekommen sind. Doch für die Sozialbehörde gilt sie als Hausbesitzerin. Dennoch hat sie auf Anraten ihrer Gemeindeverwaltung nun Grundsicherung beantragt und wartet auf die Entscheidung.

Ihr ganzes bisheriges Leben lang hat sich die Tochter eines Maurers und einer Hausfrau um ihre zwei Jahre ältere Schwester gekümmert, die nun verstorben ist.

Sie war aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt schwer geistig und körperlich behindert. Nachdem Anna B. auch noch die Mutter bis zu deren Tod gepflegt hatte, lebte sie mit der Schwester allein im Elternhaus. Auch dank des Pflegegeldes kamen die Schwestern zu zweit finanziell halbwegs über die Runden, zumal sie sich viele Kosten teilen konnten. Doch nun schilderte eine Sozialarbeiterin von der Tafel, bei der Anna B. regelmäßig einkauft, der FLZ: „Nach Abzug aller Kosten bleiben ihr nicht einmal 200 Euro zum Leben.“

Rückenverkrümmung und Herzinfarkte

Anna B. hat drei Herzinfarkte überlebt und leidet unter einer schmerzhaften Rückenverkrümmung. Sie muss zig Medikamente einnehmen. Gerade ist sie wieder dabei, sich von den für sie äußerst happigen Zuzahlungen befreien zu lassen.

Ihre Erwerbsminderungsrente ist deshalb so niedrig, weil sie mangels Ausbildung nach der Hauptschule als Küchenhilfe und Fabrikarbeiterin nie viel verdiente. Dabei hatte sie als Jugendliche keine Chance, im Leben selbst ihres Glückes Schmied zu werden, etwa durch eine Qualifizierung: „Meine Eltern sagten, als Frau braucht man keine Ausbildung. Denn eine Frau heiratet irgendwann und kriegt Kinder. Aber, ich habe weder das eine noch das andere gemacht.“

Mit einer so geringen Rente leidet sie ganz besonders stark unter der derzeit sehr hohen Inflation. Denn sie muss jeden Cent und jeden Euro für das Lebensnotwendige aufwenden. Ohne die günstigen Angebote der Tafel in der nächstgrößeren Stadt käme sie überhaupt nicht mehr klar.

56-Jährige will einen Mini-Job

Wegen der stark gestiegenen Benzinkosten muss sie ihr altes Auto fast immer stehen lassen. Doch sie ist auf den Kleinwagen angewiesen, um zur Tafel zu gelangen. Und sie möchte, trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen, endlich einen Minijob finden. Auch für Wege zur Arbeit bräuchte sie dann wohl das Auto. Doch eine dringend notwendige Reparatur kann sie nicht bezahlen.

Heizen kann sie mit ihrer kargen Rente nur die Küche in dem Haus – und zwar nur mit Holz. Es sei zwar auch teurer geworden, aber nicht so massiv wie Kohlen. Deshalb konnte sie sich heuer keine Kohlen leisten. „Ich bleibe länger im Bett“, berichtet sie. Damit spart sie viel Holz ein, damit es über den Winter reicht. Doch mit Kohlen wäre es wärmer.

Ein kaltes Weihnachtsfest in einem kalten Land: So einen traurigen Heiligen Abend möchte Anna B. nicht durchstehen müssen.

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Kurt Güner
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